Für an Leukämie erkrankte Vivien: Hunderte lassen sich typisieren

23-Jährige an Leukämie erkrankt : Für Vivien: Hunderte lassen sich in Moers typisieren

Vivien Uschtrin aus Xanten ist zum zweiten Mal an Blutkrebs erkrankt. Jetzt hat sie einen Spender gefunden, trotzdem riefen Familie und Freunde für Sonntag zur Registrierung im Mercator-Berufskolleg auf – mit Erfolg.

Die Chance, jemanden zu finden, bei dem die Gewebemerkmale der Blutzellen vollständig übereinstimmen, liegen zwischen eins zu 20.000 bis eins zu mehreren Millionen. „Die Chance auf einen Sechser im Lotto mit Zusatzzahl ist größer, als zweimal einen Stammzellenspender zu finden“, sagt Jill Janssen. „Eine Prognose, ob eine Therapie Erfolg hat, ist nicht möglich. Jeder Körper ist anders. Eine Therapie ist eine Chance. Es besteht Hoffnung.“

Am heutigen Montag beginnt für Jills Schwester Vivien Uschtrin an der Uniklinik in Essen die Stammzellentherapie. Am vergangenen Mittwoch hat sich überraschend ein Stammzellenspender für die 23 Jahre alte Xantenerin gefunden. „Schon im Frühjahr 2014 hatte Vivien Blutkrebs“, berichtete Jill Janssen im Mercator-Berufskolleg. „Es fand sich ein Stammzellenspender. Die Therapie war erfolgreich. Der Spender von damals lebt noch. Aber seine DNA hat sich etwas verändert. Deshalb kann er heute nicht mehr für Vivien spenden.“ So hatte Viviens Freundin Eyleen Kaiser die Idee, zusammen mit Familienangehörigen, Freunden und der DKMS zwei Registrierungsaktionen zu organisieren, die sie auch nicht absagte, als sich am Mittwoch überraschend ein passender Stammzellenspender fand. „Vielleicht sind eure Stammzellen ja die Rettung für andere Patienten“, erklärte sie. Die Registrierung stelle sie unter das Motto: „Vivien will leben!“

Für die erste Registrierung wählte Kaiser den Sonntag des ersten Advents am Mercator-Berufskolleg in Moers aus, weil es an diesem Tag hunderte Besucher zum dortigen Kinderdorffest kommen. 2017 machten die beiden jungen Frauen dort ihren Abschluss. Und Viviens Freundin lag mit ihrer Wahl richtig: Bis zum frühen Nachmittag ließen sich bereits mehr als 200 Personen registrieren.

Dazu mussten die möglichen Stammzellenspender mit einem Wattestäbchen einen Abstrich aus dem Mund nehmen, der von Helfern verpackt und mit Namen versehen wurde. Außerdem erklärten sie schriftlich ihre Einwilligung, als Stammzellenspender bereit zu stehen. In den nächsten Tagen werden die Abstriche in Labors untersucht. Die Ergebnisse werden typisiert und in die Stammzellendatenbank der DKMS übertragen. Dort sind bereits 8,5 Millionen Personen als potentielle Stammzellenspender registriert.

Nicht wenige der insgesamt 30 Helfer stammten aus dem Familien- und Freundeskreis. „Vivien ist ein Herzensmensch“, erzählte zum Beispiel Roberto Grüter, der mit ihr zusammen das Mercator-Berufskolleg besucht hat. „Sie hat immer ein Strahlen auf dem Gesicht. Wir sind nach dem Abitur in Kontakt geblieben. Niemand hat mit einer solchen Nachricht gerechnet.“ Auch Marc van Rechteren kennt Vivien als lebensbejahenden Menschen: „Sie hat immer gute Laune. Sie verbreitet gut Laune. Mir hat es die Füße unter dem Boden weggerissen, als ich vom Blutkrebs gehört habe.“

Aus der Familie halfen auch Jennifer Baier und Steven Baier mit. Viele der Helfer sind in knapp zwei Wochen erneut im Einsatz. Am 14. Dezember gibt es in Erkrath eine zweite Registrierung. Diese beginnt um 12 Uhr in Stockies Bistro im Rewe-Markt Stockhausen, Neuenhausplatz 74, und endet um 17 Uhr. In der Stadt östlich von Düsseldorf hatte Vivien hin und wieder gearbeitet.

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