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Haldern-Countdown: Garagenrock funktioniert auch im Pop-Dorf

Haldern-Countdown : Garagenrock funktioniert auch im Pop-Dorf

Am 7. August beginnt das Haldern-Pop-Festival. RP-Redakteur Sebastian Peters hat sich die aktuellen CDs der Bands bereits angehört. Hier sein Urteil:

Samantha Crain - Kid Face: Die Amerikanerin Samantha Crain (27) stammt vom Indianerstamm der Choctaw ab und kommt aus Oklahoma. Mit glasklarer Stimme singt sie auf ihrem Drittwerk "Kid Face" herrlich melancholische Folksongs, bei denen stets ihr Gesang dominiert. Die anderen Instrumente, Piano und Akustikgitarre, sind oft nur das hintergründige Beiwerk. Der Albumtitel ist wohl nicht ganz zufällig gewählt: Denn tatsächlich schaut Frau Crains Gesicht auf dem Plattencover kindlich, singt ihr Lieder mit geradezu trotziger Haltung. Es gibt keinen Song, der hier auf Anhieb hängenbleibt. Niemals besteht aber auch der Wunsch, einen Song weiterzuskippen.

Musik für: Cowboys & Indianer. Klingt nach: Joanna Newsom, Anna Ternheim (Punkte: 4 von 5).

Black Lips - Underneath The Rainbow: Unglaublich variantenreich präsentiert sich das Spiel des amerikanischen Quartetts Black Lips aus Atlanta. Natürlich wird dem ortsansässigen Country gefrönt, aber "Underneath The Rainbow" ist weit mehr als das: Garagenrock, Psychedelik-Surfrock, Blues. Nicht umsonst tragen die vier Herren auf dem Albumcover dicke Lederjacken und eine Kette in der Hand. Seit 15 Jahren machen die wildgewordenen Black Lips diese Arbeit schon; sie werden immer besser. Irgendwann erahnt man, was aus den Beatles geworden wäre, wenn sie ihre Psychedelische Phase noch etwas verlängert hätten. Musik für: Stil-Grenzgänger. Klingt nach: Cramps, Ramones, Hives (Punkte: 4,5/5).

Boy & Bear - Harlequin Dream: In ihrer Heimat Australien sind Boy & Bear so etwas wie Superstars - ihr zweites Album "Harlequin Dream" erreichte dort Platz 1 der LP-Charts, nachdem der Vorgänger "Moonfire" Platz 2 erreicht hatte. Es braucht nicht lang, um zu erkennen, wohin hier die Reise geht. Der Folkrock des Quartetts erinnert in Songs wie dem grandiosen "A Moments Grace" an die Fleet Foxes, in "End Of The Line" an Wilco, getragen wird das Soundkorsett durch den mehrstimmigen Gesang und das temporäre Abdriften ins launige Countryspiel. Eine Riesenentwicklung haben Boy & Bear genommen. Uns fällt auch nach mehrmaligem Hören kein Grund ein, warum diese Band nicht auch hierzulande schnellstens Starruhm erlangen sollte. Musik für: Fleet-Foxes-Fans mit Entdeckerlaune. Klingt nach: Fleet Foxes, My Morning Jacket (Punkte: 4,5/5).

(RP)