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Werkstätten in Grevenbroich: Zwangspause  für Varius ist beendet.

Corona-Krise in Grevenbroich : Zwangspause für Varius-Werkstätten ist beendet

Die ersten 130 von insgesamt 700 behinderten Varius-Mitarbeitern arbeiten wieder in den Werkstätten. Seit dem 18. März mussten sie zu Hause bleiben, denn ihre Betriebe waren wegen der Virus-Gefahr geschlossen.

Die Varius-Werkstätten füllen sich wieder mit Leben. Nach fast zehnwöchiger Schließung konnten die ersten 130 Beschäftigten mit Behinderung ihre Arbeit wieder aufnehmen. Bis aber alle 700 Mitarbeiter wieder am Arbeitsleben teilnehmen können, wird es noch dauern. Die Betriebsstätte in Rommerskirchen-Deelen bleibt zunächst geschlossen.

Erleichtert ist Irene Claßen darüber, dass die Werkstätten wieder geöffnet haben. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet sie dort. Eine so lange Zwangspause, in der sie ihrer Arbeit nicht nachkommen durfte, hat sie noch nicht erlebt – und möchte sie nicht noch einmal erleben. Seit dem 18. März waren die Werkstätten wegen Corona für die Menschen mit Behinderung geschlossen.

„Es war erstmal ein Schock, gleichzeitig gab es viel zu planen. Wir konnten ja nicht überlegen, was wir das letzte Mal in so einer Situation gemacht haben, das gab es noch nicht,“ sagt Pädagogische Leiterin Birgit Krahwinkel. So musste etwa die Notbetreuung für Mitarbeiter, deren Angehörige in systemrelevanten Berufen arbeiten oder mit der Betreuung an Grenzen stießen, organisiert werden. Varius-Angestellte arbeiteten noch ausstehende Aufträge ab.

Mit Briefen und Messenger-Diensten wurde Kontakt zu den behinderten Menschen gehalten. „Am Anfang waren viele in einer Art Urlaubsstimmung“, schildert Krahwinkel. Doch schon bald gab es Fragen, „wann es endlich wieder losgeht mit ihrer Arbeit, vielen fehlte ein geregelter Tagesablauf“, erzählt die pädagogische Leiterin.

Nach zehn Wochen durften die ersten wieder zur Arbeit erscheinen. Zunächst sind 130 wieder in den Betriebsstätten tätig. „Das geht natürlich nur unter strengen Auflagen, um die Gesundheit aller Beschäftigten zu schützen“, sagt Krahwinkel.

Was das in der Praxis bedeutet, erfährt Irene Claßen jetzt in der Betriebsstätte Daimlerstraße in Hemmerden, wo sie im Bereich Verpackung tätig ist. „Ich muss oft die Hände waschen und desinfizieren, der Abstand zu meinen Kollegen ist viel größer als früher, und wenn ich mich im Haus bewege, muss ich die Maske tragen.“ Es sei „schon anstrengend mit der Maske, aber da müssen wir jetzt durch“, sagt sie.

An ihrem Arbeitsplatz selbst ist das Tragen der Maske nicht nötig, da der Abstand zu anderen Mitarbeitern groß genug ist. Trotz der Einschränkungen ist sie sehr froh, dass sie wieder ihrer Arbeit nachgehen kann. „Am besten ist, dass ich jetzt wieder Anschluss habe. Ich habe die Leute hier sehr vermisst“, sagt die 54-Jährige.

Sie ist glücklich, dass sie zu der ersten Staffel von Mitarbeitern gehört, die schon jetzt wieder arbeiten dürfen. „Es war eine Riesenherausforderung, zu entscheiden, wer im ersten Schwung wieder in die Werkstatt kommen kann“, sagt Krahwinkel. „Kriterien waren beispielsweise, dass die Menschen verstehen können, wie wichtig die Hygieneregeln sind, und diese auch anwenden können.“ Zudem sollten zunächst die wieder kommen, „die alleine wohnen und möglicherweise ohne Arbeit keine ausreichende Betreuung haben“.

Auch Kai Schnitzler arbeitet schon wieder. Der 23-Jährige ist in der Großküche der Betriebsstätte Daimlerstraße tätig. Dort sind die Hygienevorschriften noch einmal strenger. „In der Küche müssen wir alle die ganze Zeit Masken tragen, das ist schon etwas anstrengend, aber dafür machen wir mehr Pausen. Wir müssen uns eben alle gegenseitig schützen“, berichtet er.

Auch die Mittagspausen sind anders organisiert als früher. „Gegessen wird jetzt in kleinen Schichten mit genügend Abstand zwischen den Sitzplätzen. Außerdem haben wir so umgebaut, dass die Kantine einen festen Eingang und einen separaten Ausgang hat“, sagt Thomas Grefen vom Sozialen Dienst der Betriebsstätte Daimlerstraße.

Wann die nächsten Mitarbeiter in die Werkstatt kommen dürfen, wird in den kommenden Tagen entschieden. „Wir hoffen, innerhalb der nächsten Wochen insgesamt wieder etwa 460 Menschen beschäftigen zu können“, erklärt Birgit Krahwinkel. Alle 700 Mitarbeitern werden vorerst nicht zurück können. „Solange wir die Abstandsgebote und die weiteren Hygieneregeln einhalten müssen, ist eine Vollbesetzung nicht machbar. Auch dem Fahrdienst, mit dem viele unserer Mitarbeiter jeden Tag zur Arbeit und später wieder zurückgebracht werden, wäre das nicht möglich. Jeder Kleinbus darf derzeit nur mit drei Fahrgästgen besetzt sein.

Denkbar sind Teilzeitmodelle, dazu werden Pläne erstellt. Das wichtigste sei es jetzt, so betont Krahwinkel, den Mitarbeitern trotz aller Einschränkungen ein Stück Normalität im Arbeitsalltag zurückzugeben.

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(cso-)