Kreis Mettmann : So ticken Einbrecher

Gute Nachricht: Die Zahl der Einbrüche im Kreis ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Schlechte Nachricht: Viele Bürger sind immer noch zu leichtsinnig.

Der Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen liegt im „zweistelligen Prozentbereich“, bestätigt ein Polizeisprecher. Die genauen Zahlen will Landrat Thomas Hendele voraussichtlich erst Ende Februar/Anfang März vorstellen. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Bei Reihenhäusern steigen Einbrecher zu etwa 80 Prozent durch die Terrassentür oder ein Fenster ein; bei Mehrfamilienhäusern zu 52 Prozent durch die Wohnungstür. Viele Bürger haben ihre Fenster und Türen mit Technik sicherer gemacht. Deshalb bleibt etwa jeder zweite Einbruch im Versuch stecken. Rolf Billen und Klaus Fitzner von der Kriminalprävention der Kreispolizei standen am 3. Januar mit ihrem Info-Mobil auf dem Warrington-Plat in Hilden. Sie wissen, wie Einbrecher ticken. Und was viele Bürger unwissentlich falsch machen.

Rollläden sind kein Einbruchschutz. Wer vor dem Urlaub alle Rollläden herunterlässt, schützt nicht seine Wohnung, sondern signalisiert: „Wir sind nicht da.“ Das ist eine Einladung für Einbrecher.

Briefkasten läuft über. Ebenfalls ein Hinweis für Diebe: Hier ist niemand zu Hause.

Facebook/Instergram Schöne Urlaubsbilder in den sozialen Netzwerken posten, ist zwar gut fürs eigene Ego. Kriminelle sehen das aber auch – und nehmen die Einladung gerne an.

Wohnung dunkel Im Winter fallen dunkle Wohnungen/Häuser besonders schnell auf. Hier wird Strom an der falschen Stelle gespart, meint Rolf Billen: „Mit Fake-TV (kostet zehn Euro) oder Zeitschaltuhren in verschiedenen Räumen kann man mit Licht Anwesenheit vortäuschen.“

Alarmanlagen (sichtbare) oder Videokameras schrecken Einbrecher nicht wirklich, haben die Forscher Gina Rosa Wollinger und Nadine Jukschat 2017 mit Täter-Interviews herausgefunden. Mehr gefürchtet sind aufmerksame Nachbarn. Wenn sich Fremde herumdrücken, ansprechen: „Was machen Sie da?“ Täter wissen dann, dass sie entdeckt worden sind und verschwinden schnell.

Lüften Terrassentüren und Fenster im Erdgeschoss öffnen und dann den Raum verlassen ist sehr leichtsinnig. Einbrecher bekommen so etwas schnell mit und sind blitzschnell in der Wohnung. Diebe sind auch sofort im ersten Stock, wenn ihnen die Bewohner Mülleimer oder Leitern an der Hauswand als Kletterhilfen zur Verfügung stellen. Schauen Sie sich mal in ihrem Hinterhof mit den Augen eines Einbrechers um.

Fenster auf Kipp, Haustür nur zugezogen ohne abzuschließen und dann mal eben schnell was einkaufen. Das passiert immer wieder, wissen die Fachleute der Polizei. Einbrecher leider auch.

110 wählen Die meisten Einbrecher hierzulande sind Profis aus dem Ausland. Sie reisen an und sind schnell wieder weg. Deshalb fällt es der Polizei so schwer, sie zu fassen. „Wenn der Einbruch nicht klappt, gehen sie zum Nachbarhaus“, weiß Rolf Billen: „Täter verschwenden keine Zeit.“ Solche Diebe kann die Polizei nur erwischen, wenn sie sofort von Bürgern informiert wird, die etwas Ungewöhnliches bemerken – über den Notruf 110. „Viele haben Hemmungen, das zu tun“, glaubt Billen: „Bei Ermittlungen kommt häufig heraus, dass Anwohner etwas bemerkt, aber uns nicht informiert haben.“

Beute Einbrecher nehmen Geld, Schmuck und Kreditkarten mit. Und sie kennen alle Verstecke. Geld im Eisfach, Schmuck im Nachtschränkchen und im Bad, der Tresor hinter dem Bild, die Wertsachen zwischen den Büchern: Da hilft nur eines: Verstecke mit mehr Fantasie wählen oder ein Schließfach bei der Bank mieten. Aber dann muss der Schlüssel auch gut versteckt werden.

Fremde nie, unter keinen Umständen in die Wohnung lassen, rät Rolf Billen besonders Älteren: auch keine angeblichen Polizisten, Stadtwerker, Paketboten. Diebe täuschen besonders bei Senioren gerne Hilfsbedürftigkeit vor (bitte ein Glas Wasser), während ein Komplize die Wohnung durchwühlt.