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Duisburg: Zurück blieb eine Ruinenlandschaft

Duisburg : Zurück blieb eine Ruinenlandschaft

Vor 70 Jahren versank Duisburg im Bombenhagel, mehr als 3000 Menschen starben. Mit der Operaton "Hurrican" wollten die Alliierten ihre Luftherrschaft zeigen. Der von Hitler entfesselte Luftkrieg fiel auf deutsche Städte zurück.

Die Operation hieß "Hurricane" : Am 14. und 15 Oktober 1944 griffen in drei Wellen britische Bomber der Royal Air Force an, warfen in weniger als 18 Stunden 9000 Tonnen Brand- und Minenbomben auf Duisburg ab. Die Operation sollte die absolute Luftherrschaft der Alliierten unter Beweis stellen. Mehr als 3000 Menschen starben im Bombenhagel.

311 Luftangriffe durchlebt Duisburg von 1942 bis 1944. Kriegsmüdigkeit und Defätismus nahmen damals spürbar zu, zugleich aber auch die Angst, dafür denunziert und drastisch bestraft zu werden. Die Stadt wurde durch die Vielzahl der Bombenangriffe systematisch heruntergefeilt wie ein Zahn. Andererseits war im Oktober 1944 die Funktionsfähigkeit der Infrastruktur der noch dicht besiedelten Stadt weitgehend gewährleistet. Das belegten Aufklärungsfotos und Agentenmeldungen. Mit einem massiven Schlag, der "Operation Hurricane", sollte die endgültige Vernichtung vollzogen werden. Der von Hitler entfesselte Luftkrieg war auf die deutschen Städte zurückgefallen.

  • Serie "Unser Rhein" (Folge 19) : Rees trotzt Rhein und Angriffen
  • Duisburg : Als die Bomben fielen
  • Duisburg : Wie eine Bombenentschärfung abläuft

Der Bombenhagel der ersten und zweiten Angriffswelle traf Duisburg nahezu unvorbereitet. In den Nachtstunden des 14. Oktobers bombardieren rund 1800 britische Flugzeuge die Verkehrsanlagen sowie das Stadtgebiet von Duisburg. Das Flak-Feuer war nur zu Beginn stark, deutsche Jagdflugzeuge wurden kaum gesehen.

Die Zivilbevölkerung in Duisburg war nahezu schutzlos. Herabstürzende Balken erschlugen, zusammenbrechende Mauern zerquetschten die hilflosen Menschen ; der Luftdruck der Explosionen sprengte ihre Lunge und die inneren Organe; im Luftschutzkeller erstickten, verbrannten oder ertranken Menschen im Löschwasser. Der Tod, der aus dem Himmel über Duisburg kam, traf viele Wehrlose, vor allem Frauen, Kleinkinder und alte Menschen.

Am Vormittag des darauf folgenden Tages folgten weitere Angriffswellen. Innerhalb weniger Stunden fielen über 9000 Tonnen Sprengbomben. Mehr als 1000 Einwohner kamen außerhalb der Schutzräume ums Leben, weil die Bevölkerung nicht mit erneuten Angriffen rechnete und wegen der Zerstörung der Fernmeldeanlagen bei der ersten Welle kein Alarm gegeben werden konnte. Die Folgen dieses Luftangriffs waren für die Industriestadt Duisburg verheerend.

Nicht nur die Produktionsanlagen der Werke wurden weitgehend zerstört, sondern zudem auch Wohnhäuser sowie Schulen und Kirchen. Zurück blieb eine Ruinenlandschaft. Menschen schafften mit ihren eigenen Händen die Trümmer beiseite, ohne Werkzeug, ohne Schaufeln, ohne Handschuhe. Sie suchten nach Verschütteten und fanden oft grässlich entstellte Leichen.

Der nationalsozialistische Polizeipräsident in Duisburg, Franz Bauer, sprach offiziell von folgenden Menschenopfern und Gebäudeschäden: 2541 Tote, 946 Verwundete, 335 Vermisste, 11 200 Obdachlose und 175 Viehverluste. Der Albtraum des Bombenkrieges traf die Stadtmitte und Hamborn und dort überwiegend die Arbeiterviertel. Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, auswärtige Wehrmachtsangehörige, Binnenschiffer und Flakhelfer erhöhten die geschätzte Zahl der Toten auf mehr als 3000. An Häuserschäden gab es: 6448 Totalschaden, 3541 schwerbeschädigt, 3367 mittelschwer beschädigt und 13 098 leicht beschädigt. 110 Industrieanlagen, sechs Eisenbahnanlagen, fünf Einrichtungen der Straßenbahn und zwei Hafenanlagen wurden zerstört.

111 Schiffe waren gesunken und 230 beschädigt. Getroffen wurde u.a. die August Thyssen Hütte und die Demag. Fünf der 14 verzeichneten öffentlichen Einrichtungen wurden beschädigt, feststellbar die Thyssen Gas- und Wasser Werke und zwei gasbetriebene Kraftwerke bei Hamborn-Alsum und das Gaswerk Homberg. Ausgedehnte Zerstörungen wurden ebenfalls bei den Eisenbahneinrichtungen angerichtet. Bombentrichter und versenkte Lastkähne wurden im Gebiet des Hafens festgestellt.

Viele Menschen wurden traumatisiert. Andere versuchten sich einen Weg zu bahnen durch die Trümmer, um das Ausmaß der gewaltigen Zerstörung zu begreifen und um irgendwie, irgendwann mit einem Neuanfang zu beginnen. Große Bevölkerungsteile lebten weiter in Trümmern, vielen blieben nur die Keller ihrer zerbombten Häuser.

Ihre einstmals pulsierende Stadt - sie war untergegangen.

Autor Harald Küst ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamm und wohnt in Duisburg. Sein besonderes Interesse gilt neben der Wirtschaftsgeschichte auch anderen historischen Begebenheiten in Duisburg.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Als Duisburg im Bombenhagel unterging

(RP)