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Grevenbroich: Zehn alte Blöcke sind vom Netz

Grevenbroich : Zehn alte Blöcke sind vom Netz

Der größte Teil der Dinosaurier ist vom Netz: RWE hat in Frimmersdorf zehn der alten 150-Megawatt-Anlagen abgeschaltet. Bis Ende 2012 sollen die beiden letzten folgen. Danach kommt die Abrissbirne zum Einsatz.

Sechs Blöcke wurden in Frimmersdorf komplett vom Netz genommen. Vier weitere stehen still — zur Reserve. "Bei Ausfällen könnten sie noch einmal angefahren werden", sagt Kraftwerksdirektor Eberhard Uhlig: "Doch das wird voraussichtlich nicht geschehen." L und M, die letzten beiden verbliebenen 150-Megawatt-Anlagen, stehen zurzeit noch unter Dampf — spätestens im Dezember werden aber auch sie keinen Strom mehr in die Haushalte liefern.

Foto: L. Hammer

Mit dem Bau der BoA 2/3 in Neurath hatte sich RWE gegenüber dem Land NRW verpflichtet, bis zum Ende des Jahres 2012 die alten 150-MW-Blöcke im gesamten Revier abzuschalten. Mit zehn vom Netz genommenen Anlagen liegt das Kraftwerk Frimmersdorf hierbei weit vorne. Die Kühltürme stehen zwar noch, doch in absehbarer Zeit wird ihnen mit der Abrissbirne zu Leibe gerückt. "Aller Voraussicht nach wird das 2014 sein", erklärt Achim Lückhoff, Leiter der Liegenschaftsentwicklung bei RWE Power.

Dass das Abbruchunternehmen jetzt noch nicht anrücken kann, hat einen Grund: "Im gesamten Trakt der Altanlagen befindet sich eine Reihe von Leitungssystemen, die wir auch für den Betrieb der beiden 300-Megawatt-Blöcke benötigen", erklärt Eberhard Uhlig. Ein Verfahren nach dem Motto "Abschalten und Abreißen" sei da nicht möglich: "Der Rückbau muss selektiv geschehen, das ist ein recht komplexer Prozess", so der Kraftwerks-Chef. Ein Team von Experten arbeite zurzeit an einem Konzept.

Mit dem Abbruch der alten Blöcke, der voraussichtlich fünf Jahre dauert, wird das Kraftwerk seine charakteristische Front verlieren. "Wie es später einmal aussehen wird, steht aber noch nicht fest", betont Eberhard Uhlig. Was übrig bleibt, sind die 300-MW-Blöcke mit der Bezeichnung P und Q, die noch einige Jahre Strom produzieren sollen. Die Wasseraufbereitung, die auch Neurath versorgt, verbleibt ebenfalls am Standort.

Mit dem Abschalten der alten Blöcke war ein Personalabbau verbunden, der sozialverträglich geregelt werden konnte, betont Uhlig: "Ein Großteil der Mitarbeiter arbeitet jetzt in Neurath, andere sind nach Niederaußem oder in andere RWE-Bereiche gewechselt", erklärt der Kraftwerkschef.

Über die Zukunft des Standortes will Eberhard Uhlig den Stadtrat frühestens im Herbst, spätestens im Winter informieren. Konkret will er sich heute noch nicht äußern — nur so viel: "Wir halten uns das Gelände als Option für ein neues Kraftwerk offen." Gegen solche Pläne wettern bereits die Grünen: "In Frimmersdorf müssen künftig umweltfreundliche Energielieferanten angesiedelt werden", fordert Ratsherr Dieter Dorok.

(NGZ/ac)