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Corona: Viele Regel-Verstöße an Pfingsten in Deutschland - bei bestem Wetter

Partys und Menschenmengen : Corona-Verstöße an Pfingsten - als wäre die Pandemie vorbei

Das Pfingst-Wochenende hat bei bestem Wetter dafür gesorgt, dass die Menschen zuhauf ins Freie gingen. So weit so gut. Aber vielerorts wurden die Mindestabstände nicht eingehalten und gegen die Auflagen verstoßen.

Es machte den Anschein, als sei Corona irgendwie weg. Das lassen zumindest die Bilder aus Berlin und Düsseldorf zu, die am Pfingstwochenende veröffentlicht wurden. In Berlin trafen sich am Landwehrkanal 1500 Menschen zu einem Boot-Rave. Mindestabstände, Mundschutz – alles Fehlanzeige. Als ob nichts wäre, tummelten sich die Leute auf ihren Schlauchbooten, schipperten über den Kanal, bei strahlendem Sonnenschein.

Die Versammlung „Für die Kultur - Alle in einem Boot“ am Sonntag habe von der Spree über den Landwehrkanal nach Kreuzberg geführt, teilte die Polizei am Montag mit. Zwischenzeitlich seien rund 300 bis 400 Boote zusammengekommen. Die Polizei sei mit rund 100 Kräften im Einsatz gewesen.

Der Veranstalter habe die Versammlung „aufgrund der nicht eingehaltenen Abstände zueinander und von Beschwerden über zu laute Musik“ nach einem Gespräch mit der Polizei am frühen Abend beendet, hieß es im Polizeibericht. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass Menschen mit Abstand am Ufer sitzen und Musik und Redebeiträgen auf den Booten zuhören. Die Organisatoren seien vom Zulauf wohl überrascht worden, sagte ein Sprecher.

Ähnliches Bild bot sich auch in Düsseldorf. Vor allem in der berühmten Altstadt – der längsten Theke der Welt – sammelten sich die Menschen dicht an dicht. Auch hier: Masken? Nein. Abstand? Mitnichten.

Viel zu tun hatte die Polizei auch in Köln: Dort wurden zwar die Corona-Regeln „im Großen und Ganzen“ eingehalten. Dennoch zählten die Beamten von Freitag bis Montag 108 Verstöße, wie am Montag mitteilten. Es habe am Pfingstwochenende vor allem mit jungen Leuten Probleme gegeben: „Bei diesen Gruppen stellen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes vermehrt fest, dass einige die Maßnahmen des Infektionsschutzes kaum noch ernst nehmen“, hieß es.

Für die Mitarbeiter werde es zunehmend schwieriger, hier mit Argumenten zu überzeugen. Oft müssten mehrere Teams zu Einsatzorten kommen, da sich die Personen „einen Spaß daraus machen, sich den Maßnahmen/Örtlichkeiten zu entziehen“. Zudem verspürten die Mitarbeiter auf der Straße „eine aggressivere Stimmung, als zu Beginn der Corona-Einschränkungen“. 28 Verstöße registrierte das Ordnungsamt der Stadt am Freitag, 18 am Samstag und 62 am Sonntag. Unter anderem hätten sich Bürger nicht an das Kontaktverbot oder Auflagen in den Parks wie das Grillverbot gehalten.

Auch für einen Polizeieinsatz sorgte eine zu lange Warteschlange vor einer Toilette auf Sylt. Der legendäre Liedfetzen der „Ärzte“ „Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich“ stimmte nicht so ganz. Ganz im Gegenteil: „Es waren einfach zu viele Menschen“, sagte die Bürgermeisterin von Kampen, Stefanie Böhm, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. So habe es am Samstag größere Menschengruppen gegeben, die am Kampener Strand gewesen seien.

Nach Angaben der Polizei warteten an einem Strandübergang in der Gemeinde vor einer öffentlichen Toilette Menschen im dreistelligen Bereich. Die Beamten hätten dem Ordnungsamt empfohlen, zur Entzerrung mobile Toiletten aufzustellen. Auch sonst habe es Corona-Einsätze auf der Insel gegeben. Diese seien aber zählbar gewesen. Zahlen nannte die Polizei, die mit verstärkter Präsenz auf der Insel unterwegs war, nicht.

Viele Touristen reisten zum Pfingstwochenende an die deutschen Küsten. In Cuxhaven habe es eine große Nachfrage nach Ferienwohnungen und Stellplätzen für Wohnmobile gegeben, sagte Wolf-Dieter Schink, Geschäftsführer der Cux-Tourismus GmbH am Montag. Der Andrang sei in diesem Jahr wegen der vorherigen Corona-Reisebeschränkungen besonders hoch gewesen. Dabei seien auch viele Tagesgäste gewesen. Etliche Besitzer von Wohnmobilen hätten Probleme gehabt, noch einen Stellplatz zu finden.

Die Menschen hätten sich aber an die Mindestabstände gehalten, sagte Schink. Cuxhaven habe einen elf Kilometer langen Sandstrand, da verlaufe es sich. Auf der Strandpromenade sei es aber schon mal etwas voller geworden. Dort gilt ein „Rechtsgehverbot“, um Mindestabstände einzuhalten.

Auch auf Norderney spazierten viele Menschen am Strand entlang. In den engen Straßen der Stadt sei es manchmal schon schwierig gewesen, die Abstandsregeln einzuhalten, erklärte ein Polizeisprecher am Montag. Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien deshalb auch am Wochenende unterwegs gewesen.

In Mecklenburg-Vorpommern, das zu Pfingsten den ersten großen Touristenansturm seit Wiederöffnung erlebte, gab es laut Polizei nur vereinzelt Verstöße gegen die Corona-Auflagen. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Rostock, das für etwa die Hälfte des Bundeslandes zuständig ist, sagte, dass die Beamten keine Sanktionen verhängen mussten. Mal seien zu viele Menschen an einem Platz zusammen gewesen, mal habe ein Caravan auf einen bereits ausgebuchten Campingplatz gewollt. Das Polizeipräsidium Neubrandenburg - für die andere Landeshälfte zuständig - meldete keine Corona-Verstöße durch Touristen. Nur vereinzelt seien zu Pfingsten Beamte gerufen worden, zum Beispiel weil sich ein Kunde im Supermarkt geweigert habe, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

In Bayern waren die Urlauber und Ausflügler eher verhalten unterwegs. Nur sehr zögerlich zog es die Menschen am Wochenende und zum Start in die Pfingstferien an die Seen und in die Berge. Von einem Ansturm, der nach den wochenlangen Einschränkungen im Zuge der Corona-Krise teilweise erwartet wurde, konnte nicht die Rede sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Berliner trotzen Corona und feiern Rave-Party auf Landwehrkanal

(mja mit dpa-Material)