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Wachtendonk: Wachtendonks Rat billigt Asylheimplan

Wachtendonk : Wachtendonks Rat billigt Asylheimplan

Bürger kritisieren zentrale Unterbringung an Lessingstraße. Sie fordern eine dezentrale Lösung. Ratsmitglieder verurteilen Weitergabe von Unterlagen aus nicht-öffentlicher Sitzung.

Die Gemeinde kann ihren Plan, im Gebiet Lessingstraße/Auf dem Bock eine zentrale Asylbewerberunterkunft zu bauen, weiter verfolgen. Der Rat beschloss gestern Abend bei einer Gegenstimme, ein etwa 1300 Quadratmeter großes Grundstück in diesem Bereich dafür vorzusehen und den betreffenden Bebauungsplan von Gewerbe- in Wohnnutzung zu ändern. Der Abstimmung waren massive Bürgerproteste vorangegangen.

In Scharen waren vor allem die Anwohner der Lessingstraße im Bürgerhaus erschienen, um ihre zuvor in der RP geäußerten Bedenken gegen das Projekt zu bekräftigen. Dabei plädierten sie erneut für eine dezentrale Unterbringung der Asylsuchenden. "Nur Gebäude für sechs bis acht Personen sind sozial vertraglich, nur dann kann die Integration gelingen", sagte Hilmar Wasseige während der weit über das übliche Maß hinaus ausgedehnten Fragezeit für Einwohner. Doch bei dem für bis zu 40 Männer ausgerichteten Haus sei das Verhältnis zur Nachbarschaft auf der kleinen Lessingstraße nicht angemessen.

Mehrere Redner warfen der Gemeinde Wortbruch vor, weil diese versichert habe, dass der Grünstreifen zwischen Lessingstraße und Gewerbegebiet nicht angetastet werde, er jetzt jedoch zumindest durchbrochen werde. "Wenn die Gewerbefläche zu Wohnbaufläche wird, wird der Grünstreifen verlegt, weil dann keine Abschirmung mehr nötig ist", entgegnete Bürgermeister Udo Rosenkranz.

Er wies darauf hin, dass eine dezentrale Lösung immer teurer sei als eine zentrale Unterbringung der Asylbewerber. In den vergangenen Jahren seien maximal 20 Asylsuchende in Wachtendonk gewesen, "und unsere Erfahrungen mit ihnen waren nicht negativ". Damit versuchte der Bürgermeister Befürchtungen zu zerstreuen, es könnte ein sozialer Brennpunkt entstehen.

Keine Stellung bezog Rosenkranz zu den Behauptungen von Bürgern, wonach die Gemeinde dem Eigentümer des für das Asylhaus vorgesehenen Areals im Gegenzug Achter de Stadt eine Fläche zu einem Preis 40 Prozent unter dem Verkehrswert angeboten habe. "Da sind offenkundig nicht-öffentliche Unterlagen weiter gegeben worden", kritisierte Ludwig Ramacher (Bündnis 90/Grüne). Der dafür Verantwortliche müsse zur Rechenschaft gezogen werden. Mit dem Beschluss verband der Rat die Forderung, die soziale Betreuung der Asylbewerber künftig zu verbessern. Günter Seidel (WBV) lehnte die Planung ab, weil er die dezentrale Lösung als Option behalten wollte.

(RP/rl/top)