Erkelenz: Kückhoven erarbeitet 2019 ein Konzept für die Dorfzukunft

Kückhoven erarbeitet Konzept für die Dorfzukunft : Naturschutz und Neubauten im Blick

Kückhoven startet ein Dorfentwicklungskonzept. Die Auftaktveranstaltung zeigte am Beispiel des Naherholungsgebietes Malter, wie wichtig es ist, wenn sich Vereine in der Dorfgemeinschaft vernetzen.

Was für Venrath und Holz­weiler in die Wege geleitet wurde, soll es auch für den 2400-Einwohner-Ort Kückhoven geben: ein Dorf­entwicklungskonzept. So ist es der Wunsch der Dorfgemeinschaft, die dabei auf die Unterstützung der Stadt Erkelenz setzen kann. Bei einer Auftaktveranstaltung informierte Jürgen Simon, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft und des Bezirksausschusses, über die Ansichten und Ziele des Konzepts, das die Stärken und Schwächen des Orts feststellen und Wege für eine Verbesserung der Lebenssituation aufzeigen soll. Keine Rolle soll dabei der Tagebau Garzweiler II spielen, so seine Bitte, weil es nach den Empfehlungen der Kohlekommission und vor den anstehenden Beratungen auf Landes- und Bundesebene keine konkreten Ansätze gibt. Er sei persönlich davon überzeugt, dass entgegen der derzeit gültigen Planungen die Landstraße 19, die nördlich um Kückhoven führt, nicht betroffen und sich die Abbaugrenze von Garzweiler II nach Norden verschieben werde.

In fünf Gruppen sollen Handlungsfelder abgesteckt und Vorstellungen entwickelt werden. Das beginnt beim Gemeinschaftsleben und der sozialen Struktur, setzt sich fort über die Verkehrssituation und den öffentlichen Raum, beschäftigt sich mit Landwirtschaft und Freizeitgestaltung, blickt auf Bauen, Wohnen und Energie und endet schließlich bei Gewerbe und Versorgung.

Ehe sich Simon versah, war er auch schon in Diskussionen über konkrete Themen verwickelt, als er mit den rund 30 interessierten Bürgern auf Kritik und Ideen zu sprechen kam. Dominierend war dabei die Situation rund um das Naherholungsgebiet Malter zwischen der Bebauung und der Landstraße 19. Dieses ist zum Bedauern vieler für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Gründe dafür versuchten die Natur- und Angelfreunde, die dort ihr Domizil haben, zu erläutern. Danach sei im Prinzip die Stadtverwaltung ursächlich für die Sperrung. Nachdem wegen des Tagebaus Garzweiler II unumstritten der Grundwasserspiegel gesunken und der Brunnen leer gelaufen ist, verliert die Malter mehr und mehr an Wasser. Ursprünglich einmal als Sammelbecken für Regenwasser angelegt, wurde vor Jahrzehnten ein Brunnen von 40 Metern Tiefe gebohrt, als der Grundwasserspiegel noch bei 26 Meter stand. Die Angelfreunde rekultivierten damals in mühevoller Arbeit das Teichgelände und verdichteten die Mulde auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Gelände mit 300 Tonnen Ton.

Doch ist alle Mühe vergebens. RWE habe alternativ eine Einmalzahlung oder eine Zahlung von 30.000 Euro zum Bau einer Wasserleitung angeboten, wenn sich die Natur- und Angelfreunde im Gegenzug verpflichteten, die Malter mit Folie abzudichten, was rund 35.000 Euro kosten solle, informierten diese. Doch sei die Stadt Erkelenz als Eigentümerin des Geländes mit dieser Regelung nicht einverstanden. Inzwischen habe RWE das Angebot der Einmalzahlung auf 65.000 Euro erhöht, die Stadt aber stimme dem weiterhin nicht zu. Jetzt suchen die 40 Vereinsmitglieder das Gespräch mit der Verwaltung, das am 6. Mai stattfinden soll.

Ein wenig läuft ihnen die Zeit davon, da der Pachtvertrag mit der Stadt im Oktober 2020 ausläuft. Der Verein befürchtet, dass die Stadtplaner das Gebiet in ein neues Wohngebiet integrieren wollen. Simon und seine Mitstreiter aus der Dorfgemeinschaft, in der alle Vereine aus Kückhoven Mitglieder sind, zeigten sich verwundert ob der Klagen. Als Dorfgemeinschaft hätte man die Angel- und Naturfreunde gerne unterstützt, wenn sich der Verein über die Problematik geäußert hätte. Das Agieren nebeneinander statt miteinander zeige, sagte Jürgen Simon, wie wichtig es sei, ein Dorfentwicklungskonzept in Gang zu bringen und dabei die Bedeutung der Dorfgemeinschaft neu zu definieren.

Neubaugebiete in Kückhoven wurden zum zweiten Schwerpunktthema der Auftaktveranstaltungen. Könne das Dorf noch mehr Zuzüge verkraften, wurde gefragt. Insbesondere hinsichtlich der Verkehrsverhältnisse wurden Zweifel laut. Die Katzemer Straße sei jetzt schon vom Verkehr überfrachtet. Die Verhältnisse würden unzumutbar, wenn dort in Richtung Katzem ein neues Baugebiet angeschlossen werden. Die Stadt Erkelenz tue zu wenig, um dort den Verkehr zu regeln. Das Argument, die Zuständigkeit für die Katzemer Straße liege beim Kreis Heinsberg, wurde nicht akzeptiert. Dann müsse die Stadt bei der Kreisverwaltung energischer auftreten. Auch die Anbindung der Katzemer Straße im Norden an die L 19 sei in Hinblick auf den zunehmenden Verkehr nicht optimal. Dort soll es, so Simon, weder eine Ampel noch einen Kreisverkehr geben, sondern einen „vernünftigen“ Umbau.

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