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Grevenbroich: Mein Grusel-Grevenbroich

Grevenbroich : Mein Grusel-Grevenbroich

Eine spukende Äbtissin, ein Schreckgespenst auf dem Friedhof und ein Werwolf, der Panik an der Erft verbreitet. Anni Bierbaum kennt sie alle. Die 61-Jährige veranstaltet Stadtführungen der gruseligen Art.

Es sind sagenhafte Geschichten, die Anni Bierbaum erzählt. Und sie weiß, wo sie sich einst zugetragen haben sollen. In dunklen Kerkern, auf alten Friedhöfen und am Ufer der Erft, wo der Nebel wabert. Die 61-Jährige wird ab November eine andere Seite Grevenbroichs vorstellen — die düstere und unheimliche. "Das wird ganz schön gruselig", verspricht die Wevelinghovenerin schon jetzt.

Der heilige Willibrord kämpft auf dem Welchenberg. Zeichnung: Jan Hillen Foto: Reuter, Michael

Anni Bierbaum, die 1995 ihre ersten Führungen anbot, hat sich in die Sagen eingelesen, die rund um die 700 Jahre alte Stadt gesponnen werden. "Das sind fantastische Geschichten mit Gänsehaut-Effekt", sagt sie. Und die will sie in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule an interessierte Schlossstädter weitergeben. Ihr Plan: Nur mit einer Laterne in der Hand wird Anni Bierbaum durch die nächtlichen Straßen streifen und über manch schreckliches Ereignis berichten.

Etwa über das Schicksal einer Elsenerin namens Gertrud, die als Hexe denunziert und im Schloss bis aufs Blut gequält wurde. "Das war unterhalb des heutigen Restaurants", schildert die 61-Jährige: "Dort befand sich der Kerker, ein nasses, dunkles Loch, in dem die Frau gefoltert wurde." Nur wenige Steinwürfe entfernt trieb ein anderer sein Unwesen: Peter Stumpf, genannt der Werwolf. "Das war ein Serienmörder, der 1591 an der Erft viele Menschen umbrachte und sie auffraß", erzählt Bierbaum und flüstert: "Ein Kannibale."

Wem das noch nicht genug ist: Die 61-Jährige führt auf den Markt, wo einst der Pranger stand, und wird von dort aus den Faden zum Stadtrand spinnen: "Der Ort, an dem das Elsener Wasserwerk steht, wird noch heute ,Am Galgenberg' genannt, weil dort Mörder und Verbrecher hingerichtet wurden", sagt sie. So mancher Unhold soll dort auch nach seinem Tod am Strick noch umgegangen sein.

So wie eine Äbtissin, die in den Kreuzgängen des Wilhelmitenklosters als "Weiße Frau" herumspukte. Der "Schwarze Mann", ihr Gegenstück, erschreckte vornehmlich die Fuhrmänner in Noithausen. Anni Bierbaum wird von Feuermännern, gequälten Seelen und natürlich vom Heiligen Willibrord berichten, der auf dem Welchenberg ein Götzenbild zerschlug. "Für mich ist dieser Ort der mystischste in ganz Grevenbroich", so Bierbaum.

Nicht fehlen in dieser Reihe darf die Kornmuhme, ein grauenerregendes Weib, das vornehmlich Kinder erschreckte, die im Getreidefeld spielten: "Diese Geschichten kenne ich noch aus meiner Jugendzeit — wir glaubten daran", erzählt Anni Bierbaum und fügt schmunzelnd hinzu: "Das ging soweit, dass ich sogar vor dem Pastor gebeichtet habe, mich einmal in ein Kornfeld geschlichen zu haben." Auch vor der "Abendmutter", einer ähnlich fürchterlichen Gestalt, hätten die Kinder gehörigen Respekt gehabt.

Wer sich im November richtig gruseln möchte, sollte sich jetzt anmelden. Bierbaums Führungen sind nämlich ruckzuck — wie von Geisterhand — ausgebucht.

(NGZ/ac)