Razzia in Leverkusen: Durchsuchungen bei bekannter Großfamilie

Durchsuchungen in Leverkusen: Großfamilie offenbar in Millionenbetrug verwickelt

In Leverkusen sind am Mittwochmorgen vier Mitglieder und Unterstützer einer bekannten Großfamilie festgenommen worden. Sie wurden per Haftbefehl gesucht. Laut Polizei werden ihnen Betrügereien im großen Stil vorgeworfen.

Der Einsatz begann gegen 9 Uhr, die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Nach Informationen unserer Redaktion gab es Durchsuchungen in Bürrig, Wiesdorf und Schlebusch. Durchsucht wurden Wohnungen und Einfamilienhäuser. In Leverkusen wurden unter anderem Fahrzeuge sichergestellt, darunter Nobelkarossen der Marken Porsche, Mercedes, Ferrari und Rolls Royce.

Vier Personen wurden festgenommen. Laut Polizei sind sie zwischen 42 und 54 Jahre alt. Am Vormittag durchsuchten Polizei und Steuerfahndung in Zusammenhang mit dem Leverkusener Fall insgesamt rund 70 Objekte in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie in Österreich. In NRW durchsucht wurden 18 Objekte in Neuss, in Köln und Leverkusen zusammen 15, jeweils acht in Mettmann und Wuppertal.

Es geht um einen Millionenschaden

Die Polizei ermittelt gegen eine Bande, die zum Teil aus Mitgliedern der Leverkusener Großfamilie bestehen soll. Es geht um gewerbsmäßigen Betrug zum Nachteil älterer Menschen, von Kreditinstituten und von Sozialleistungsträgern. Die Ermittler gehen davon aus, dass Senioren von den Tätern um etwa eine Million Euro gebracht wurden.

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Ermittelt wird auch wegen Geldwäsche. Der vorbestrafte Haupttäter (42) soll dazu über Strohleute Immobilien im Wert von mehreren Millionen Euro gekauft haben. Er zahlte demnach mit der Beute aus den anderen Straftaten.

Verschiedene Mitglieder der Familie waren in den vergangenen Jahren Verdächtige von Strafverfahren oder saßen auf der Anklagebank. Dabei ging es unter anderem um "gewerbsmäßigen Bandenbetrug" und sogenannte Schockanrufe, mit denen vor allem bei älteren Opfern Schmuck und Geld ergaunert wurde. Im Mai 2015 beschäftigte sich bereits der Düsseldorfer Landtag mit der Familie. "Der G.-Clan ist ein Roma-Familienverband, der seit Ende der 50er / Anfang der 60er Jahre nach Deutschland immigriert ist", heißt es in der Antwort des Justizimisteriums auf eine Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Gregor Golland .

"Dem Clan werden seit Jahrzehnten kriminelle Machenschaften zur Last gelegt." In der Anfrage werden auch Tatvorwürfe gegen einzelne Familenmitglieder genannt wie "vielfältige und teils brutale Betrugsmaschen (Enkel-Trick, Teppichhändler-Trick, Schockanrufe etc), Sozialbetrug, Immobilienbetrug usw." Einzelhändler und Geschäftstreibende in Leverkusen hätten unter den Machenschaften der Familie zu leiden, heißt es weiter. "In ganz Deutschland agiert die Familie, der mafia-ähnliche Strukturen nachgesagt werden", steht in der Anfrage des Abgeordneten.

(RP)