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Kaarst: Viel Feingefühl für Alzheimer-Patienten

Kaarst : Viel Feingefühl für Alzheimer-Patienten

Heute ist Welt-Alzheimertag: Viele Patienten der Kaarster Zahnärztin Regina Holfeld leiden an der heimtückischen Krankheit. Die Behandlung erfordert Geduld und Vertrauen, denn die Erkrankten dulden keinen Schmerz.

Heute ist Welt-Alzheimertag. Zahnärztin Regina Holfeld, seit dreißig Jahren in Kaarst tätig, erlebt ihn öfter: "Ungefähr alle drei Wochen behandle ich einen Patienten mit Alzheimer", berichtet sie. Oft spielen sich dabei tragisch-komische Szenen ab: "Ein Mann kam mit seiner erkrankten Frau - ihre Vollprothese war verschwunden und beide hatten eine schlimme Woche hinter sich", erzählt sie. Beim Wiedereinsetzen der Zähne sagte er: "Können Sie nicht zusätzlich ein GPS-Signal einbauen, um die Prothese beim nächsten Mal leichter wiederzufinden?". Vielleicht ein Modell der Zukunft, meinte die 55-jährige Medizinerin. Eine andere Dame wird immer von ihrer Tochter begleitet, die ihrer Mutter vor und während der Behandlung Volkslieder vorsingt. "Wir sprechen über die Lieder und dadurch entsteht eine entspannte Stimmung", erzählt Regina Holfeld.

Denn diese sei sehr wichtig. "Die Patienten müssen mich schließlich in ihren Mund lassen", sagt sie. Dazu bedarf es seitens der Ärztin ausreichend empathischer Fähigkeiten - und der Bereitschaft, zuzuhören. "Hilfreich ist es, ein gemeinsames Gesprächsthema zu finden", erklärt die Zahnmedizinerin. Die Menschen mit Alzheimer tolerierten keinen Schmerz, seien sehr empfindlich und hätten eine Null-Toleranz-Grenze. Da sei eine große Portion Einfühlungsvermögen vonnöten. "Ich erkläre grundsätzlich alles, lenke sie ab und spende immer Lob", erläutert die Mutter zweier Söhne ihre Arbeit. Von daher mache sie nur positive Erfahrungen mit Alzheimer Patienten: "Sie sind durchweg friedlich und nett mir gegenüber", so die Ärztin.

Große Unterstützung leisten die begleitenden Angehörigen. Sie machen den Patienten alles begreiflich und nehmen so eventuelle Angst weg. Das gilt auch für andere Betreuer. "Manche Patienten kommen allein. Das ist ganz wichtig für ihre Selbstbestimmung", meint Regina Holfeld. Natürlich sei das mit den Angehörigen abgesprochen. Ein Mann verlässt sich dabei auf seinen Hund - er kennt den Weg, wartet draußen geduldig auf das Ende der Behandlung und die Praxis sagt der Ehefrau Bescheid, wenn beide wieder losziehen.

30 Patienten mit Alzheimer hat Regina Holfeld inzwischen regelmäßig auf ihrem Zahnarztstuhl - viele kennt sie schon lange, bevor sie sich veränderten. "Diese Veränderung erstreckt sich oft über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren", beobachtet Holfeld. Immer werde sie in einem vertraulichen Gespräch ohne den Betroffenen über die Erkrankung informiert. Das gelte auch für neue Patienten. Während ihres Studiums war Alzheimer kein Thema. "Das lief alles unter Vergesslichkeit", erinnert sie sich. Die sich verändernde Gesellschaft fordere inzwischen ihren Tribut: "Mittlerweile gibt es Alterszahnmedizin und Fortbildungsmöglichkeiten", sagt Holfeld. Als große Herausforderung sieht sie die zahlreichen Medikamente an, die ältere Menschen einnehmen. "Hier muss man sehr aufpassen, dass keine Schäden bei der Behandlung entstehen", erklärt sie.

(NGZ)