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Geldern: Moderne Hilfen für ADHS-Kinder

Geldern : Moderne Hilfen für ADHS-Kinder

Neurofeedback soll Gehirnwellen von verhaltensauffälligen Kindern trainieren. Ergotherapeutin Mareike Schmitz erklärt, wie die Methode aus den USA funktioniert. Vor kurzem hat sie eine neue Praxis in Geldern eröffnet.

Der Blick des kleinen Mädchens ist auf den Fernseher gerichtet. Ein Film läuft. Vorher wurden am Kopf des Kindes verschiedene bunte Kabel angebracht. "Das ist ein typisches Klebebild für eine Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsstörung", erklärt Ergotherapeutin Mareike Schmitz die Anordnung der Elektroden auf dem Kopf des Mädchens.

Neurofeedback nennt sich die Behandlungsmethode. Die soll vor allem Kindern und Jugendlichen helfen, die an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden. Die Behandlungsmethode stammt aus den USA. Entwickelt wurde das System für Kinder mit Konzentrationsstörungen. Auf dem Computerbildschirm verfolgt Ergotherapeutin Mareike Schmitz die Gehirnströme, während das Kind den Film auf dem Fernseher sieht. "Die sogenannten Z-Werte sagen aus, welche Gehirnströme okay sind und welche trainiert werden müssen", erklärt die Ergotherapeutin weiter. Das Prinzip funktioniere wie bei der klassischen Konditionierung. Kaum lässt die Konzentration nach, verkleinert sich das Fernsehbild.

"Die Gehirnwelle lernt, wie sie sich besser strukturieren kann, um das Bild groß zu halten", so Mareike Schmitz. "Das Schöne an Neurofeedback ist, dass direkt an der Ursache für die Konzentrationsstörung gearbeitet wird. Wir trainieren wirklich an der Gehirnwelle", sagt die 25-jährige Therapeutin. Um dauerhafte Veränderungen zu erzielen, müssten in der Regel 50 Stunden Training eingeplant werden.

"Die ersten Fortschritte gibt es nach zehn bis 20 Stunden. Ich hatte aber auch schon ein Kind dabei, das bereits nach der fünften Stunde deutliche Verbesserungen bei den Hausaufgaben zeigte", so Mareike Schmitz. Gerade Jugendliche fänden diese Art der Ergotherapie "cool". "Fast jeder hat eine Wii oder Playstation zu Hause. Da stößt Neurofeedback auf hohe Motivation. Und Motivation ist das A und O für den Behandlungserfolg." Bei Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren werden auch die Eltern in die Arbeit mit einbezogen. Eingesetzt wird Neurofeedback im übrigen auch bei Depressionen, Burnout und nach einem Schlaganfall.

Im Schrank ihrer Praxis schlummern aber auch ganz viele Brettspiele, es gibt einen Motorikraum mit Schaukel, Sprossenwand und Trampolin, einen Handwerkraum und eine kleine Küche. "Neurofeedback ist eine Methode, die ich einsetzen kann, aber nicht muss. Es gibt auch die klassische Ergotherapie", sagt Mareike Schmitz. Was für wen geeignet ist, das entscheidet sich am Patienten selbst. "Ergotherapie ist ein anerkanntes Heilmittel und wird von den Krankenkassen übernommen", so die Therapeutin. Neurofeedback sei zudem eine Behandlungsmethode, die vom Deutschen Verband der Ergotherapeuten genauso anerkannt sei wie etwa Holzarbeiten oder Seidenmalerei. "Das ist ein anerkanntes Mittel, und der Ergotherapeut kann individuell entscheiden, was zum Patienten passt."

(bimo)