Handball: Aldekerks Erfolgsgarant

Handball: Aldekerks Erfolgsgarant

Nils Wallrath ist in der Vogteihalle ein gefragter Mann. Der 37-Jährige ist als Trainer dafür verantwortlich, dass die ihm anvertrauten Oberliga-Handballer besser werden. Zuletzt half er in der Ersten aus und zeigte, wie Abwehrarbeit geht.

Eigentlich wollte sich Nils Wallrath mit Beginn dieser Saison auf den Trainerjob der Oberliga-Mannschaft konzentrieren und selbst gar nicht mehr auf die Platte gehen. Aber erstens kommt es anders, als man zweitens meistens denkt. "Ich habe immer noch den nötigen Ehrgeiz, aber ich brauche das nicht mehr ständig", sagt der 37-Jährige, der zu einer zentralen Figur am Slousenweg geworden ist. Wenn er gebraucht wird, steht er bereit und legt sich wie zu seinen besten Zeiten ins Zeug. So wie zuletzt aushilfsweise bei der Aldekerker Ersten, wo Wallrath in der Defensive entscheidend daran beteiligt war, dass das Ruder im Abstiegsduell mit dem Bergischen HC II noch herumgerissen und die Begegnung gewonnen werden konnte.

Regionalliga-Coach Matthias Sommer lobte "Präsenz und Körperlichkeit", mit der Wallrath seinen Aushilfsjob nach der Pause versah. Der frisch gebackene B-Lizenz-Inhaber erledigte die ihm übertragene Aufgabe im Abwehrzentrum zupackend und souverän, parallel dazu dirigierte er seine Nebenleute. Er legte den Funken, der nötig war, um die Handballer der ersten Aldekerker Mannschaft mit einem lauten Knall aus dem drohenden Tal der Tränen zu befördern.

Das Handballspielen hat Wallrath beim TV Traar gelernt, ehe er Sportarten wie Eishockey und Tischtennis ausprobierte. "Über eine Schul-AG habe ich wieder zum Handball zurück gefunden", erinnert sich der Krefelder, der nach seinen A- und B-Jugendjahren beim PSV Marathon Krefeld zum Oberligisten Borussia Mönchengladbach wechselte und dort erste Erfahrungen als Senior machte. Zwei volle Jahre und eine angebrochene Saison blieb er dort, ehe es ihn in die dritte Liga zum TV Korschenbroich zog. "Hätte ich mich damals mit dem Trainer etwas besser verstanden, wäre ich wohl auch in der zweiten Liga zum Zuge gekommen, so aber zog ich den Wechsel zum ATV vor und habe das nie bereut."

In seinen ersten fünf Jahren beim ATV gestaltete Wallrath unter dem damaligen Trainer Wolfgang Brandt den Aufstieg in die dritte Liga mit, musste allerdings auch den etwas unglücklichen Wiederabstieg erleben. "Essen hatte damals die Lizenz für die höhere Liga verloren und so für einen vermehrten Abstieg in dem Jahr gesorgt, in dem wir davon betroffen waren." Aus beruflichen Gründen ging Wallrath anschließend in die Verbandsliga zu Adler Königshof und schaffte es auch hier wieder bis in die dritte Liga. Familiäre Gründe gaben dann den Ausschlag dafür, dem Spiel auf höherem Niveau zu entsagen.

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So übernahm Wallrath 2012 als Spielertrainer die zweite Männer-Mannschaft des ATV, die damals in der Landesliga spielte. Der akribische Arbeiter mit großem handballerischen Sachverstand führte das Team über die Verbandsliga bis in die Oberliga, wo die Mannschaft im ersten Jahr ihrer Zugehörigkeit mit dem aktuell belegten fünften Platz eine außergewöhnlich gute Rolle spielt. Offenbar besitzt Wallrath die für einen Trainer wunderbare Gabe, seine Spieler und mit ihnen eine ganze Mannschaft besser zu machen. Die Erfolgskurve des ATV II erhielt selbst dann keinen Knacks, als Spieler des Teams (Christopher Tebyl, Andy Schierhölter, Lauritz Weisz und Wallrath selbst) parallel zu ihrer eigentlichen Bestimmung beim personell gebeutelten Regionalliga-Team aushelfen mussten.

Ob Wallrath auch am Sonntagmorgen bei seinen Oberliga-Handballern wieder mehr sein wird als der Coach am Spielfeldrand, wird er wie immer kurzfristig entscheiden. Das Spiel ist erneut eine große Herausforderung für seine Mannschaft, denn Gastgeber MTV Dinslaken führt die Tabelle an und wird als heißer Aufstiegskandidat gehandelt. "Dort wartet auf uns eine Mannschaft mit robuster Spielweise. Aber wir besitzen Selbstvertrauen genug, um auch dort bestehen zu können", erklärt Wallrath, der beim Betrachten eines halbvollen Glases wohl nicht so schnell auf die Idee käme, sich der anderen, der leeren Hälfte des Glases zu widmen.

So unverwüstlich, wie Wallrath daherkommt, und so zupackend, wie er heute noch auf Regionalliga-Niveau Handball spielt, den Zahn der Zeit, der an seinen Kräften nagt, den spürt auch er. "Der Körper sagt mir inzwischen Tage später noch, was ich gemacht habe", lacht Wallrath. Dennoch darf man sicher sein, dass der 37-Jährige niemals Nein sagen würde, wenn im Verein wieder einmal Not am Mann sein sollte. Der ATV darf sich glücklich schätzen, so einen Handballer in den eigenen Reihen zu haben.

(stemu)