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Jüchen: Die Lage der Gemeinde auf Jöchener Platt

Jüchen : Die Lage der Gemeinde auf Jöchener Platt

Beim Mundartabend des Bürgerschützen und Heimatvereins wurde die Verkehrssituation in Jüchen spöttisch beäugt. Das hatte Biss und Pfiff. Weil die Häme auf Platt vorgetragen wurde, klang alles aber irgendwie bloß halb so schlimm.

Mehr als einmal richteten sich alle Blicke auf Bürgermeister Harald Zillikens im Publikum - immer punktgenau zum Lokalkolorit. So bewährte sich etwa Raimund Görtz als Mundartdichter und persiflierte in wohlgesetzten Versen die aktuelle Verkehrssituation der Gemeinde.

"Loss jonn" hatten die Freunde rheinische Sprachbesonderheiten den traditionellen Mundartabend des Bürgerschützen und Heimatvereins sowie der Gemeinde Jüchen im Forum der Gesamtschule überschrieben. Zum aktuellen Programm hatte Vereinspräsident Thomas Lindgens zuvor nichts verraten. Viele waren in Vertrauen auf eine gelungene Mischung niederrheinischer Sprachspezialitäten gekommen und wurden mit einem vergnüglichen Abend belohnt. Dabei zeigte sich, dass bei den Mundartfreunden durchaus karnevalistische Qualitäten zu finden sind. Als Peter Könzgen von "de zäng in de häng" oder das Räuber-Lied "Op dem maat stonn die buure" sang, schunkelten die Zuhörer mit.

Apart gewürzt mit besinnlichen und nachdenklichen Momenten, so etwa zu Hans Müllers Vortrag "Die Litanei", bot Ehrenpräsident Hubert Klinkhammer eine feine Auswahl zum Schmunzeln und Nachdenken. Der 92-Jährige, ehemalige Schulrektor trug zum Beispiel ein bereits 1952 über seine Bienen verfasstes Gedicht namens "Unges Beeje" vor. Jüchens künftige Stadtrechte waren Thema bei Peter-Josef Stefes: "Da reicht dann nicht mehr eine Aula für kulturelle Veranstaltungen, dann muss schon eine große Oper wie in Hamburg her", warnte der Gast den Bürgermeister und stimmte zum Stichwort "Oper" das Nibelungenlied in rheinisch-keck verkürzter Version an. Monika Streger hatte ihren ehemalige Schülerinnen Lara, Hanna und Clarissa einen witzigen Disput zum "Lommer kochen" mundgerecht zubereitet. Die jungen Damen bewiesen mit Charme und Witz ihr Können. Günter Wilms und Anke Lindgens traten als Solo und als Duo auf und begeisterten mit einer köstlichen Mischung von Mundart und szenischem Spiel. Wilms beherrscht perfekt den trockenen Witz, der Funken sprühen lässt. Lindgens war als Männerfeindin von grandioser Resolutheit.

Mitreißendes Temperament bewies ebenso Rosi Bruchmann im Sketch mit Domenika Kirschmeier. Beide lotsten Bürgermeister Zillikens auf die Bühne. Hier musste er bekennen, wie er das Jöchener Platt zu retten gedenke. Nicht dumm, versprach der Bürgermeister eine Arbeitsgruppe um Fachfrau Anette Elshoff, ohnehin bekannt als "Mutter Theresa von Jüchen", sowie eine Umwandlung und Übersetzung der Straßenschilder in Mundart.

(NGZ)