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Grevenbroich: Umfrage: Mehrheit ist für Einbahnstraße

Grevenbroich : Umfrage: Mehrheit ist für Einbahnstraße

Der südliche Teil der Friedrichstraße soll Einbahnstraße bleiben. Das ist das Ergebnis einer Befragung unter 1312 Kapellenern. Politiker kündigen an, dass sie dem Votum folgen. Der umstrittene Schilder-Abbau war bereits beschlossen.

Das war in dieser Größenordnung eine Premiere: 1312 Kapellener wurden in einer Postkartenaktion von der Stadt befragt, ob die im Herbst 2011 eingeführte Einbahnstraßenregelung auf der Friedrichstraße zwischen Am Tolles und Hemmerdener Weg erhalten bleiben soll. Gestern wurde im Rathaus ausgezählt: 900 Bürger hatten sich an der Befragung beteiligt. 562 (62 Prozent) stimmten dafür, dass die Schilder bleiben, 338 votierten für die Aufhebung. Noch steht der Beschluss im Bauausschuss aus, doch bei der Vorstellung der Ergebnisse gestern machten Politiker von CDU, SPD, FDP und Aktiven Bürgern deutlich, dass sie der mehrheitlichen Bürger-Meinung folgen werden. "Der Bürgerwille ist uns Befehl", betont Karl-Heinz Wolf (FDP), "Mit der Befragung haben wir zur Entschärfung eines Konflikts beitragen", so Technischer Beigeordneter Werner Hoffmann.

Das Bemerkenswerte: Die Kapellener votierten entgegen der Entscheidung im Bauauschuss, der nun wohl seinen Beschluss von 2012 zur Aufhebung der Einbahnstraßenregelung aufheben wird. Zum Hintergrund: 2011 hatte der Bauausschuss nach einem CDU-Antrag und einem Ortstermin mit Bürgern beschlossen, auf dem südlichen Abschnitt der Straße – für ein Jahr lang auf Probe – eine Einbahnstraße in Fahrtrichtung Hemmerdener Weg zu schaffen. Das Ziel: mehr Verkehrssicherheit auf der engen Straße. Der Gegenverkehr muss seitdem den Weg über die Rübenstraße nördlich der Bahn nehmen. Doch im vergangenen Herbst beendete der Ausschuss das Experiment. Nur der Kapellener CDU-Ratsherr Ralf Cremers kämpfte im Ausschuss vehement für die Beibehaltung.

Nach der Entscheidung setzte aber eine heftige Debatte ein, die Wogen schlugen hoch: Kapellener überreichten im Rathaus 77 Unterschriften für die Einbahnstraße, andere wollten die Aufhebung. "Der Schwachpunkt war, dass Bürger davon ausgingen, dass sie nach der Probezeit erneut gehört wurden, der Ausschuss sah die Vereinbarung aber so nicht", sagte Ausschussvorsitzender Wolfgang Latzel (CDU). Angesichts der Diskussion beschloss der Ausschuss eine großflächige Befragung der Anwohner von Friedrichstraße, Am Tolles, Stövergasse, Kurze Straße und im Dichterviertel. "Wir wussten nicht, wie groß die Gruppen sind, die sich für oder gegen die Einbahnstraße aussprachen", erläutert Wolfgang Latzel. Die blau-weißen Schilder blieben – und bleiben – weiter stehen. Nach der Auszählung gab's zufriedene Reaktionen. "Als ich vom Ergebnis erfuhr, bin ich vor Glückseligkeit schreiend durchs Haus gelaufen", sagte Karina Rau (43), eine Initiatorin der Unterschriftensammlung für den Fortbestand der Einbahn-Regelung. "Ich freue mich, dass die Mehrheit sich für die Beibehaltung ausgesprochen hat. Wir haben mit der Einbahnstraße mehr Verkehrssicherheit, die Leute fahren nicht mehr über den Bürgersteig", sagt Rau. "Hier zeigt sich, dass es etwas bringt, Initiative zu zeigen."

Auch Politiker beurteilten das Ergebnis positiv: "Die Beteiligung von mehr als zwei Dritteln der Befragten ist super", meint Ratsherr Ralf Cremers. "Es ist gut, dass wir nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden, sondern ihre Meinung eingeholt haben", so Walter Balzereit (SPD). Rolf Göckmann (ABG) erklärte, dass diese Bürgerbeteiligung die rund 1200 Euro Kostenaufwand auf jeden Fall rechtfertige.

Ist die groß angelegte Postkartenaktion nun ein Vorbild auch bei anderen Themen in der Stadt? Wolfgang Latzel und Albert Göckmann erklärten, dass sie das Verfahren als Ausnahme sehen. Es gebe mit der Bürgerbeteiligung im Rahmen von Planverfahren, mit Bürgerversammlungen und Veranstaltungen von Parteien bereits zahlreiche Instrumente, damit Bürger vor der Entscheidung ihre Meinung äußern könnten.

(NGZ)