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Grevenbroich: Ralf Schattke ist der Mann im Halbschatten

Grevenbroich : Ralf Schattke ist der Mann im Halbschatten

Ralf Schattke ist Model für die Ausstellung "Mann" und erkennt sich auf manchen Porträts ob des Spiels mit Licht und Schatten kaum wieder.

Nach drei Stunden brennen die Augen vom heißen, hellen Scheinwerferlicht, die Muskeln schmerzen und dann, endlich, kommt der Wink von Sabine Köberling. Das letzte Motiv für diesen Tag ist im Kasten. Und der Grevenbroicher Ralf Schattke kann sich entspannen. Nicht jede Fotosession dauert so lang, aber hin und wieder kann es vorkommen, dass Beleuchtung des Settings und der Ausdruck des Gesichts nicht 100-prozentig stimmen und immer wieder kleine Nuancen verändert werden müssen bis die Bilderreihe so aussieht, wie Künstlerin Sabine Köberling sie sich vorgestellt hat.

"Und am Ende sind es dann immer genau die Bilder, von denen man selbst denkt: ,Himmel, wie sehe ich denn da aus?'", sagt Schattke und lacht. Einige Freunde hätten ihn auf dem Flyer der Ausstellung, die heute Abend in der Villa Erckens eröffnet, kaum erkannt. Denn Sabine Köberling arbeitet sehr intensiv mit Licht und Schatten. So kommen Facetten des Gesichtes zur Geltung, die dem Betrachter bei normalem Tages- oder Raumlicht verborgen bleiben. Zum Glück, denkt der Grevenbroicher Schattke bei einigen Bildern, auf denen er Falten bei sich entdeckt, die ihm selbst bis dahin unbekannt waren. Der 47 Jahre alte Grevenbroicher, der bei Currenta als technischer Angestellter im Brandschutz arbeitet, hat mit der Fotografie nämlich schon ganz andere Erfahrungen gemacht, bereits für renommierte Männermagazine gemodelt.

"Und da kommt es natürlich immer darauf an, zu lächeln, zu posen und gut auszusehen", erzählt er. Der künstlerische Zugang wie der von Sabine Köberling war ihm unbekannt. Bis vor ungefähr drei Jahren, als er sich auf einen NGZ-Artikel hin bei der Neusser Künstlerin für die Ausstellung "Neusser Männer" meldete, die im Neusser Stadtarchiv gezeigt wurde. Jetzt gibt es mit "Mann" quasi eine Solofortsetzung dieser Zusammenarbeit. Schattke ist nicht mehr nur eines von 18 Gesichtern, sondern das zentrale für Künstlerin und Betrachter. Gut 20 Bilder, einige davon im großen ein mal zwei Meter-Format, zeigen den geborenen Leverkusener, der seit 13 Jahren in Barrenstein lebt, aus verschiedenen Blickwinkeln. Einmal trägt er seine Feuerwehruniform, dann die Uniform des Marinezugs Wasserfreunde im Bürgerschützenverein Barrenstein und dann die Kleidung für sein liebstes Hobby, das Mountainbiking. "Die Bilder sind ein Ausschnitt aus meinem Leben und ein bisschen die Antwort auf die Frage: Was macht Mann so?", sagt Schattke. Aber immer bleibt ein Teil des Mannes ungesehen, verborgen im Halbschatten.

Er sei immer wieder positiv beeindruckt von der unkomplizierten Art und den Ideen von Sabine Köberling. Die Künstlerin ist es von dem gewissen Etwas, das sie fototechnisch an dem 47-Jährigen fasziniert hat. Gesehen hat Model Schattke die Bilder selbst noch nicht. Wenn sich etwas ergibt, würde er auch weiter hin und wieder als Fotomodel arbeiten. Alle Aktangebote – und auch die habe es gegeben, wenn auch nicht von Sabine Köberling – hat er bislang aber abgelehnt. Doch grundsätzlich ausschließen will Schattke auch diese Option nicht. "Bilder dieser Art wären dann vermutlich aber eher ein ganz persönliches Geschenk als für eine Ausstellung für die Öffentlichkeit", sagt er.

(NGZ)