Geldern: Gymnasialplätze bald in der Lostrommel?

Geldern : Gymnasialplätze bald in der Lostrommel?

Für die Gründung der Gesamtschule sollen - zumindest anfangs - die Gymnasien weniger Fünftklässler aufnehmen. Eltern fürchten ein Ende der Wahlfreiheit und Nachteile auch für die Schüler, die einen Platz bekommen.

Elternvertreter der beiden Gelderner Gymnasien warnen eindringlich davor, die Gesamtschule wie angedacht zu gründen. Man bitte "höflichst darum, die Entscheidung dahingehend zu treffen, den jetzt vorhandenen ,Status quo' zu erhalten", heißt es in einem offenen Brief der Schulpflegschaft des Lise-Meitner-Gymnasiums.

Der Kern der Kritik: Derzeit bilden die beiden Gymnasien zusammengenommen jedes Jahr insgesamt sieben neue fünfte Klassen. Für die Gründung der Gesamtschule soll das auf - so ein Vorschlag - sechs Klassen gedeckelt werden. Das heißt: Etwa eine Schulklasse voller Kinder würde abgewiesen. Die Hoffnung dahinter: Die betroffenen Familien könnten ja dann auf die Gesamtschule ausweichen.

"Ein Ding der Unmöglichkeit", urteilt Peter Brune. Der Schulpflegschaftsvorsitzender im Lise-Meitner Gymnasium: "Eine Forcierung in Richtung Gesamtschule, das geht gar nicht." Im Brief heißt es: Die Eltern könnten sich nicht darauf verlassen, ihr Kind an ein Gelderner Gymnasium zu bringen, sondern müssten damit rechnen, "im Losverfahren einer anderen - nicht gewünschten - Schule zugelost zu werden".

Sachlich ist das wohlgemerkt nicht ganz richtig. Das Losverfahren würde darüber entscheiden, ob Kinder an einem Gymnasium angenommen oder abgelehnt werden. Es würden also keine Kinder irgendeiner bestimmten Einrichtung "zugelost". Aber die Befürchtung, die aus der drastischen Beschreibung spricht, ist klar: Kinder könnten auf Schulen gedrängt werden, die sie nicht wollen. "Die Wahlfreiheit der Eltern wäre damit ausgeschaltet, und das halten wir für nicht hinnehmbar", führt Brune im Schreiben der Eltern aus.

Die Elternschaft am Friedrich-Spee-Gymnasium kommt im Wesentlichen zu der gleichen Kritik und den gleichen Forderungen: Die Gesamtschul-Gründung aufzugeben. Zumal die Idee, Gymnasien einzuschränken, schon in anderen Städten nicht funktioniert habe, so der Friedrich-Spee-Schulpflegschaftsvorsitzende Andreas Kirking. Da seien die abgewiesenen Kinder jedenfalls nicht brav zur Gesamtschule gewechselt: "Das einzige war, dass die abgewandert sind in andere Gemeinden", so Kirking.

Aber auch die Schüler, die angenommen werden, müssten Nachteile fürchten, glauben die Kritiker. Lise-Meitner- und Friedrich-Spee-Gymnasium kooperieren nämlich miteinander. Derzeit können dadurch in der Oberstufe auch "exotische" Kurse in weniger häufig nachgefragten Fächern wie Kunst, Physik oder Französisch gebildet werden, indem darin junge Leuten aus beiden Gymnasien zusammenkommen.

Eine Klasse weniger in einem Jahrgang könne durchaus dazu führen, dass solche Kurse nicht zustande kommen, bestätigen die Schulleitungen. Und sie fürchten ebenso wie die Eltern, dass Schüler in andere Städte abwandern - womöglich aus Unsicherheit schon frühzeitig, bevor es überhaupt zu einem Losverfahren kommt. Sie würden dann etwa in Straelen oder Kamp-Lintfort landen, heißt es in dem offenen Brief der Eltern. Das würde nicht zuletzt dem Wunsch entgegenstehen, "Geldern erfolgreich als Schulstadt dazustellen", geben die Eltern zu bedenken. Ein Etikett, auf das Geldern tatsächlich sehr stolz ist.

Der Wunsch nach einer Gesamtschule sei "mit der heißen Nadel gestrickt", führt das Schreiben aus. "Nach unserem Meinungsbild sind für Geldern zwei Gymnasien und eine Realschule gewünscht. Inwieweit daher die Auswertung der Fragebögen zu einer Bevorzugung einer Gesamtschule führt, halten wir für nicht nachvollziehbar."

Und weiter heißt es in dem Schreiben: "Welche Gründe tatsächlich dahinter stehen, unbedingt eine Gesamtschule zu gründen / gründen zu wollen, entzieht sich unserer abschließenden Bewertung."

Andreas Kirking sieht es ähnlich. Sicher gebe es Probleme in der Gelderner Schullandschaft. Aber die Einschränkung der Gymnasien kann aus Sicht der Elternvertreter nicht die Lösung sein: "Die Stadt macht sich 'nen schlanken Fuß zulasten der Gymnasien", sagt Kirking.

(RP)
Mehr von RP ONLINE