Straelen: "Hilfe! Unser Spielplatz soll weg"

Straelen : "Hilfe! Unser Spielplatz soll weg"

Die Anwohner der Katharinenstraße in Straelen sind entsetzt. Seit sechs Jahren kämpfen sie für den Erhalt ihres Spielplatzes. Am Dienstag soll alles vorbei sein, der Platz beseitigt werden. Die Argumente der Stadt halten die Eltern für haltlos.

Der Schein trügt. Wo jetzt noch fröhlich Kinder spielen, wird bald nichts mehr sein. Zumindest kein Spielplatz. Der soll nämlich weg, findet die Stadt Straelen. Die Eltern sind gelinde gesagt: empört.

Seit sechs Jahren kämpfen sie für den Erhalt ihres Spielplatzes. Anwohnerin und Mutter Yvonne Theunissen holt den gesammelten Schriftverkehr mit der Stadt Straelen hervor. In den Schreiben heißt es auch, dass die Anwohnerschaft über die entsprechenden Entwicklungen zu informieren sei. Umso überraschter war Theunissen, als sie von einer Nachbarin angesprochen wurde. Stadtmitarbeiter waren vor Ort gewesen und hatten ihr mitgeteilt, der Spielplatz werde am Dienstag "beseitigt". "Herr Angenendt sprach nur von einem Spielgerät, die anderen Mitarbeiter haben einen anderen Eindruck vermittelt", sagt Theunissen und ist sehr besorgt. Zu Recht. Zwei Herren der Stadt Straelen hatten einer Nachbarin das Grundstück angeboten und gefragt, ob sie das nicht kaufen wolle, etwa als zweite Auffahrt. "Wir stellen uns auch die Frage, ob es der Stadt überhaupt erlaubt ist, ein Grundstück quasi unter der Hand einem einzelnen Bürger zum Kauf anzubieten", überlegt die Nachbarschaft laut.

Zu wenige Kinder würden den Platz nutzen, lautet ein Argument der Stadt. Ja, es habe eine Zeit gegeben, als der Spielplatz nicht so stark frequentiert gewesen sei, räumt Theunissen ein. Den Spielplatz gibt es seit 35 Jahren. Mittlerweile ist die nächste, kinderreiche Generation am Zug und nutzt den Spielplatz. Heinz Peters aus der Nachbarschaft bestätigt das. "Ich wohne genau gegenüber und habe einen wunderbaren Blick und sehe, wie viele da spielen." Er spricht von Lebensqualität. Weil der Spielplatz an einer ruhigen Ecke im Wohngebiet liegt, ist er beliebt. 140 Unterschriften sind für den Erhalt zusammengekommen. Die Stadt mokierte, dass auch Großeltern, die nicht Anwohner sind, unterschrieben. Aber gerade die besuchen mit ihren Enkeln auch den Spielplatz, erklärt Theunissen.

Anwohnerin Tanja Krause spricht von Salami-Taktik. Erst sei der Mülleimer, dann die Bank weggekommen. Bald werde dort nichts mehr sein. Die Eltern wollen das nicht so hinnehmen. "Die Informationspolitik und der Umgang mit uns Anwohnern ist wirklich nicht in Ordnung", sagt Anwohnerin Nadine Jonkmanns.

Hohe Kosten waren ein weiteres Argument der Stadt, warum der Spielplatz weg soll. Die Eltern in der Anwohnerschaft haben der Stadt vorgeschlagen, sich nach Art einer Elterninitiative um die Fläche zu kümmern. Bisher stieß das bei der Stadt auf taube Ohren. "Ich finde das sehr unüberlegt. Wenn die Stadt mir hier zwei Mülltonnen hinstellen würde, würde ich die Pflege im Alleingang übernehmen. Dann müsste die Stadt nur noch die Sicherheit der Geräte kontrollieren und sicherstellen", bietet Anwohner Ingo Jonkmanns an.

So weit wird es wohl nicht mehr kommen. "Sobald die Geräte abgängig sind" - also, sobald sie kaputt sind - "wird der Spielplatz in eine Grünfläche umgewandelt", erklärt Harald Purath von der Stadt. "Es gibt einen Ratsbeschluss dazu."

Das Entsetzen bei den Eltern ist groß. "Wenn wir nicht durch Zufall erfahren hätten, was da vor sich geht, wären wir und unsere Kinder am Dienstag vom Bagger überrascht worden. Und das, obwohl mir mehrmals Kommunikation zugesichert wurde. Das ist schlicht und einfach unfair und kein guter Ton", bemängelt Theunissen. Und hofft auf ein Einlenken in letzter Minute.

(RP)