1. NRW
  2. Panorama

Misshandlungen von Flüchtlingen: Flüchtlingsheime - so ist die Lage in der Region

Misshandlungen von Flüchtlingen : Flüchtlingsheime - so ist die Lage in der Region

Immer mehr Fälle von Misshandlungen durch private Sicherheitsdienste in Asylbewerbeheimen werden derzeit bekannt. In vielen Flüchtlingsunterkünften der Region betreibt die Stadt die Einrichtungen. Häufig kümmern sich auch Vereine oder engagierte Bürger um die Bewohner. Ein Überblick.

In NRW werden seit dem Wochenende immer mehr Misshandlungsvorwürfe in Flüchtlingsunterkünften laut. Nach Burbach soll es auch in Essen und Bad Berleburg Übergriffe gegeben haben. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln, bislang gibt es sechs Tatverdächtige. Hunderte Flüchtlinge werden noch befragt.

Die Misshandlungs-Fälle haben vielerort für Entsetzen und Empörung gesorgt. In Krefeld ruft das Bündnis für Toleranz und Demokratie für Donnerstag, 2. Oktober, 17 Uhr, zu einer Menschenkette am Hauptbahnhof auf. Die Krefelder sollen dort die Flüchtlinge willkommen heißen. Auch in Krefeld nimmt der Druck zu. 918 Flüchtlinge leben mittlerweile in Krefeld, erst am vergangenen Freitag kamen wieder 25 hinzu. Weil die Kapazitäten an vorhandenem Wohnraum kurzfristig nicht ausreichen, muss die Stadt jetzt zu Spontanlösungen greifen. Der Krefelder Rat hatte ein Konzept zur dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen vereinbart. Dieser Plan stößt nun an seine Grenzen, weil es kaum noch Privatpersonen gibt, an der Stadt Wohnungen anbieten. Am Wochenende teilte die Stadt mit, dass eine Sporthalle, die eigentlich von mehreren Sportvereinen und Schulen genutzt wird, ab sofort Flüchtlingsnotaufnahme werden soll. Zuvor hatte die Stadt schon eine leerstehende Schule zum Flüchtlingsquartier umgebaut.

In den Asylunterkünften in Mönchengladbach gibt es im Gegensatz zu den Heimen in Essen und Burbach keinen privaten Sicherheitsdienst. Übergriffe sind hier nicht zu befürchten. Doch die Gewalt der Menschen untereinander sei ein Problem, berichtet die "Initiative Geflüchtete Menschen".

In Duisburg wird nur am Zeltlager in Walsum ein privater Sicherheitsdienst eingesetzt. Doch der überwacht bislang keine Flüchtlinge, sondern nur die Zelte. "In den Asylunterkünften in Duisburg setzen wir städtische Hauswarte ein. Da gibt es keine privaten Sicherheitsleute", sagte Stadtdirektor Reinhold Spaniel auf Anfrage unserer Redaktion. Er leitet das Dezernat für Arbeit, Soziales und Sport. "Nur im Zeltlager in Walsum arbeitet ein privater Sicherheitsdienst. Der bewacht allerdings im Moment keine Flüchtlinge, sondern nur die Zelte, die seit dem Sommer leer stehen", sagte Spaniel weiter. "Sollten in das Zeltlager Flüchtlinge einziehen, würden Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes dort die Aufgaben eines Sicherheitsdienstes übernehmen", so Spaniel.

In Remscheid gibt es keine privaten Sicherheitsdienste. Solche Landeseinrichtungen wie in Burbach seien allein schon strukturell nicht vergleichbar mit städtischen Formen der Unterbringung, betont Bernhard Diehl, der als Sachgebietsleiter auch für die Flüchtlingsunterkünfte in Remscheid zuständig ist. Vielmehr würden die Flüchtlinge in städtischen Unterkünften von einem privaten Hausmeisterdienst eines gemeinnützigen Vereins und von Sozialarbeitern betreut.

