Korschenbroich: Skurriles Fotoshooting - zwei Kühe auf dem Autofriedhof

Tierisches Fotoshooting in Erkrath : Mit der Kuh auf dem Catwalk

Für ein Fotoshooting der Rinder-Union West fuhr der Korschenbroicher Landwirt Stefan Kreutzer mit zwei Tieren zu einem Erkrather Autofriedhof. Das Ergebnis dieses skurrilen Termins soll für Bullen-Sperma werben.

Einen Catwalk kennt jeder. Den Kuh-Walk nur sie. Für den großen Auftritt hatten sie die Pumps allerdings zuhause gelassen. Das wäre zu viel Etikette für den Schlamm gewesen. Stattdessen waren sie stilsicher mit Entourage unterwegs: Zwei Leute für die Maske und eine Dame zum Knipsen. Dazu noch ein bärtiger Typ, der für die Konzentration sorgen sollte, vor den Kühen herumsprang und grunzende Laute von sich gab. Was tut man nicht alles, um eine Kuh bei Laune zu halten.

Die Kühe, die an diesem Tag auf dem Autofriedhof in Erkrath ihr Model-Können zeigten, kommen eigentlich aus Korschenbroich. Dort stehen sie gewöhnlich im Stall von Landwirt Stefan Kreutzer. „Ich bin von der Rinder-Union West angesprochen worden“, sagt Kreutzer. „Die brauchten noch Kühe für ein Fotoshooting.“ Der Autofriedhof in Erkrath stand als Kulisse bereits fest. Doch in der Gegend gibt es wenig Landwirtschaft. Also ließ sich Kreutzer überzeugen, mit zwei seiner Kühe aus Korschenbroich anzureisen.

Im Neandertal angekommen, schlurften die Vierbeiner zunächst für die Maske erst mal in die Garage von Michael Fröhlich. Der hatte seinen Autofriedhof als Kulisse fürs Fotoshooting zur Verfügung gestellt. So eine Kuh vor dem Jaguar – das wäre doch eine tolle Idee“, dachte sich die Rinder-Union. Das lasse die Herzen der Züchter höher schlagen. Und die sollen sich schließlich mit dem Bullen-Sperma des Züchterverbands eindecken. Sie sollen sich beim Blick auf die Werbebilder denken: „Der Bulle, der die gezeugt hat – das wäre der Richtige für meine Wilma, oder Erna.“

Damit sich seine beiden – übrigens namenlosen – Kühe am großen Tag auch von ihrer besten Seite zeigen, hatte Kreutzer Vorkehrungen getroffen. „Einen Tag vorher habe ich die beiden geschoren, am Tag selbst gewaschen“, sagt er. „Sie mussten ja schön gemacht werden.“ Mit dem Anhänger ging es auf die rund 40 Kilometer lange Reise. Die Rinder-Union belohnte den Ausflug mit einer entsprechenden Aufwandsentschädigung.

Damit am Ende auch die gewünschten Fotos dabei heraussprangen, zeigten alle Beteiligten viel Einsatz. Die Beine wurden richtig gestellt, und dann gab es noch Haarverlängerung für den Schweif. Hinten mehr nach links, und vorne weiter auseinander. Die beiden vierbeinigen Grazien nahmen die Aufmerksamkeit ziemlich gelassen zur Kenntnis. Von den Experten der Rinder-Union war zu hören, dass fünf Grad Celsius unter Kühen als Wohlfühltemperatur gilt. Und der Dauerregen? Der perlte am frisch frisierten Kuhfell ab. Alles kein Problem für die beiden Models. Sie ließen sich zwischen Rolls Royce und Jaguar freimütig über das Gelände führen.

Am Ende hatte die Fotografin die Bilder im Kasten, mit denen die Rinder-Union für ihre 200 potenten Bullen werben will, die in Borken im Stall stehen. Dazu soll es auch noch Wandkalender geben. Auch Stefan Kreutzer war mit seinem Tagesausflug zufrieden. „Das war schon ein bisschen außergewöhnlich“, sagt er. Zwar sei er Kuhfotos gewohnt. „Doch sonst ist da eher eine grüne Wiese im Hintergrund.“ Und wenn die Rinder-Union noch mal anfragt? Er wäre wohl wieder dabei. „Nur jeden Tag brauche ich das auch nicht“, sagt Kreutzer.