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Grevenbroich: BoA-Block bald mit voller Kraft

Grevenbroich : BoA-Block bald mit voller Kraft

Für die Neurather BoA-Blöcke läuft die heiße Phase der Inbetriebnahme. Im Frühjahr soll die Probezeit – mit anderthalbjähriger Verspätung – beendet sein. Block "Gustav" wird nun erstmals mit voller Leistung gefahren.

Für die Neurather BoA-Blöcke läuft die heiße Phase der Inbetriebnahme. Im Frühjahr soll die Probezeit — mit anderthalbjähriger Verspätung — beendet sein. Block "Gustav" wird nun erstmals mit voller Leistung gefahren.

Einer der acht Kohlemühlen im Block "Gustav". Noch läuft der Probebetrieb. Foto: A. baum

Steffen Teitge öffnet eine schmale Klappe, gibt den Blick frei auf ein Flammenmeer. Der stellvertretende Baustellenleiter tritt rasch zur Seite — bis zu 1000 Grad ist es hinter der Kesselwand heiß. Kraftwerksblock "Gustav" ist in Betrieb, liefert Strom — mit 740 Megawatt Leistung, wie die Anzeige auf dem Display im Leitstand kurz vorher verriet. "Die heiße Inbetriebnahmephase läuft, in den nächsten Tagen wollen wir erstmals mit voller Leistung — 1100 Megawatt — fahren", erklärt Reinhold Elsen, Projektleiter für BoA 2 und 3, beim Rundgang.

Im Frühjahr — nach der Probezeit — will RWE Technology die beiden Blöcke an RWE Power übergeben. Einen genauen Termin nennt Elsen nicht. Etwa anderthalb Jahre liegt der Bau hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. "Aber ich kenne zurzeit keinen Kraftwerksbau, bei dem es keine Verspätung gibt", sagt Elsen.

Die Kräne sind verschwunden, statt früher 3500 Arbeiter erledigen noch knapp 1000 Menschen Rest-arbeiten, bauen Straßen, errichten eine Werkstatt. Der Baustellenlärm ist verklungen, normale Betriebsgeräusche überwiegen. Ohrenstöpsel sind Pflicht in der gewaltigen Maschinenhalle von Block "Gustav". Mit 3000 Umdrehungen in der Minute dreht sich die Welle in der dreiteiligen Turbine.

Die großen Kohlemühlen unter dem Kessel verrichten knirschend ihr Werk, pulverisieren die Braunkohle fürs Kesselfeuer. All das wird im Leitstand überwacht — vor den Display-Wänden herrscht konzentrierte Ruhe. Block "Friedrich" ist derzeit vom Netz, an ihm wird "nachjustiert.

Ein Kraftwerk ist kein neues Auto, bei dem einfach der Zündschlüssel umgedreht wird. Hier müssen zehntausende Komponenten zusamengeschaltet werden", sagt der Projektleiter. Ein Jahr dauert die gesamte Inbetriebnahme, im Mai hat "Gustav" erstmals Strom ins Netz gespeist — seitdem wurden in 1700 Betriebsstunden 580 Millionen Kilowattstunden geliefert — genug für den Jahres-Strombedarf von rund 165 000 Haushalten.

Gründe für die Verspätung im Zeitplan gibt's mehrere — unter anderem der schwere Unfall mit drei Toten 2007. Zudem musste an Komponenten nachgearbeitet werden. "Wegen geringer Nachfrage hatten viele Hersteller Personal reduziert. Dann, während des Kraftwerks-Baubooms, kamen die Firmen kaum nach", so Elsen.

Außerdem musste RWE auf Probleme bei der Verwendung des T 24-Kesselstahls reagieren. "Bei Kraftwerken anderer Betreiber war es zu Rissen an den Schweißnähten gekommen. Wir haben mit den Baufirmen eine Lösung gefunden, die Nähte nachgebessert." Probleme gebe es nicht: "Unsere Maßnahmen scheinen erfolgreich zu sein", so Elsen.

(NGZ)