Auf Ein Wort Yorck-Peter Wolf: Digital fasten

Auf Ein Wort Yorck-Peter Wolf: Digital fasten

Guten Tag, hier Google-Pizza."

" Nicht mehr Pizzeria Napoli?"

" Wir haben die Pizzeria übernommen. Was kann ich für Sie tun?"

" Ich möchte gerne eine Pizza bestellen".

" Wie immer?"

" Wie? Ähm, woher wissen Sie, was ich sonst immer nehme?"

" In den letzten drei Jahren haben Sie zu 94 Prozent die Pizza "Quadro stagioni" gewählt."

" Ähm, ja, die wollte ich auch gerne."

" Gut. Wie möchten Sie bezahlen?"

" Mit Karte."

"Einen Moment, bitte. Nein, leider hat ihr Konto zurzeit kein Guthaben mehr."

"Ähm, ja gut, dann bitte mit Kreditkarte."

"Einen Moment, bitte. Tut uns leid, aber ihr Kreditrahmen ist bereits überzogen und die Karte gesperrt."

" Ja, gut, dann zahle ich bar."

" Einen Moment, bitte. Nach unseren Informationen haben Sie schon länger kein Bargeld mehr abgehoben. Sollten Sie wirklich noch über Bargeld verfügen, dann sollten Sie es gut aufheben für die Stromrechnung, die morgen kommt. Es ist bereits die zweite Mahnung. Wenn Sie nicht zahlen, wird der Strom gesperrt. Sollen wir Ihnen trotzdem die Pizza bringen?"

" Ähm, nein."

" Können wir sonst noch etwas für Sie tun?"

" Nein, Danke. Auf Wiedersehen."

So ähnlich könnte bald eine Pizzabestellung laufen. Google kennt alle unsere Gewohnheiten. Alexa und Siri kennen mich besser als meine Frau. Oliver, mein Navi, weiß immer, wo ich bin und wo ich war.

Wir geben jeden Tag neue Daten von uns ins Internet. Was isst du? Was trinkst du? Wo kaufst du ein? Welche Kleidung trägst du? Welche Freunde hast du? Netflix weiß, welche Filme ich gerne sehe. Spotify kennt meinen Musikgeschmack und die Fitness-App verrät mein biologisches Alter. Alles schon im Netz. Wenn eines Tages unsere bereits vorhandenen Daten vernetzt werden, entsteht ein umfängliches Persönlichkeitsprofil von uns. Irgendwo auf unbekannten Servern. Wer hat Zugriff und was kann er/sie damit alles machen? Die Verwendung meiner Daten kann ich nicht kontrollieren. Einmal im Netz, immer im Netz. Sogar wenn ich sterbe. Auch wenn ich nicht mehr bin, meine Daten bleiben präsent.

Ich kann nur kontrollieren, welche Daten ich ins Netz gebe. Ich mache darum jetzt mal " digital-fasten". Möglichst wenig neue digitale Footsteps hinzufügen. Ganz ohne geht wahrscheinlich gar nicht. Aber weniger ist beim Fasten ja bekanntlich mehr. Ich versuche es mal: sieben Wochen ohne digitale Spuren. Mal sehen, ob das klappt.

DER AUTOR IST PFARRER DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE HILDEN

(RP)