Glocken aus Immerather Kirche St. Lambertus sind in Polen

Nach Abriss von St. Lambertus : Immerather Glocken sind in Polen

Die zwei gussstählernen Glocken Sebastianus und Maria wurden nach Polen verkauft. Eine von ihnen ist nun dem Heiligen Antonius aus Padua geweiht.

Nicht jeder Glocke ist es gewährt, Zeit ihrer Existenz ununterbrochen seit Jahrhunderten in einem Kirchturm zu schlagen. 2017 wurden die Glocken aus der Kirche St. Lambertus entfernt, Anfang 2018 das Gebäude abgerissen.

Sechs Glocken sorgten im Kirchturm für das Geläut. Die älteste, die den Namen der Kirche trägt, wurde 1496 aus Bronze gegossen. Ebenso wie die drei anderen Bronzeglocken von 1512, 1670 und 1981 fand sie eine Bleibe in der Kapelle im neuen Immerath. Verwehrt blieb dieser Umzug den beiden größten und schwersten Glocken aus dem Immerather Dom:

Für die 1955 aus Gussstahl gegossene Glocken Sebastianus mit einem Durchmesser von 1,52 Metern und die Glocke Maria mit einem Durchmesser von 1,27 Metern war kein Platz mehr am Umsiedlungsort. Das sei nicht tragisch, meinte Pfarrer Werner Rombach von der Gemeinde Christkönig. Diese beiden Glocken seien nicht von kulturhistorischer Bedeutung, wie Rainer Merkens, Mitarbeiter im Pfarrbüro, ergänzt.

Unter anderem verweist er auf eine klangliche Beurteilung durch Gerhard Hoff, der über diese ausgesonderten Glocken in einer wissenschaftlichen Abhandlung geschrieben hat: „Hierbei handelt es sich um Stahlglocken des Bochumer Vereins aus den besten Jahren des Glockengusses in Bochum. Trotzdem fällt ihr harter Klang gegenüber den klangweicheren Bronzeglocken ab.“

Wegen des Klangs, aber noch mehr wegen der Größe und des Materials, bestand bei der Umsiedlung kein Interesse mehr an den beiden gusseisernen Glocken. Über ihren Verbleib kursieren immer wieder verschiedene Gerüchte. „Fakt ist, dass die Pfarrgemeinde die Glocken verkauft hat“, sagt Merkens. Merkens erinnert sich noch an den Ausbau dieser 1280 Kilogramm und 770 Kilogramm schweren Klangkörper: „Auf den Boden wurde Sand gekippt und dann hat man die Glocken herabfallen lassen.“ Schäden hatten sie dadurch nicht erlitten. Die gusseisernen Glocken, die bei weitem nicht die Haltbarkeitsdauer der bronzenen erreichen werden, seien nach Polen verkauft worden.

Wie Merkens erfahren hat, hat zumindest die größere inzwischen eine neue Verwendung gefunden. „Sie steht in dem Dorf Osieki neben der gotischen Kirche aus dem 14. Jahrhundert und ist dem Heiligen Antonius aus Padua geweiht.“ Die alte, aufgeschweißte Inschrift sei abgeschliffen worden und in Erinnerung an Papst Johannes Paul II. durch die Inschrift „Jan Pawel II“ ersetzt worden.

Auch bei der kleineren Glocke geht Merkens davon aus, dass sie entweder noch gelagert wird oder sogar schon eine Wiederverwendung gefunden hat. Dass „Sebastianus“ nicht eingeschmolzen wurde, sondern wieder im kirchlichen Raum verwendet wird, macht ihn zufrieden, selbst wenn sie nicht mehr läutet.