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Zeltstadt für Flüchtlinge in Duisburg wird bei Frost abgebaut

Duisburg : Kommt der Frost, weicht die Zeltstadt

Für Stadtdirektor und Sozialdezernent Reinhold Spaniel gibt es zurzeit keinen Tag, an dem er sich nicht mit Unterbringungsmöglichkeiten für Asylsuchende beschäftigt.

Die Nachbarstadt Krefeld richtet in einer Turnhalle eine Asylbewerberunterkunft ein, deren "Wohnqualität" nur wenig besser sein dürfte als die in der viel-diskutierten Zeltstadt in Walsum. Die steht nach wie vor und "wird abgebaut, wenn der erste Frost kommt", so Reinhold Spaniel. Der Sozialdezernent ärgert sich schon ein bisschen darüber, dass über sein Projekt in Walsum ein Sturm der Entrüstung hereinbrach, sich aber ohne öffentliche Aufregung inzwischen "schon mindestens zehn Städte in Deutschland mit Zelten behelfen". Er wolle die Zeltstadt damit keineswegs schön reden. "Sie ist und bleibt eine Notlösung." Und er sei froh, dass er bislang keinen Asylbewerber dort habe unterbringen müssen.

Deren Zahl ist inzwischen auf 1700 gestiegen. Zurzeit sei die Welle etwa abgeebbt (wegen Windpockenfällen in einem zentralen Aufnahmelager). "Aber wenn hier morgen zwei Busse mit 100 Asylbewerbern ankommen, dann werden wir die Zeltstadt benötigen", so Spaniel. Denn alle Alternativen seien noch im Prüfungsstatus. "Wir haben von Hausbesitzern, Kirchen, Vereinen, Verbänden und Privatleuten jede Menge Angebote bekommen, die wir allerdings einzeln untersuchen müssen." Vorrangig würden die größeren Projekte in Augenschein genommen. Darunter seien durchaus geeignete Häuser. Aber vereinzelt würden auch Objekte angeboten, "in die wir mit Sicherheit niemanden einziehen lassen". Wo der Schimmel an den Wänden klebe, "da winken wir sofort ab". Alle, die Angebote gemacht haben, werde er anschreiben und sich bedanken.

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Zu den größeren geeigneten Objekten gehört unter anderem die alte Jugendherberge am Kalkweg. "Es sieht so aus, als könnten wir in Kürze der Ratspolitik einen Beschluss vorlegen, dieses Objekt für Asylbewerber herzurichten. Vielleicht können die ersten da noch in diesem Jahr einziehen". Vom St. Barbara Hospital wisse er nur so viel, dass das Land das ehemalige Krankenhaus noch in diesem Jahr belegen will. Die Stadt ist hier bekanntlich nicht zuständig, weil dort eine Sammelunterkunft eingerichtet wird, in der die Asylsuchenden nur wenige Tage bleiben, bevor sie auf die Städte verteilt werden. Unter denjenigen, die hier um Asyl bitten, haben die Bürger aus Mazedonien, Serbien und Albanien vermutlich die schlechtesten Chancen. Nur 0,5 Prozent der Anträge würden nicht abgewiesen. "Aber wir müssen die Leute dennoch so lange unterbringen, bis endgültig über ihren Asylantrag entschieden worden ist", so Spaniel.

Zur Betreuung der Asylbewerber in Duisburg sind übrigens ausschließlich städtische Mitarbeiter eingesetzt. Lediglich bei der Bewachung der Zeltstadt in Walsum verlässt sich der Sozialdezernent auf "Octeo", das Dienstleistungsunternehmen unter dem Dach des städtischen Duisburger Versorgungs- und Verkehrskonzerns DVV. Zu dem Vorschlag, die leerstehende Siedlung am Zinkhüttenplatz in Hamborn zumindest so lange zu belegen, bis mit dem Bau des dort geplanten Factory Outlet Centers begonnen wird, will sich Spaniel nicht äußern. Und er sagt auch nichts zu den Gründen dafür, warum in den Gebäuden nicht längst Asylbewerber leben. Darum kann nur spekuliert werden, dass ihm da wohl die Politik einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht haben muss. Am Zustand der Wohnungen kann es zumindest nicht liegen, denn die sind in Ordnung.

(RP)