1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Schützen-Kritik am Landrat

Grevenbroich : Schützen-Kritik am Landrat

Viele wollen es, doch der Landrat sagt "Nein" zum GV-Kennzeichen. Das nehmen ihm die Schützen übel: Sie nehmen Hans-Jürgen Petrauschke mit einem schlecht gelaunten Bundesadler ins Visier. Zu sehen beim Fackelzug.

Der riesige Bundesadler ist im Landeanflug auf Grevenbroich — und er streckt breit die Krallen aus. Sein Opfer hat das gewaltige Tier offensichtlich schon längst im Visier: Hans-Jürgen Petrauschke. Der Landrat des Rhein-Kreises dürfte gegen den acht Meter langen, sieben Meter hohen und fast sechs Meter breiten Monster-Vogel kaum eine Chance haben.

Foto: privat

Der Adler ist eine von sechs Großfackeln, die zurzeit für das Grevenbroicher Schützenfest gebaut werden. Er ist ein Gag — mit einem Hintergrund, der vielen Grevenbroichern aber ernst ist. Mit ihrem Gemeinschaftswerk widmen sich die Jägerzüge "Rösige Boschte" und "Mer stonn zesamme" der Rückkehr des GV-Kennzeichens.

"Die Mehrheit der Bürger und der Rat sind dafür. Nur der Landrat setzt sich über diesen Willen hinweg — er ist strikt dagegen. Zum Glück hat sich jetzt Peter Ramsauer eingeschaltet", meint Fackelbaumeister Willy Helfenstein. Der große Adler steht als Symbol für den Bundesverkehrsminister, der die Nummernschild-Initiative unterstützt — und das Motto der imposanten Fackel geht unmissverständlich in eine Richtung: "GV statt NE, das ist der Hit, nur der Landrat spielt nicht mit. Das lassen wir uns nicht gefallen, drum Bundesadler, zeig' deine Krallen."

Bei einer Fackel alleine werden sie es aber nicht belassen: "Während des Umzuges — und später auch im Zelt — werden wir Aufkleber mit dem Spruch ,Ich bin ein GV'er' verteilen", kündigt Helfenstein an. Und: Gezogen wird der gewaltige Adler von einem 1957 gebauten Oldtimer-Traktor — selbstverständlich mit GV-Kennzeichen.

Schützen machen Politik — und der BSV-Präsident findet's gut: "Der Fackelzug muss sich solchen Themen widmen, das ist seine Hauptaufgabe", sagt Peter Cremerius. Nicht zuletzt könne er die Initiative der Jägerzüge gut nachvollziehen: "Wenn der Gesetzgeber die alten Kennzeichen wieder ermöglicht, sollte man sie den Bürgern auch zurückgeben", so Cremerius, der eines nicht verstehen könne: "Warum nur sträubt sich eine untergeordnete Behörde dagegen?"

Auch Willi Peitz, der Fackelbaubeauftragte des BSV, begrüßt politische Aussagen zum Auftakt des Schützenfestes: "Ich bin froh darüber, dass sich unsere Fackelbauer immer wieder mit den aktuellen und umstrittenen Themen vor Ort beschäftigen — das gerade macht doch den Reiz aus."

Peter Cremerius ist nun gespannt auf die Reaktion von Hans-Jürgen Petrauschke, der am Samstag zum Fackelzug eingeladen ist — "weil ein Landrat in die alte Kreisstadt gehört". Der Präsident geht aber nicht von Ärger aus: "Ein Landrat muss so etwas abkönnen." Und vielleicht lenkt der ja doch noch ein. . .

(NGZ/ac)