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Hückeswagen: Neuanfang in Posthäuschen

Hückeswagen : Neuanfang in Posthäuschen

Holger Lubomierski kann endlich auf seinem Grundstück neu bauen, nachdem sein Haus und das seiner Mutter Ende 2009 abgebrannt war. Zähe Verhandlungen mit dem Kreisbauamt hatten den Baustart um Monate verzögert.

Wo im Sommer noch die ausgebrannte Ruine eines alten Wohnhauses stand, sind jetzt drei große Erdhügel aufgehäuft. Nur noch ein Stück verbranntes Holz und angekokelte Socken erinnern an die Schreckensnacht vom 19. Oktober 2009. Damals, gegen 4 Uhr, stand das Mitte des 19. Jahrhunderts gebaute Fachwerkhaus Posthäuschen 11 in Flammen. Holger Lubomierski konnte seine gehbehinderte Mutter retten. Das Haus und zwei seiner Katzen nicht.

Seit Montag ziehen nun Bauarbeiter den Keller hoch; die Bodenplatte war bereits Ende November gegossen worden, nachdem der 49-jährige Grundstücksinhaber die verbrannte Ruine hatte abreißen lassen. "Eigentlich könnten Herr Lubomierski und seine Mutter schon längst hier wohnen", sagt Rolf Reichling. Der Dortmunder Architekt kämpfte monatelang dafür, dass sie ihr Haus wie gewünscht bauen können. "Ohne ihn wären wir heute immer noch nicht so weit", versichert Lubomierski.

Im Clinch wegen 28 Quadratmetern

Wegen 28 Quadratmetern lagen Architekt und Bauherr mit dem Kreisbauamt monatelang im Clinch. Der kaufmännische Angestellte hatte sich einen eingeschossigen Bungalow ausgesucht, damit seine 75-jährige Mutter keine Treppen mehr steigen muss. Auf 138 Quadratmetern war er zunächst konzipiert, der Kreis wollte aber nur 110 Quadratmeter genehmigen. Der Grund: Die Mitarbeiter glaubten nicht, dass früher im Obergeschoss des Anbaus, in dem seinerzeit eine Werkstatt eingerichtet war, die Wohnung der Mutter gewesen war. Mehr als die Grundfläche des alten Hauses wollte die Behörde nicht für den Neubau genehmigen.

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Mitte Juli 2010 dann die große Wende: In einem weiteren Gespräch mit dem Baudezernenten erhielt der Architekt die mündliche Zusage für den Bauantrag, der Ende Juli genehmigt wurde — für ein Haus auf 143 Quadratmetern. Reichling und Lubomierski mussten dem Kreis nur bei der Schräge des Daches entgegenkommen.

Der Architekt erklärte die Meinungsänderung so: "Nie hatte das Bauamt überprüft, ob in dem Anbau eine Wohnung eingerichtet war. Niemand hat geglaubt, dass die Mutter dort wohnte." Dann aber konnte er Nachweise und Bilder von der Versicherung und vom Brandschutzexperten vorlegen. Auch versicherten Zeitzeugen, zum Teil ehemalige Nachbarn, schriftlich die Existenz der Wohnung.

Einzug im Herbst

Holger Lubomierski, der seit März 2010 in einem Wohnwagen auf seiner Wiese lebt (zuvor war er bei einem Nachbarn untergekommen), sieht nun nach vorn: Anfang Mai wird der 49-Jährige Richtfest feiern, spätestens im Oktober in sein neues Haus einziehen können. Dann holt er seine Mutter wieder zu sich, die seit dem Brand bei Verwandten in der Stadt wohnt.

(RP)