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Duisburg: Leuchtende Fichte im Querformat

Duisburg : Leuchtende Fichte im Querformat

Das Lehmbruck-Museum zeigt eine "Moving-Image-Installation" (3,80 mal zwölf Meter) der finnischen Künstlerin Eija-Liisa Ahtila. Die Arbeit besteht aus 408 960 LED-Lampen. Die klarste Sicht hat man dabei von außen.

Einen solchen Blickfang gab es in einem Duisburger Museum wohl noch nie: Ab morgen ist die große Glashalle des Lehmbruck-Museums eine Schaufenster-Galerie. Eröffnet wird eine Ausstellung, die nur aus einem Werk besteht: Einer filmischen Installation, die eine Fichte in horizontaler Lage zeigt. Nicht ganz so groß wie in Wirklichkeit, aber immerhin im Format 3,80 mal zwölf Meter. Die 2011 realisierte Arbeit schuf die bedeutende finnische Künstlerin Eija-Liisa Ahtila (Jahrgang 1959), die im Jahr 2002 auf der Documenta in Kassel vertreten war und in bedeutenden Museen wie der Tate Modern in London oder dem MoMA in New York ausgestellt hat. In Deutschland waren einige ihrer Arbeiten zuletzt im K 21 in Düsseldorf zu sehen (2008).

"Horizontal" nennt Eija-Liisa Ahtila ihre "Moving-Image-Installation", die eine freistehende finnische Fichte zeigt. Die sechsminütige Filmschleife ist eine Sechs-Kanal-Projektion, folglich in sechs erkennbare Elemente unterteilt. Die Leuchtkraft der insgesamt drei Tonnen schweren Installation ist, wie gestern verraten wurde, 408 960 LED-Lampen zu verdanken.

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Man sieht, wie sich die Fichte auf der 50 Quadratmeter großen LED-Wand im Wind bewegt und auf unterschiedliche Weise von der Sonne beschienen wird. An unser Ohr dringt Vogelgezwitscher, aber auch das Rauschen der Lüfter. Die befinden sich in dem gigantischen technischen Apparat hinter der schönen Naturprojektion, der beim Gang um die Installation sichtbar ist. Die Technik fungiert gewissermaßen als Trägermaterial der Arbeit. Mit Mitteln der Kunst wird bei "Horizontal" Menschenwerk und Natur miteinander verbunden.

Die Künstlerin sagt selber über ihr Werk: "Die Arbeit ist das Porträt eines Baumes. Es ist die Aufnahme eines existierenden lebenden Organismus, oder vielleicht treffender, eine Präsentation der Schwierigkeit der Wahrnehmung und Aufnahme einer Fichte mit den von Menschen erfundenen Methoden der visuellen Dokumentation." Wobei noch zu ergänzen ist, dass die Fichte in Skandinavien weit verbreitet und gewissermaßen der Repräsentant der Naturlandschaft in Nordeuropa ist.

Wenn man im Museum die leuchtende Installation aus kurzer Distanz betrachtet, ist sie als Ganzes nur schwer zu erkennen; sie löst sich gewissermaßen in Pixelpunkte auf und verrät so, wie sie technisch realisiert wurde. Die klarste Sicht hat man außerhalb des Museums aus der Distanz, wobei der Standort unter einer Blutbuche, die etwa 30 Meter vor dem Museumseingang steht, der ideale zu sein scheint.

Die spektakuläre Installation, die gestern während der Pressevorbesichtigung von zahlreichen Passanten offenbar mit großem Wohlwollen betrachtet wurde, fügt sich in die Reihe der Jubiläumsausstellungen zum 50-jährigen Bestehen des Lehmbruck-Museums ein. Bei der Ausstellungsreihe mit dem Titel "Sculpture 21st" geht es auch darum zu zeigen, wie unterschiedlich der Begriff der Skulptur von Künstlern verstanden werden kann. Eija-Liisa Ahtila schuf ein besonders eindrucksvolles Beispiel.

Die Ausstellung wird am Samstag, 11. Oktober, 16 Uhr, in Anwesenheit der Künstlerin eröffnet. Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Ronja Friedrichs, die als kuratorische Assistentin an "Horizontal" mitwirkte, teilen sich nach einem Grußwort von Bürgermeister Volker Mosblech die Einführung.

Die Ausstellung (bis 9. November) wird gefördert von der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland, der Sparkasse Duisburg, dem zuständigen Landesministerium sowie ThyssenKrupp Steel und der Ensto Chago GmbH.

(RP)