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Wehrhahn-Anschlag: Mithäftling belastet den Angeklagten schwer

Anschlag in Düsseldorf : Mithäftling belastet Angeklagten im Wehrhahn-Prozess schwer

Ein weiterer Mithäftling des Angeklagten behauptet, der habe ihm den Anschlag am S-Bahnhof gestanden. Ralf S. soll ihm auch ein Attentat auf den Staatsanwalt angekündigt haben, sagte der Zeuge am Montag im Gericht.

Am 32. Verhandlungstag gegen Ralf S., dem zwölffacher Mordversuch aus Fremdenfeindlichkeit vorgeworfen wird, hat am Montag ein ehemaliger Mitgefangener ausgesagt. S., der im Mai aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, habe ihm im Winter beim gemeinsamen Hofgang erzählt, der Anschlag sei anders ausgegangen als geplant. „Eigentlich sollten alle draufgehen“, habe S. gesagt und auf den Hinweis des Zeugen, bei der Explosion habe doch eine Frau ihr ungeborenes Kind verloren, soll er geantworte haben: „Das nennt man dann wohl gelungene Euthanasie“.

Der Zeuge, der im vergangenen Herbst bei einer Geiselnahme in Krefeld festgenommen wurde, hatte sich bei den Anklägern gemeldet, als S. auf freien Fuß gesetzt wurde. Bis dahin hatte er das Geständnis für sich behalten wollen, nun aber gedacht, dass seine Aussage für das Verfahren von Bedeutung sei. Bei seinem ersten Auftritt im Gericht allerdings hatte er geschwiegen, sogar eine Beugehaft in Kauf genommen, aus Angst vor dem Angeklagten. Denn der habe nicht nur den Sprengstoffanschlag gestanden, sondern ihm auch klipp und klar gesagt: „Jeder, der für den Staatsanwalt arbeitet, wird fallen.“

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„Propaganda-Phase gestartet“

Den Staatsanwalt selbst soll S. als Juden bezeichnet haben, der von der Jüdischen Gemeinde gedeckt werde. Die schleuse ohnehin Juden ein, um Deutschland zu unterwandern. Und gegen den Staatsanwalt habe er bereits im Internet eine „Propaganda-Phase“ gestartet, mit dem Ziel, möglichst viele Menschen dazu zu bringen, den Ankläger zu diffamieren. Wenn dem dann etwas passiere, „könnte es jeder gewesen sein.“ Er habe, sagte der Zeuge, „nie zuvor einen so kalten, berechnenden Menschen kennengelernt“ wie den Angeklagten, und er sei sicher, dass der die Ermordung des Staatsanwaltes plane.

Dass S. sich dem Zeugen anvertraute, habe wohl zwei Gründe gehabt: Zum einen seien die meisten Mitgefangenen Ausländer gewesen. Und zum anderen trägt der Zeuge ein Hakenkreuz auf der Haut. Dass die Tätowierung aus einer anderen Zeit stammt, er mit der rechten Szene schon lange nichts mehr zu tun habe, das habe er S. zwar immer wieder gesagt. Doch der habe ihn nicht ernst genommen – bis zum seinem angeblichen Geständnis im Gefängnishof. „Danach ist ihm wohl bewusst geworden, was er mir gesagt hatte“, vermutet der Zeuge. Denn tags darauf habe S. sein Verhalten geändert, habe die Mitgefangenen gegen ihn aufgehetzt und jedem erzählt, der Zeuge sei vom Staatsanwalt beauftragt, ihn, S., zu töten. Am Ende habe der Zeuge derart unter der Atmosphäre gelitten, dass er nur einen Suizidversuch als Ausweg sah. Danach kam er ins Krankenhaus, und als er zurück in die JVA kam, hatte das Schwurgericht S. auf freien Fuß gesetzt.

„Jüdische Verschwörung“

Erst nachdem der Zeuge in eine andere Haftanstalt verlegt wurde, war er bereit, mit der Polizei und nun auch vor Gericht zu sprechen. Die Verteidigung hat arge Zweifel an seinen Aussagen. Denn der drogenkranke Mann hatte auch erzählt, S. habe ihn womöglich mit einem Medikament zu vergiften versucht. Doch die Herzbeschwerden, die er danach hatte, habe er niemandem gemeldet, aus Angst, man könne ihm nicht glauben. Und auf einem der vielen Zettel in seiner Zelle hatte er S. sogar geschrieben, dass er mit einem Mordauftrag des Staatsanwalts ins Gefängnis gekommen sei. „Du hattest Recht, es ist eine jüdische Verschwörung gegen dich“, stand darauf. Den habe er geschrieben, als er versucht hatte, sich umzubringen, sagte der Zeuge. „Ich wusste ja, dass er paranoid ist, da wollte ich ihm einen mitgeben.“ Doch als er sich die Sache mit dem Selbstmord anders überlegt hatte, habe er den Zettel nicht weitergegeben, sondern versteckt.

S. schildert seine Bekanntschaft mit dem Zeugen freilich andersherum. Der sei zum Islam „kompensiert“, gehöre zu IS und Taliban und rede nur von Drogen. Gestanden habe er ihm gar nichts, schließlich „habe ich mit dem beknackten Wehrhahn nichts zu tun“, sagte S. aggressiv. „Der Staatsanwalt jagt einen Geist.“ Er plane  nicht den Ankläger zu töten. Aber „wir werden keine Freunde. Er sollte sich bei mir entschuldigen. Er hat mir alles kaputt gemacht“, erklärte S., nachdem seine jüngsten Tiraden aus dem Internet  vom Gericht verlesen worden waren. 

Der Prozess  wird am Donnerstag mit den Plädoyers fortgesetzt.

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