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Jüchen-Hochneukirch: Acht Monate Ausnahmezustand nach Waserrohrbruch beendet

Folgen eines Wasserohrbruchs in Hochneukirch : Acht Monate Ausnahmezustand beendet

Michaela Pfeiffer ist endlich wieder in ihrem Haus an der Hochstraße zurück. Im März musste sie es nach einem Wasserrohrbruch im Nachbargebäude abrupt verlassen. Nun müssen Risse und andere Schäden behoben werden.

Die Kleidung ist wieder in den Schränken verstaut, einen ersten adventlichen Stern hat Michaela Pfeiffer in ihrem Wohnzimmer aufgehängt, für mehr war bislang keine Zeit. Nach acht Monaten Ausnahmezustand konnte die 76-Jährige endlich wieder in ihr Haus an der Hochstraße zurückkehren. „Es geht mir langsam besser“, sagt sie, und dann korrigiert sie: „Ich bin überglücklich, wieder zu Hause zu sein.“ Doch nicht nur die rund 50 Stahlstützen in der Hofdurchfahrt zeugen noch von dem Schrecken, den Michaela Pfeiffer in diesem Jahr durchleben musste.

Im März waren Feuerwehr und Technisches Hilfswerk Kostenpflichtiger Inhalt an der Hochstraße am Nachbarhaus angerückt. Wegen eines zunächst unbemerkt gebliebenen Rohrbruchs waren dort rund 30.000 Liter Wasser ausgelaufen, Fundamente sackten ab. Die Einsatzkräfte sicherten wegen Einsturzgefahr das Gebäude mit großen Holz-Balken. Auch das angrenzende Wohn- und Geschäftshaus von Michaela Pfeiffer wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Kostenpflichtiger Inhalt Die 76-Jährige musste binnen weniger Stunden die wichtigsten Sachen packen und raus. „Mein großer Dank gilt der Familie Bovians, die mir spontan eine Zwei-Zimmer-Wohnung zur Verfügung gestellt hat, meinen Kindern und all den anderen, die mir geholfen haben.“

 In der Hofdurchfahrt stehen etliche Stützen – und in Wänden klaffen lange Risse, die nun beseitigt werden müssen.
In der Hofdurchfahrt stehen etliche Stützen – und in Wänden klaffen lange Risse, die nun beseitigt werden müssen. Foto: Melanie Zanin (MZ)
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Kostenpflichtiger Inhalt Das Nachbargebäude hat die Stadt mittlerweile abreißen lassen, eine Plane schützt den nun frei liegenden Giebel ihres Hauses. Nach Untersuchungen auf Schäden im Boden unter den Hausfundamenten gab ein Gutachter grünes Licht für ihre Rückkehr aus dem achtmonatigen „Exil“. „Bürgermeister Harald Zillikens hat mich angerufen und informiert, dass ich wieder ins Haus kann“, schildert Pfeiffer.

Etwa Ihren bequemen Sessel habe sie vermisst, und das von ihr gemalte Porträt ihres verstorbenen Mannes. „Und die Freiheit, einfach in meinem eigenen Haus leben zu können.“ Nach der Rückkehr habe sie kurz überlegen müssen, wo denn die Gläser seien. „Acht Monate sind eine lange Zeit.“ Zum Glück hatte ihre gemütliche Wohnung mit vielen selbst gemalten Acryl-Bildern die Zeit gut überstanden. „Ich hatte gedacht, dass sich mehr Staub angesammelt hätte.“ Hündin Lilly musste sich ebenfalls erst wieder eingewöhnen, und sie hat nun ihre Lieblingsdecke wieder. Auch die Boutique „Body & Soul“ im Erdgeschoss könne wieder öffnen, sagt Pfeiffer.

 Das Nachbargebäude hat die Stadt abreißen lassen, zuvor war es mit großen Stützbalken gesichert worden.
Das Nachbargebäude hat die Stadt abreißen lassen, zuvor war es mit großen Stützbalken gesichert worden. Foto: Melanie Zanin (MZ)

Den ersten Abend wieder daheim habe sie mit einem „guten Essen und einem Glas Rotwein“ begangen, erzählt die Rückkehrerin. Doch noch ist längst nicht alles wie früher. Als Michaela Pfeiffer anfangs in ihre Küche und die Nachbarräume ging, beschlich sie „ein mulmiges Gefühl“. Deutlich erkennbare Risse – einige sind mehr als zwei Meter lang – ziehen sich über die Wände. Mehrere reichen durch das gesamte Mauerwerk bis draußen. Der vom Schaden betroffene Teil des Hauses sei „um ein, zwei Zentimeter gekippt“, schildert sie. Mehrere Türen würden sich kaum noch schließen lassen. Handwerker sollen nun anrücken, um die vielen Schäden zu beseitigen.

Die Stadtverwaltung hatte im Rahmen einer so genannten baurechtlichen Ersatzvornahme das beschädigte Nachbargebäude abreißen lassen, um die davon ausgehende Gefahr zu beseitigen. Die Höhe der Kosten dafür würden im hohen fünfstelligen Bereich liegen, hieß es im Rathaus. Die Verwaltung will den Eigentümer in Regress nehmen. Die Verwaltung will den Eigentümer in Regress nehmen. Die Stadt hatte zunächst Interesse am Erwerb des Grundstücks bekundet. Nun heißt es, dass ein Kauf „derzeit nicht geplant“ sei.

Zurzeit laufen auf dem Nachbargrundstück Bohrungen um festzustellen, ob sich im Boden Hohlräume gebildet haben. „Wenn dies nicht der Fall ist, können die Stützen bei mir in der Hofdurchfahrt abgebaut werden“, berichtet Pfeiffer. Das wäre ein weiteres Stück zurück zur Normalität. Vor zwei Monaten hatte die Verwaltung mit Bohrungen das Erdreich unter der Hochstraße vor dem Nachbarhaus untersuchen lassen. Schäden seien dort nicht entstanden, informierte die Stadt.