In Solinger Übergangsheimen werden offenbar keine privaten Sicherheitsdienste eingesetzt. Die Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, Syrien, dem Irak, Eritrea oder Serbien, die in Solingen in Übergangsheimen oder aber in privaten Quartieren untergekommen sind und hier vorübergehend oder aber ganz eine neue Heimat suchen. Und es werden immer mehr: "Aktuell sind rund 950 Flüchtlinge in der Klingenstadt", sagt der städtische Pressesprecher Lutz Peters.

In Dormagen stellt sich die Situation wie folgt dar: 161 Flüchtlinge aus 31 Nationen leben augenblicklich in Dormagen (Stand 22. September 2014), davon 144 in den beiden Wohnheimen in Hackenbroich an der Elsa-Brändström-Straße und in Rheinfeld an der Rheinfelder-Straße. Im Neusser Asylheim wurde nach den Prügelvorwürfen der Sicherheitsdienst ausgewechselt.

Die ehemalige St.-Anna-Hauptschule Materborn und das Asylbewerberheim an der Stadionstraße sind die beiden Orte, an denen in Kleve Flüchtlinge untergebracht sind. Nach Angaben der Stadt Kleve wird hier jedoch kein privates Sicherheitsunternehmen eingesetzt. Hausmeisterdienste und andere technische Angelegenheiten regelt eine Tochtergesellschaft des Theodor-Brauer-Hauses. Das Theodor-Brauer-Haus ist Sitz des Berufsbildungszentrums im Kreis Kleve. In Materborn sind es aber auch Nachbarn, die sich um die Belange der Flüchtlinge einsetzen. Hier hatte sich ein Begrüßungskommittee gebildet, die Gemeinde wollte Flüchtlinge zu allen Festen einladen.

In der Gemeinde Kerken im Kreis Kleve wird das ehemalige Seminarhotel "Via Stenden" als "Zentrale Unterbringungs-Einrichtung" des Landes genutzt. In dem Gebäude, das der SPD in Nordrhein-Westfalen gehört, leben seit wenigen Tagen 200 Flüchtlinge. Betrieben wird die Unterkunft vom Deutschen Roten Kreuz. Doch auch hier patroulliert täglich eine handvoll privater Sicherheitsleute. Sie sollen die Asylbewerber beschützen, aber auch dafür sorgen, dass keine Waffen oder Drogen in die Unterkunft geschmuggelt werden. Da die Flüchtlinge eine Woche früher als geplant in Kerken ankamen, gibt es in der Unterkunft noch einige Übergangslösungen. Weil die Küche noch fertiggestellt werden muss, kommen die täglichen Mahlzeiten aus einer mobilen Küche. Die Vorräte lagern in einem Container vor dem Gebäude. Ansonsten bietet das ehemalige Tagungshotel eine umfangreiche Ausstattung mit Satelliten-Fernsehen, einem Fußball- und Basketballplatz. Die Bewohner fühlen sich laut Angaben eines Mitarbeiters der Bezirksregierung Arnsberg, die für Asylfragen in NRW zuständig ist, wohl. Aus der Bevölkerung kommen immer mehr Sachspenden.

 Ein Handy-Bild zeigt Misshandlungen.
Ein Handy-Bild zeigt Misshandlungen. Foto: Polizei

In Bedburg-Hau leben momentan 56 Flüchtlinge. Die Asylbewerber sind an zwei Standorten untergebracht. Die Familien wohnen in einem Haus der LVR-Landesklinik, die die Gemeinde angemietet hat. In einem Conainerdorf leben die alleinstehenden Männer. Beide Unterkünfte sind jedoch keine "Zentralen Unterbringungs-Einrichtungen" des Landes, die Bewohner wohnen hier also durchaus länger. Das war auch Anlass genug für die Gemeinde, die Container im Jahr 2013 zu renovieren. Die Gemeinde stellt in Bedburg-Hau einen Hausmeister, der sich um die Gebäude und die Bewohner kümmert. Dazu gibt es einen Initiativkreis, der Ansprechpartner für die Flüchtlinge ist und Spenden organisiert.

Hier geht es zur Infostrecke: So viele Flüchtlinge mussten die Städte 2014 neu aufnehmen