Geldern: Gesamtschul-Fragen: Platz, Größe, Lehrer

Geldern: Gesamtschul-Fragen: Platz, Größe, Lehrer

Es ist ungewiss, ob Gelderns Gesamtschule mit sechs Eingangsklassen gegründet werden darf. Das hat die Verwaltung der Politik mitgeteilt. Falls nicht, gäbe es für eine ganze Reihe von Schülern aus Nachbargemeinden keinen Platz.

Kinder aus Straelen, Wachtendonk, Kerken und Kevelaer, die ab dem Sommer gerne zur Gesamtschule in Geldern gehen möchten, könnten enttäuscht werden. Das setzte zumindest Gelderns Schuldezernent Helmut Holla der Politik im Schulausschuss des Stadtrates auseinander.

Nicht alle Kommunen sind glücklich darüber, dass Kinder aus ihrem Bereich zur Gelderner Gesamtschule abwandern. In Straelen und Wachtendonk sieht man diese Entwicklung wie berichtet besonders kritisch. Deshalb tendiert die Bezirksregierung in Düsseldorf dazu, die Gründung der Gesamtschule mit nur fünf Klassen zuzulassen.

"Bei fünf Eingangsklassen können an der Gesamtschule 135 Kinder angenommen werden", erklärte Schuldezernent Helmut Holla. 156 Anmeldungen gab es, es müssten demnach also 21 Kinder abgewiesen werden. Familien aus Issum oder Rheurdt wären nach Auffassung der Stadt zunächst nicht betroffen, denn die dortige Politik stimmt der Beschulung der Kinder in Geldern zu.

Es ist allerdings noch nichts in Stein gemeißelt. Gelderns Stadtverwaltung würde lieber allen Kindern einen Platz anbieten. Es laufen Gespräche sowohl mit der Bezirksregierung als auch mit den Nachbargemeinden. In Straelen bekam die Politik das Thema gestern Abend im Stadtrat noch einmal auf den Tisch, in Wachtendonk tagte gestern der Schulausschuss.

Davon unabhängig ist abzusehen, dass die Gesamtschule wohl eine besondere Ausrichtung erhalten wird. Denn fast alle Familien haben sich bei der Anmeldung für den Montessori-Zweig der Schule entschieden. "Wie ist da der Stand mit dem entsprechenden Fachpersonal?", wollte SPD-Fraktionschef Andreas van Bebber dazu wissen.

"Es werden von der Bezirksregierung Kollegen bestellt", erklärte die Leiterin des Gesamtschul-Anmeldeteams, Tanja Rathmer-Naundorf. Es werde für die Lehrer vor ihrem Einsatz Schulungen geben, "so dass sie vielleicht nicht direkt Zertifizierungskurse haben, wir aber gut starten können". Außerdem sei mit allen neuen Kollegen verabredet, dass sie sich für die Montessori-Pädagogik weiterbilden.

Ungelöst sind noch viele Raumfragen. Die Klassen der Gesamtschule sollen im heutigen Realschulgebäude An der Fleuth unterkommen.

Die Realschule soll über die Jahre nach und nach zum Gebäude am Westwall umziehen. Das könnte, je nachdem, wie schnell das Realschul-Gebäude entsprechend saniert ist, klappen. Denkbar wäre aber auch , dass Klassen in Containern untergebracht werden.

Diese Ungewissheit ist für die Bürger schwierig. Martina Wolters (Grüne) regte im Ausschuss eine monatliche Schüler- und Eltern-Sprechstunde an, "um Fragen oder Unsicherheiten wegzuschieben", wie sie sagte. Fred Backus (CDU) plädierte dafür, dass die Realschule An der Fleuth einen Elternbrief zum Sachstand herausgeben solle.

Dazu zeigten sich aber sowohl Bürgermeister Sven Kaiser als auch Realschul-Rektor Wilfried Schönherr skeptisch. "Ich kann natürlich nur den klaren Sachstand mitteilen, wenn er auch wirklich klar ist", sagte Kaiser. Vieles stehe eben noch nicht fest. Und auch Schönherr befand, er könne doch den Eltern nichts erläutern, bevor eine "Beschlusslage" da sei. Fred Backus hingegen fände eine Information über die unklare Lage besser immer noch besser als gar keine: "Wenn einer eine Unwahrheit in die Welt setzt, und das verbreitet sich durch Mundpropaganda, das schafft eine Stimmung", sagte er.

(RP)