Duisburg: Kamamerkonzert erinnert an Johann Georg Reutter

Kammerkonzert : Haydns unbekannter Entdecker gefeiert

Im Kammerkonzert in der Philharmonie Mercatorhalle überzeugten die Sopranistin Hana Blaziková und das Barockensemble nuovo aspetto. Zu hören waren durchaus ohrwurmverdächtige Melodien.

Viele Menschen kennen die Geschichte, dass Joseph Haydn im zarten Alter von sieben Jahren als Sängerknabe in Hainburg an der Donau von dem auf einer Dienstreise vorbeikommenden Hofkapellmeister entdeckt wurde, der ihn sofort zur musikalischen Ausbildung nach Wien mitnahm. Aber wie „Haydns Entdecker“ hieß und wie er selbst komponierte, wissen die wenigsten. Diese Wissenslücke füllte jetzt das jüngste, zweite Duisburger Kammerkonzert in der Philharmonie Mercatorhalle. Im Mittelpunkt standen Arien und Instrumentalsätze von eben jenem Johann Georg Reutter (1708-1772).

Das Barockensemble nuovo aspetto widmete sich somit hier dem selben Komponisten, dem 2011 seine erste CD-Einspielung galt. Christian Binde und Jörg Schultess (Horn), Helena Zemanová und Frauke Pöhl (Violine) Corina Golomoz (Viola), Elisabeth Seitz (Salterio, also Hackbrett), Johanna Seitz (Harfe), Michael Dücker (Laute und Mandoline), Ulricke Becker (Violoncello und Baryton), Francesco Savignano (Wiener Bass) und Luca Quintavalle (Cembalo) lieferten sanfte und fein aufeinander abgestimmte Klänge, die zugleich das handfest Direkte der zum Teil ziemlich ohrwurmverdächtigen Melodien zeigten. Die damalige höfische Musik sollte eben sowohl unterhaltsam als auch erhaben sein, was auch den heutigen Ohren entgegenkommt. Es ging gleich los mit der namensgebenden Arie „Dal nostro nuovo aspetto“ („Am neuen Anblick“) für Sopran, Salterio, Streicher und Basso continuo aus Reutters Oper „Alessandro il Grande“ („Alexander der Große“, 1729). Francesco Savignano, in unserer Stadt bestens bekannt als Mitglied der Duisburger Philharmoniker, fungierte als souveräner Solist im Konzert D-Dur für Kontrabass, zwei Hörner, Streicher und Bass des gebürtigen Wieners Karl Kohaut (1726-1784).

Natürlich war auch Joseph Haydn selbst im Programm vertreten, vor allem mit zwei kuriosen Arrangements nach Sinfoniesätzen. Aus dem langsamen Satz der Sinfonie Nr. 54 „L´impériale“ machte ein gewisser Henri Compan für ein Schauspiel namens „L‘inconséquente ou Le Fat dupé“ das reizende Lied mit Harfenbegleitung „Je ne vous disais point: j‘aime“. Die übermütige, aus einer Schauspielmusik entstandene Sinfonie Nr. 60 „Le Distrait“ („Der Zerstreute“, 1774), erhielt noch in Haydns Todesjahr 1809 durch den Salzburger Kirchenmusiker Meingosius Gaelle eine Kammermusikfassung für Harfe, Violine, Viola und Bass - in Duisburg wurden die scheinbaren „Pannen“ drastisch auf die Spitze getrieben und als Überraschungseffekt die beiden Hörner aus dem Original stellenweise wieder hereingeholt. Haydns Bearbeitung des walischen Trinklieds „The Inspired Bard“ vereinte hier das gesamte Ensemble.

Ein besonderer Pluspunkt des Abends war die junge Star-Sopranistin Hana Blaziková mit ihrer klaren und stilsicheren Stimme sowie nicht zuletzt ihrer jugendlich-rührenden Bühnenpräsenz. In der Arie „Dei colli nostri“ („Von unseren Hügeln“) für Sopran, Mandoline (die damals noch eine Sopranlaute war), Harfe, Baryton (ein tiefes Streichinsturment mit zusätzlichen Resonanzsaiten) und Basso continuo aus der Oper „Il trionfo dell‘amizia e dell‘amore“ („Der Triumph von Freundschaft und Liebe“, 1711) des Wiener Hofkomponisten Francesco Bartolomeo Conti (1681-1732) griff die Sängerin sogar selbst zu einer kleinen Harfe.