Sternsinger bringen Segen und sammeln für Kinder in Peru

In Hilden und in Haan : Die Sternsinger sind ein Segen

Noch bis Sonntag sind Mädchen und Jungen in Hilden und Haan als Heilige Drei Könige unterwegs. Sie erfüllen einen alten, mittelalterlichen Brauch mit neuem Leben – und sind damit überaus erfolgreich.

Sternsinger sind ein Segen – im doppelten Wortsinn. Sie überbringen Gottes Segen für das neue Jahr. Segen: Das Wort hat einen besonderen Klang. „An Gottes Segen ist alles gelegen“, sagt der Volksmund. „Viel Glück und viel Segen“, wird zum Geburtstag gesungen. Und jeder Gottesdienst endet mit dem Segen. Auf dass er uns begleiten und beschützen möge auf all unseren Wegen. Und dass Segen auf dem liegen möge, was wir tun und anfangen.

Die Sternsinger bringen nicht nur Segen, sie sind auch ein Segen. Rund 46.800 Euro haben sie im vergangenen Jahr allein in Hilden gesammelt, in Haan etwa 11.500 Euro. 2017 haben Sternsinger in ganz Deutschland sage und schreibe 71,23 Millionen Euro eingesammelt. Damit wurden 1965 Projekte in 114 Ländern unterstützt. Deshalb sind die Sternsinger ein Segen für viele Kinder in Not auf der ganzen Welt.

Daran erinnerte gestern auch Bürgermeisterin Birgit Alkenings beim Empfang der Sternsinger im Rathaus: „Wir sollten immer daran denken, wie gut es uns geht und wie viele Chancen wir haben. Vielen Menschen auf der Welt geht es sehr viel schlechter als uns. Deshalb finde ich es toll, dass sich die Sternsinger für andere Kinder einsetzen.“ Fynn weiß genau, für wen die Heiligen Drei Könige diesmal unterwegs sind: „Wir sammeln für Kinder in Peru, besonders für solche mit Einschränkungen.“ „Endlich rappelt`s“, freut sich der Neunjährige und lässt die Münzen der Bürgermeisterin in seiner Büchse klingen.

Begleiterin Anne Rubens hat für den Vormittag schon 15 „Vorbestellungen“ auf ihrer Liste. Das sind Hildener, die den Besuch der Sternsinger ausdrücklich bestellt haben. „Viele freuen sich, wenn sie uns sehen“, erzählt Alexander Kurz (18), der die Sternsinger schon seit acht Jahren begleitet: „Andere wimmeln uns ab.“ Und wie erklärt er sich den außergewöhnlichen Spenden-Rekord, den die Hildener Sternsinger Jahr für Jahr auf die Beine stellen? „Wir haben sehr sehr engagierte Sternsinger“, muss Alexander Kurz lächeln: „Die gehen wirklich in den Straßen von Haus zu Haus. Und viele Hildener sind auch ganz besonders hilfsbereit.“

Mechthild (ihren Nachnamen möchte die 64-Jährige nicht in der Zeitung lesen) wohnt im Hildener Süden und freut sich jedes Jahr auf Caspar, Melchior und Balthasar: „Ich habe 30 Jahre in einer Schule gearbeitet und freue mich, meine Schulkinder wieder zu sehen. Und die Kinder freuen sich, mich wieder zu sehen.“ Wie gesagt: Die Sternsinger sind ein Segen.

In der Bibel kommen die Heiligen Drei Könige übrigens gar nicht vor. Dort ist von Magiern und Sterndeutern die Rede. Daraus wurden im 6. Jahrhundert Könige. Man nahm an, dass nur Könige Königsgeschenke überreichen können. Das Sternsingen ist ein alter Brauch, der bis ins Mittelalter zurückreicht. Als Könige gekleidet zogen Jungen durch die Gassen und spielten den Zug zur Krippe nach.

Das Kindermissionswerk hat den Brauch 1959 mit der Aktion Dreikönigssingen wieder aufgegriffen und ihm ein neues Ziel gegeben. 1961 ist als weiterer Träger der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hinzugekommen. Heute ist das Sternsingen die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder.

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