1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Emmerich: Händler: Deckel für Discounter richtig

Emmerich : Händler: Deckel für Discounter richtig

Geschäftsleute unterstützen die harte Linie der Politik gegen Lidl und Co. und fordern Schadensbegrenzung.

Discounter gibt es in Emmerich viele. Auch durch die Nähe zu den Niederlanden sind sie sehr profitabel. Für den Emmericher Einzelhandel sind sie aber eine Konkurrenz. Die Stadt hält deshalb den Deckel drauf, wird heute Abend im Ratsausschuss für Stadtentwicklung zum Beispiel einer Erweiterung von Lidl nicht zustimmen. Bei vielen Emmerichern stößt das auf Kritik, doch der Handel unterstützt diese Linie. Das ergab eine Umfrage der RP.

Ralf Verhey, Geschäftsführer der Bäckerei Horsthemke (Bröd'je) und Vorsitzender der Emmericher Werbegemeinschaft sagt dazu: "In diesem Fall kann ich den Kurs der Politik nur unterstützen. In Emmerich ist ein Punkt erreicht, wo man für Schadensbegrenzung sorgen muss. Es gibt hier genügend Discounter, die sollten nicht auch noch erweitern. Für Emmerichs Einwohner reicht das. Gerade im Lebensmittelbereich bedeuten Discounter Verluste, reine Bäcker- oder Metzgergeschäfte haben es schwer."

Verhey rechnet mit einem Verlust von bis zu 30 Prozent bei den Bäckern, seitdem die Discounter selber in den Geschäften backen. Da könne kein Bäcker mithalten, zumal ja auch in Personal und Service investiert werden müsse.

Verhey ist froh, wenn die Stadt dem Lidl-Anbau nicht zustimme und im Bereich Discounter gebremst wird. "In Emmerich ist die Größe ja noch relativ human, aber in Kalkar ist Lidl so groß, dass der Angebotszettel für Backwaren allein schon vier Seiten umfasst." Sein Kollege sieht es ebenso.

Bäcker Heiko Korten von der gleichnamigen Bäckerei auf der Steinstraße sagt: "Es ist sehr unerfreulich, dass jeder in unserem Handwerk herumpfuscht wie die Discounter mit ihren eigenen Backöfen. Da müssen wir unsere Nischen finden." Und: "Jeder schimpft über die Politik, aber in diesem Bereich ist es wichtig, dass die Politik Einhalt gebietet und kontrolliert, dass die Discounter nicht zu groß werden." Man sollte für die Einzelhändler das Wasser in der Innenstadt nicht ganz abgraben, so Korten. Ein Mix aus verschiedenen Geschäften wäre gut, damit die Leute auch in die Stadt kommen. "Der Kundenlauf ist wichtig für uns, nur so wird auch bei uns gekauft."

Susanne Marmo, Geschäftsführerin der Metzgerei Heßeling am Mühlenweg, sieht die Entscheidungen der Politik positiv. "Die Einwohner werden nicht mehr und man kann den Euro nur einmal ausgeben." Es gebe reichlich Discounter hier, die sich schon fast gegenseitig Konkurrenz machen. "Einzelhändler decken eine andere Schiene ab. Sie punkten mit dem direkten Kundenkontakt, mit Frische, gutem Service und guter Qualität und heben sich so von den Discountern ab", so Susanne Marmo. "Diese Leistungen sind unsere Stärke." Wichtig für die Stadt sei eine attraktive Vielfalt, das locke die Kunden.

Ob die Emmericher Politik mit ihren Entscheidungen wirklich etwas bewirken könne, da ist Ludger Wittenhorst, der auf dem Markt einen Obst- und Gemüsestand hat, skeptisch. "Das ist eher wie ein Kampf gegen Windmühlen, die Konkurrenz durch die Discounter kann man auch durch Einschränkungen nicht mehr fernhalten." Man könne die Zeit nicht aufhalten. Durch solche "Bremsen" könne man die Discounter höchstens ein bisschen ärgern.

Auch Kirsten Bolk und Patrick Modrow von "Electronic-Partner Abbing & Bolk" finden, dass die Konkurrenz sich durch die Politik in Emmerich nicht aufhalten lässt. "Da spielt es keine Rolle, an welchem Standort die Discounter ihre Waren verkaufen", meint Patrick Modrow. Der Einzelhandel in der City müsse geschützt werden, da sei das Konzept der Stadt bisher noch nicht erfolgreich gewesen. "Wir hoffen, dass wir durch unsere Beratung, durch guten Service und durch die Qualität weiterhin überzeugen können", sagt Kirsten Bolk.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2014: Aldi Süd eröffnet an der Düsseldorfer Kö

(moha)