1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Haldern-Countdown: Die Fat White Family kommt mit rotzigem Rock

Haldern-Countdown : Die Fat White Family kommt mit rotzigem Rock

Heute beginnt das Haldern-Pop-Festival. RP-Redakteur Sebastian Peters hat sich die aktuellen CDs der Bands bereits angehört. Hier sein Urteil:

Poppy Ackroyd - Escapement: Das kleine feine Label Denovali Records erscheint mit gleich dreien seiner Künstler beim Festival - die in London geborene, in Edinburgh lebende Klavier- und Geigenspielerin Poppy Ackroyd veröffentlichte auf diesem Label ihr Debüt "Escapement". Zum Albumtitel muss man wissen, dass Escapement am Klavier eine Technik ist, den Hammer zurückschnellen zu lassen, sobald eine Taste angeschlagen wurde. Übersetzen kann man das Wort aber auch mit "Ausbruch", und auch das trifft die Grundstimmung dieses Klassik-Pop-Albums, das die Dame mit dem Laptop selbst produziert hat. Angereichert mit Field-Recordings, Vogelgezwitscher und Regenprasseln, klingen diese Songs wie Filmmusik. Musik für: Naturfilme als Soundtrack. Klingt nach: Nils Frahm, Hauschka, Agnes Obel (Punkte: 4 von 5).

Benjamin Clementine - Cornerstone (EP): Lob von höchster Stelle: Paul McCartney persönlich soll dem in London aufgewachsenen und Paris lebenden Benjamin Clementine empfohlen haben, weiter Musik zu machen. Vorher war er in Paris als Straßenmusiker herumgestreunt. Seine erste EP "Cornerstone" macht deutlich, welch großes stimmliches Talent dieser Mann hat. Zu Pianobegleitung singt er dunkle Balladen, erinnert dabei nicht selten an Nina Simone oder Antony Hegarty. Clementine wird ein Großer. Musik für: den Partner im Arm. Klingt nach: Nina Simone, Antony & The Johnsons (Punkte: 4,5/5).

Fat White Family - Champagne Holocaust: Drei Worte mit R fallen einem ein, wenn man der britischen Fat White Family beim Musizieren zuhört: Rotzig, Rock und Roll. Ihr riffgetriebener Gitarrenrock ist artverwandt mit dem Gun Club oder The Fall. Die Musikmagazine feiern das schon als besten neuen Gitarrensound von der Insel. Oft wirkt der verstörende Psycho-Garagenrock beängstigend wütend, manchmal wieder sanft und hippiesk, dass man fast an die Rolling Stones in ihrer spielerischen Phase denkt. Live, so wird geschrieben, sei das alles umwerfend. "Fat" eben. Musik für: Wilde. Klingt nach: Rolling Stones, Velvet Underground, The Gun Club (Punkte: 5/5).

The Slow Show - The Slow Show: Wir legen uns fest: Die Band The Slow Show wird schon nach diesem Festival auf der Liste vieler Musikkritiker ganz oben stehen. Eine Albumveröffentlichung steht noch aus, soll Anfang 2015 erfolgen. Der überwältigende Track "Dresden", bekannt aus einem Haldern-Pop-Video, legte die Messlatte für ihr Debüt hoch. Ein Chor singt, ein ergreifendes Piano stimmt ein, ehe Sänger Rob Goodwyn mit der wohl spektakulärsten Stimme singt, die man in den vergangenen Jahren gehört hat. Der Rest des Albums - das tolle Lied "Testing" zum Beispiel - ist von gleicher Bauart. Kratzig und doch warm singt Goodwyn, garstig und doch herzlich. Ihren Bandnamen haben sich The Slow Show bei der verehrten Band The National geborgt, musikalisch geht es hier in eine ähnliche Richtung. Im wahren Wortsinne slow - also langsam- geht es hier zu. Nur der Erfolg wird wohl schneller kommen als erwartet. Musik für: Hitlisten 2015. Klingt nach: The National, Lambchop, Elbow (Punkte: 5/5).

(RP)