Duisburg: Tierpflegerin für einen halben Tag

Duisburg : Tierpflegerin für einen halben Tag

Der Landtagsabgeordneten Sarah Philipp (SPD) haben es besonders die Affen im Zoo angetan. Einen halben Tag lang kümmerte sie sich um Orang Utans, Liszt- und Bärenstummelaffen und machte Bekanntschaft mit Heuschrecken.

Sarah Philipp sitzt auf einem Baumstumpf im Gehege der Bärenstummelaffen. Mit beiden Händen hält sie eine silberne Schüssel fest. Fünf schwarze Affen mit langen weißen Schwänzen haben sich darum versammelt und brechen Erdnussschalen auf. Eines der Tiere greift gleich mit beiden Händen hinein, buddelt die Schale fast leer, bis deren Inhalt im Stroh liegt und er sich über die Beute hermacht. Philipp schaut etwas verwundert, da greift Tierpfleger Alexander Nolte beherzt in den Erdnusshaufen und befördert das Futter zurück in die Schüssel.

Zaghaft sind die Bärenstummelaffen ganz und gar nicht. Der Namensteil "Stummel" rührt daher, dass sie dort, wo an einer Hand normalerweise der Daumen wächst, nur einen Stummel aufweisen. Noch mehrmals greifen sie den Rand der Futterschüssel, ziehen sie zu sich heran. Ein andermal hält Philipp eine Nuss in die Runde, einer der Affen reißt sie ihr beinahe aus der Hand, knackt die Schale mit seinen Zähnen auf und pult dann alles Störende in Windeseile ab, bis nur noch die Erdnuss übrig bleibt.

Füttern gehört für die 31-Jährige an ihrem Tag als Tierpflegerin zu den Hauptaufgaben. "Aus Äpfeln, Banane und Mango haben wir den Affen ihr Frühstück gemacht, dann ging es weiter mit dem Ausmisten und Saubermachen", berichtet Philipp. Tierpfleger Nolte drückt es ganz prosaisch aus: "Ein Großteil unserer Arbeit besteht darin, Futter bereitzustellen und das Verdaute wieder herauszuholen." Er lacht.

Über die Zeit bauen die Tiere aber auch eine Beziehung zu ihren Pflegern auf. Bei Neulingen wie Sarah Philipp in ihrem grünen Arbeitsanzug sind sie jedoch erst einmal skeptisch. "Affen orientieren sich genau wie Menschen nach der Optik. Da wir alle Beige als Arbeitskleidung tragen, war der grüne Overall ungewohnt für sie", erklärt Nolte. Auch als die Tierpfleger von blauen Anzügen auf die beigefarbene Variante umgestiegen seien, hätten sich die Tiere erst damit arrangieren müssen, dass sie dennoch ihre vertrauten Menschen um sich hatten. So war die "Neue" dann auch einem Orang-Utan-Weibchen suspekt. "Ich habe gerade das Gehege saubergemacht und ihr den Rücken zugedreht, da hat sie mich angespuckt", erzählt Philipp. Sie nimmt das locker.

Anders ging es ihr allerdings bei der Fütterung der Lisztaffen, die nach der charakteristischen Frisur des gleichnamigen Komponisten benannt sind. "Lebende Heuschrecken in die Hand zu nehmen und sie an die Affen zu verfüttern, das hat meinen Puls doch etwas steigen lassen", sagt die Abgeordnete und lacht. Auch hinter dem Gorillagehege kann es einem mulmig werden. Dort sind die Tierpfleger durch Gitter von den Tieren getrennt. Damit die riesigen Affen aber auch drinnen genügend Auslauf haben sowie die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, können sie über vergitterte Hochwege spazieren und bewegen sich über den Köpfen der Menschen. Gorillamännchen Mapema schaut neugierig durch das Gitter, wer da zu Besuch kommt, und auch die jungen Gorillas - schon von stattlicher Größe - beobachten den Neuling von oben.

Dass die Tiere derart stark auf Menschen reagieren, hat Sarah Philipp bei ihrem Zoo-Praktikum überrascht. "Ich dachte, dass Tierpfleger für die Tiere eher im Hintergrund bleiben, ihnen das Fressen hinstellen und nicht weiter wahrgenommen werden. Aber die Tiere beobachten einen sehr genau."

Zu den Gorillas lassen die Zoomitarbeiter allerdings keine Laien hinein. Die Affen brauchen ihre gewohnten Menschen um sich, zu denen sie schon Vertrauen aufgebaut haben und die sie daher nicht als Bedrohung empfinden. Bei den Bärenstummelaffen ist der Umgang für unbekannte Personen einfacher. Auch das im Juli geborene Affenjunge scheint kaum Scheu zu haben. Es schaut zwischen den Beinen der Mutter hervor, springt dann vergnügt auf den Erdnusshaufen.

(RP)
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