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Kriminelle Großfamilie war auch in Hilden aktiv

Betrug in Hilden : Kriminelle Großfamilie in Hilden aktiv

Den Mitgliedern werden Hartz-IV-Betrug, Enkel-Tricks, Teppichbetrug und andere Delikte zur Last gelegt.

Es war eine Aktion, die bundesweit Schlagzeilen machte: Als die Polizei in Zusammenarbeit mit der Steuerfahndung im März dieses Jahres rund 70 Objekte einer Leverkusener Großfamilie durchsuchte, sprachen Experten von einem möglichen „Durchbruch“ der Behörden gegen den kriminellen Clan, gegen dessen Mitglieder seit vielen Jahren wegen diverser Betrugsdelikte ermittelt wird.

Jetzt scheint sich herauszustellen: Die Familie, der unter anderem Hartz-IV-Betrug, Enkel-Tricks, Teppichbetrug und andere Delikte zur Last gelegt werden, ist offenbar auch in Hilden tätig gewesen. Hier soll sie über einen Strohmann ein Mehrfamilienhaus erworben haben, dessen Mieteinnahmen auf das Konto eines Familienmitglieds geflossen sein sollen, das bei den Behörden als Hartz-IV-Empfänger gemeldet ist. Die mit den Ermittlungen befasste Polizei Köln bestätigte gestern auf Anfrage unserer Redaktion, dass Hilden im Zusammenhang mit der Großfamilie tatsächlich eine Rolle spiele. Weiteres könne man unter Verweis auf die aktuellen Ermittlungen allerdings nicht bekannt geben.

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Wie die Bild-Zeitung jetzt meldete, sollen auf den Namen eines Strohmanns mindestens vier Mehrfamilienhäuser in Leverkusen, Frechen, Köln und eben Hilden erworben worden sein. Die Gewinne aus der Vermietung soll das Clan-Mitglied erhalten haben, das die Sozialleistungen bezog.

Genau gegen dieses Mitglied wird am 8. Oktober vor dem Landgericht Köln ein Strafverfahren eröffnet, wie der zuständige Sprecher der Behörde gestern bestätigte. Dabei geht es um einen Betrug an einem älteren Ehepaar in Norddeutschland. Dem hatte der Angeklagte per Anruf ein Geschenk in Aussicht gestellt, weil die Rentner angeblich zehn Jahre zuvor einen wertvollen Teppich bei ihm gekauft hätten.

Wie das Gericht weiter mitteilt, tauchten wenig später zwei Abgesandte des Clans bei den Senioren auf, brachten Safran und Datteln als Geschenk mit und plauschten vergnügt drauflos. Irgendwann hieß es dann, man müsse dringend hochwertige Teppiche beim Zoll auslösen, habe die benötigten 80.000 Euro gerade aber nicht dabei. Der Senior willigte ein, die Summe in bar zu besorgen, im Gegenzug als Pfand aber einige teure Teppiche und einen der beiden Besucher in der Wohnung zu behalten. Es kam laut Polizei, wie es kommen musste: Kurz nach dem Erhalt des Geldes machte sich der Besuch aus dem Staub – und die zurückgelassenen Teppiche erwiesen sich als minderwertig.

In diesem Stil agieren Mitglieder der Familie offenbar seit Jahren, wie ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft unlängst bestätigte. Nicht zuletzt deshalb kam es im März zu der Durchsuchungsaktion vor der Familienvilla im Leverkusener Stadtteil Bürrig:

Dabei nahm der Kranwagen eines örtlichen Abschlepp-Unternehmens unter anderem einen schweren Rolls Royce Phantom an den Haken. Ein Ferrari, mehrere Mercedes der S-Klasse und andere Porsches standen ebenfalls in den Garagen.