Gerichtsreportage Erkrather wegen Anstiftung zum sexuellem Missbrauch von Kindern angeklagt

Erkrath/Wuppertal · In einem Internetforum soll er pädophile Fantasien mit anderen ausgelebt haben. Wirklichkeit wurden sie aber wohl nicht.

 Vor Gericht muss sich jetzt ein 35-Jähriger verantworten.

Vor Gericht muss sich jetzt ein 35-Jähriger verantworten.

Foto: dpa/Peter Steffen

Schon als der Prozess beginnt, sitzt er zusammengesunken auf der Anklagebank. Während die Staatsanwältin die Tatvorwürfe aufzählt, sinkt sein Kopf immer weiter nach unten. Im Saal bricht seine Freundin in Tränen aus, als sie hört, was die Anklage dem 35-Jährigen vorwirft: Anstiftung zur Vergewaltigung, Anstiftung zum sexuellen Missbrauch von Kindern und Besitz von Kinderpornografie.

Worum genau es dabei gegangen sein soll, liest der Vorsitzende Richter Alexander Schräder vor: Seitenlange Chats, in denen der Erkrather seine Partner dazu aufgefordert haben soll, Kinder sexuell zu missbrauchen und zu vergewaltigen. Geschrieben auf „Knuddels“, das Portal hatte den Missbrauch gemeldet. Bis dahin hatte es mehr als 30 Chats gegeben, die alle unverfänglich begonnen hatten: „Hallo, wie geht‘s Dir“, soll der Angeklagte dort geschrieben haben, oder: „Wer ist bei Dir?“.

Er soll sich als 16-jähriges Mädchen ausgegeben und unter einem Pseudonym geschrieben haben. Auch die Chatpartner gaben sich als Jugendliche aus. Dass zumindest einige es nicht waren, wissen die Ermittler mittlerweile. Ein „Ben“ wurde ausfindig gemacht: Verheiratet und Vater einer Tochter. Dass das Kind neben ihm gesessen hat und zum Opfer der Missbrauchstaten wurde – davon geht die Staatsanwaltschaft nicht aus.

So wie bei den anderen Taten, die dem Angeklagten vorgeworfen werden. Es scheint vor allem darum gegangen sein, sich durch die Chats sexuell zu erregen. Der Erkrather soll seine Chat-Partner gefragt haben, ob jemand bei ihnen sei. Nachdem das bejaht wurde, folgten Anweisungen, die Mädchen sexuell zu missbrauchen. Dass das so abgelaufen sein soll, ist in den Chats zu lesen. Die Staatsanwaltschaft geht dennoch davon aus, dass die beschriebenen Taten nicht stattgefunden haben und es vor allem darum gegangen sei, pädophile Fantasien auszutauschen.

Die reichten bis hin zur Vergewaltigung und zur Behauptung, die Opfer würden weinen und schreien. Während die Staatsanwältin aus der seitenlangen Anklage vorliest, schüttelt der 35-Jährige den Kopf. Später lässt er seinen Verteidiger sagen, er habe das alles nicht geschrieben. Er zählt auf, wer alles Zugriff auf sein Handy hätte haben können: Sein Vater, der Hausmeister und eine Zirkusfamilie, für die er gearbeitet habe. Nachts habe das Smartphone auf der Ladestation im Flur der Wohnung gestanden, in der er mit seinen Eltern wohnt.

Der Hausmeister habe einen Schlüssel und er habe schon seit längerem den Verdacht, dass der Mann durch die Wohnung laufe. Auch die Zirkusfamilie hätte die Chats schreiben können, er habe sein Handy dort sogar mal einen halben Tag lang gesucht. Jeder hätte es nutzen können, er habe es nicht mit einer Pin gesperrt. Nachdem Knuddels die Chats an die Polizei gemeldet hatte, waren die Beamten zur Hausdurchsuchung angerückt. Das Handy des Angeklagten hatten sie mitgenommen, die Chats gingen dennoch weiter. Offenbar mit einem neuen Handy, was erneut die Meldestelle von Knuddels und auch die Polizei auf den Plan rief. Ein Beamter sagte nun aus, dass der Erkrather nicht bestritten hat, bei Knuddels aktiv gewesen zu sein. Er bestritt auch nicht, Kinderpornos auf seinem Handy zu haben. Den Rest muss nun die Beweisaufnahme klären.

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