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Ausbruch des 2. Weltkrieges vor 80 Jahre: Was geschah in Hilden?

Hilden : Hilden unterm Hakenkreuz: Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs

Vor 80 Jahren hat das Deutsche Reich Polen überfallen und damit den Zweiten Weltkrieg ausgelöst. In unserer Serie „Hilden unterm Hakenkreuz“ blicken wir zurück auf die Zeit des Nationalsozialismus’ in der Region. Wir schauen uns den Alltag an, berichten über die Verbrechen der Nazis und rekonstruieren den Tag, als der Krieg nach Hilden kam.

Während der deutsche Angriff auf Polen schon längst läuft, stehen die Hildener gerade erst auf, gehen zum Briefkasten und blättern durch ihre Zeitung. Damals erscheint das Rheinische Volksblatt mit dem Untertitel „Hildener Zeitung und Tageblatt. Hildener Rundschau“ sechsmal die Woche. Natürlich auch am Freitag, 1. September 1939. „Polen lehnt Friedensvertrag des Führers ab“, titelt das gleichgeschaltete Blatt. Die Propagandamaschine läuft schon seit Monaten auf Hochtouren, die Stimmung im Land ist gereizt. Im Hildener Lokalteil auf Seite 3 passend dazu ein Artikel mit dem Titel „Wie baue ich meinen Luftschutzraum“. Erst ein paar Tage zuvor hatte die Lokalredaktion von einer Verdunkelungsübung berichtet („Ägyptische Finsternis am Itterstrand“). Die Zeichen stehen auf Krieg.

Am 2. September verkündet das Volksblatt auf Seite 1, was schon seit dem Vortag läuft: „Deutschland zur Entscheidung angetreten“. Und im Hildener Lokalteil gelobt die NSDAP-Ortsgruppe „Einsatz und Treue“, während daneben vor feindlichen Bombern und vor herumfliegenden Flak-Splittern gewarnt wird: „Also: Herunter von den Straßen und hinein in die Luftschutzräume“ , fordert Bürgermeister Walter Schomburg. Die Texte klingen so, als ob Deutschland zum Angriff gezwungen worden sei – dabei sitzen die Kriegstreiber in Berlin. Und sie bringen Verwüstung und noch mehr Grauen über die Welt. Am Ende ermorden die Nazis sechs Millionen Juden. Mehr als 60 Millionen Menschen sterben während des Zweiten Weltkriegs. 1053 Hildener fallen an der Front, 42 Zivilpersonen kommen in Hilden bei Bombenangriffen ums Leben.

In Hilden laufen die Kriegsvorbereitungen auf Hochtouren: Hier werden Luftschutzgräben hinter dem Reichshof errichtet. Foto: Stadtarchiv Hilden

Aber das weiß kurz vor Beginn des Krieges noch niemand. In Hilden tagt am 28. August der Stadtrat. Vier Delegierte und der Baurat fehlen jedoch bereits: Sie sind zum Heeresdienst eingezogen worden, wie 24 weitere Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Der Rat spricht über die Zustellung von Einberufungsbefehlen durch die Polizei, über die Einrichtung eines städtischen Ernährungs- und Wirtschaftsamtes sowie über die Fertigstellung kleiner Luftschutzräume im Rathaus (heute: Bürgerhaus) an der Mittelstraße. Zum Schluss richtet Schomburg das Wort noch einmal an die Stadträte und berichtet von seinen Beobachtungen, dass die Hildener zwar nicht besonders begeistert von den Entwicklungen seien, aber „die Hildener stehen pflichtbewusst, zuversichtlich und verbissen bereit, den Befehlen des Führers zu folgen.“ Euphorie, wie sie in den Zeitungen und in der Wochenschau transportiert werden, sieht anders aus.

Mit den ersten Erfolgsmeldungen aus Polen schwappt auch die Kriegseuphorie nach Hilden: Als die Wehrmacht am 3. Oktober 1939 in die polnische Hauptstadt Warschau einmarschiert, schreibt die Hildener Zeitung: „Glocken künden von Deutschlands Größe.“ In Hilden läuten angesichts des militärischen Erfolges sieben Tage lang von 12 bis 13 Uhr die Glocken aller Kirchen.

Die Hildener Zeitung vom 1. September 1939, dem Tag des Überfalls auf Polen. Aufmacher: Wie baue ich meinen Luftschutzraum. Foto: Stadtarchiv Hilden

Das Rheinische Volksblatt und sein Verleger sowie Hauptschriftleiter (heute: Chefredakteur) Robert Peters begleiten den Krieg und die Entwicklungen in Hilden noch bis zum 31. Mai 1941. „Die Kriegswirtschaft erfordert stärkere Konzentration aller Kräfte“ schreiben die Verleger und Redakteure am letzten Erscheinungstag. Aus diesem Grund müssten Mensch und Maschine für andere kriegswichtige Zwecke freigemacht werden.

Bürgermeister Walter Schomburg und die Hildener NSDAP-Schergen dürfte diese Nachricht erfreut haben. Robert Peters war ihnen schon länger ein Dorn im Auge. Wie aus einem Brief Schomburgs unter anderem an Stadtoberinspektor Alfred Broske („Zur vertraulichen Kenntnis“) hervorgeht, hatten sich mehrere Menschen schon bei der Kreisverwaltung und der Kreisleitung der NSDAP beschwert: Peters sei ein nicht „sozial eingestellter Betriebsleiter“, der durch wirtschaftlichen Druck zu einer „anderen politischen Einstellung“ gezwungen werden solle. Schomburg lehnt diese Vorgehen allerdings ab: „Ich habe (...) geantwortet, dass auch  mir bekannt sei, dass der alte Peters ein kaum zu genießender Mann sei. Andererseits könnte ich mir denken, dass durch ein freundliches, ermahnendes Wort hier mehr erreicht werden könne als durch wirtschaftlichen Druck.“

Hilden unterm Hakenkreuz - Zeitungsausschnitte vom 1. September 1939, vom 2. September, von der letzten Ausgabe im Krieg und von der ersten Ausgabe nach dem Krieg (Hildener Zeitung bzw Rheinisches Volksblatt mit der Hildener Zeitung integriert). Foto: Stadtarchiv Hilden

Robert Peters stirbt am 29. März 1942. Sein Sohn Fritz stellt bereits am 2. November 1945 bei der Militärregierung in Mettmann einen Antrag, seinen Verlag und die Buchdruckerei fortführen zu dürfen. An dem 1. November 1949 erscheint erstmals die „Hildener Zeitung“ unter seiner Führung. Zum 20. April 1972 übernimmt die Rheinische Post die Hildener Zeitung.

Tobias Dupke