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Grevenbroich: Verschwundene Wildgans ist wieder da

Grevenbroich : Verschwundene Wildgans ist wieder da

In der Silvesternacht war "Gansi" in Panik von ihrem Zuhause davongeflogen und seitdem verschwunden. Jetzt ist die Graugans des Schneckenhauses wieder da – und wird dort bald wieder ihren "Job im Wachdienst" weiterführen.

In der Silvesternacht war "Gansi" in Panik von ihrem Zuhause davongeflogen und seitdem verschwunden. Jetzt ist die Graugans des Schneckenhauses wieder da — und wird dort bald wieder ihren "Job im Wachdienst" weiterführen.

Die kleine Graugans hat schon mehr Abenteuer hinter sich als die meisten ihrer Artgenossen. Als kleines Küken blieb sie mit zwei Geschwistertieren an einer Autobahn zurück. Vermutlich trauten sich die Kleinen wegen des Verkehrs nicht, Mutter und Geschwistern zu folgen, die die Straße überquert hatten.

Damals fanden Tierschützer die drei verlassenen Küken und brachten sie zum Umweltzentrum Schneckenhaus, wo die "Gansi" getaufte Graugans aufgezogen wurde. Jetzt hat sich die Geschichte fast wiederholt. Ebenfalls mit einem guten Ende für die knapp zwei Jahre alte "Gansi". In der Silvesternacht hatte sich das Tier so massiv vor den Silvesterkrachern und dem Feuerwerk erschrocken, dass es panisch aufgeflogen war und sich — so vermutet Schneckenhaus-Leiter Norbert Wolf — verflogen hat.

Dass Wildtiere an Silvester in Panik geraten, ist keine Seltenheit. Wolf zitiert aus einer im Journal für Vogelbeobachter "Der Falke" veröffentlichen Untersuchung: "Die mitternächtliche Silvesterknallerei ist für Vögel ein Schockerlebnis, das flächendeckend tagaktive Vögel in der Dunkelheit panisch bis in Höhen von über 1000 Meter aufsteigen lässt." Im günstigsten Fall ende dies mit Schockzuständen und Entkräftung, im ungünstigen Fall kollidierten die Vögel mit Hindernissen, verletzen sich und stürben.

"Viele machen sich Sorgen um ihre Haustiere, für Wildtiere dagegen ist die Silvesterknallerei eine akute Gefahr, über die sie gar nicht Bescheid wissen", sagt Wolf. Zu einer Gefahr wurde die Situation auch für "Gansi".

Die Graugans gehörte schon zum Inventar des Schneckenhauses. Denn im Gegensatz zu ihren beiden Geschwistern suchte sie sich nicht an der Erft ein neues Zuhause, als sie flügge wurde, sondern kehrte stets schon noch wenigen Stunden zum Schneckenhaus zurück. "Hier hat sie sich praktisch zum Wachdienst hochgedient", sagt Wolf und lacht. Tatsächlich machte die Gans stets ein großes Theater, wenn Fremde auf das Gelände kamen. Bis zum 31. Dezember, als sie verschwand.

Als "Gansi" auch Tage nach Neujahr nicht zurückkehrte, ginge die Schneckenhausmitarbeiter schon davon aus, dass sie sich bei der panischen Flucht so schwer verletzt hatte, dass sie gestorben sein könnte. Doch am Wochenende kam dann die überraschende Nachricht. Passanten hatten eine völlig entkräftete Graugans bei einem Tierarzt abgegeben. "Als er sie uns der Transportbox zurückbrachte, haben wir sie sofort erkannt. Sie hat uns laut schnatternd begrüßt", erzählt Wolf, der das Tier gemeinsam mit weiteren Mitarbeitern, darunter Evelyn Hilberath, in Empfang nahm und wieder aufpäppelte.

Doch Wolf ist ratlos wie er und sein Team "Gansi" und ihre Artgenossen künftig vor der Panik des Silvesterabends schützen können. Sie drinnen zu halten sei keine Alternative, da sie sich im Raum möglicherweise auch verletzen könnten.

(NGZ/rl)