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Grevenbroich: Elfgens Heilige im "Schnütgen"

Grevenbroich : Elfgens Heilige im "Schnütgen"

Im Kölner Schnütgen-Museum wurde gestern die Ausstellung "Glanz und Größe des Mittelalters" eröffnet. Unter den 225 Kunstschätzen aus aller Welt sind auch zwei wertvolle Leihgaben aus Grevenbroich zu sehen.

Es ist eine großartige Ausstellung, die gestern im Schnütgen-Museum eröffnet wurde: Sie führt erstmals 225 sakrale Meisterwerke zusammen, die einst in Köln entstanden, im Laufe der Jahrhunderte aber über die ganze Welt verstreut wurden. Darunter sind auch zwei Leihgaben aus Grevenbroich zu finden: ein Kreuz aus der Orkener Lukaskirche und die Darstellung der Heiligen Katharina aus der Elfgener Pfarrkirche St. Georg.

1,70 Meter hohes Kruzifix

"Der lebensgroße Christus aus Orken ist besonderes interessant", sagt Dagmar Täube, die kommissarische Leiterin des Museums. Denn der Gekreuzigte entstand um 1500 in der Werkstatt von Tilman Heysacker (genannt Kreydunck), der zu den wenigen spätgotischen Bildhauern zählte, die ihre Arbeiten signierten. Das 1,70 Meter hohe Kruzifix war einst als Teil einer Triumphkreuzgruppe in der Kölner Stiftskirche St. Maria ad Gradus aufgestellt. In den Wirren der Säkularisation im Zeitalter Napoleons kam es nach Elfgen. "Der Verbleib der beiden dazu gehörenden Figuren ist allerdings ungeklärt", berichtet Täube.

Für den evangelischen Pastor Hans-Jürgen Ziegenhagen hat das Kreuz eine besondere Bedeutung: "Als 1990 die Lukaskirche gebaut wurde, haben wir es von der katholischen Gemeinde St. Georg als Dauerleihgabe erhalten – als Zeichen der Verbundenheit und der Ökumene", erklärt er. Ziegenhagen freut sich, dass das Kreuz nun im Museum gezeigt wird: "Das macht vielen erst bewusst, was für einen Schatz unsere Kirche beherbergt."

Ähnlich argumentiert der katholische Pfarrer Willi Steinfort: "Die Gemeinde St. Georg kann stolz sein, einen so namhaften Beitrag zur Ausstellung geleistet zu haben." Denn aus Elfgen wurde eine weitere Rarität nach Köln transportiert: die Figur der Heiligen Katharina, die ebenfalls aus 1794 aufgelösten und kurze Zeit später abgebrochenen Kirche St. Maria ad Gradus stammt.

"Die 1,70 Meter hohe Holzskulptur wurde um 1520/30 in der Werkstatt des Von-Carben-Meisters geschaffen", erklärt Dagmar Täube, die eine gebürtige Grevenbroicherin ist. Die Katharina von Elfgen ist nun neben einer Glasmalerei ausgestellt, die aus einem Museum in Detroit (USA) stammt und eine Muttergottes mit Kind zeigt. "Beiden Frauenbildnissen ist anzusehen, dass sie aus Köln stammen: Sie haben den gleichen Gesichtstyp, die gleiche Frisur, sogar die Gürtel sind gleich gebunden", so Täube.

Streng genommen sind es sogar drei Exponate aus Grevenbroich, die in Köln gezeigt werden. Neben dem Kreuz und der Katharina wird auch eine Tafel der Gustorfer Chorschranken ausgestellt. Die Originale werden im Rheinischen Landesmuseum Bonn aufbewahrt, in der Kirche St. Maria Himmelfahrt hängen lediglich deren Kopien.

(NGZ)