Oberkassel: Eine Oase auf 1200 Quadratmetern

Oberkassel: Eine Oase auf 1200 Quadratmetern

Landschaftsgärtner Martin Theis hat sich am Kaiser-Wilhelm-Ring einen Hinterhofgarten eingerichtet.Abgewandt von der verkehrsreichen Straße genießt er seine "Insel der Ruhe".

Die Vögel zwitschern, der Vierbeiner mit Namen "Frieden" liegt friedlich unter einem Strauch und eine bequeme Liege lädt zum Verweilen ein - der Hinterhof-Garten am Kaiser-Wilhelm-Ring präsentiert sich wie eine Insel der Ruhe. "Das ist pure Entspannung in der Natur. Vom Lärm auf dem verkehrsreichen Kaiser-Wilhelm-Ring oder von der anderen Rheinseite ist nichts hier zu hören", sagt Landschaftsgärtner Martin Theis.

Obwohl das Sturmtief Ela 2014 einige Lücken geschlagen hat, ist die rund 1.200 Quadratmeter große Grünfläche gut beschattet. Das allerdings hat dem Rasen nicht so gutgetan und deshalb hat Theis die Bodenfläche seines Gärtchens komplett mit Rindenmulch bedeckt, "weil die Zusammensetzung des Bodens ganz wichtig ist", wie er weiß. Wenn er zu lehmig und damit zu dicht sei, sollte er aufgelockert werden. Zum Beispiel mit Sand, der eingearbeitet wird und den Boden durchlässiger mache. Aber auch das Einarbeiten von Ton-Mineralien oder Steinmehl könne helfen.

In seinem Hinterhof-Garten hat Theis allerdings zusätzlich noch mit anderen Problemen zu kämpfen. "Beim Graben kommen Scherben und Trümmer zum Vorschein, Erinnerungen an den Krieg." Grundsätzlich aber findet der auf dem Land im Oberbergischen geborene Gärtner und Künstler, dass er gern in der Stadt lebe, "weil hier mehr los ist". Aber auch Vögel und Insekten fühlen sich inzwischen in der Stadt wohler, als auf dem Land. "Die ökologische Dichte ist höher und der besiedelte Raum weist in vielen Fällen eine größere Artenvielfalt auf als die Agrarflächen. Und auch Pflanzen gedeihen, vermehren sich oft ganz von allein."

So sind im Gärtchen viele Arten heimisch geworden wie Enkianthus (Prachtglocke), ein zehn Jahre alter Bambus, der blütenreiche Fliederbusch, die üppigen Farne, der auch als Hecke beliebte Kirschlorbeer, das Efeu als Bodendecker, Rosen, die sich zur Sonne strecken oder der schnellwachsende oft ausufernde Knöterich. Alles müsse im Blick behalten und von Zeit zu Zeit beschnitten werden. "Die Wege bleiben frei und der Bambus beispielsweise braucht Grenzen, sonst überwächst er selbst die in meinem Garten endende Fluchttreppe", sagt Theis. Bei ihm wachsen auch süße Wilderdbeeren, die genascht werden dürfen: "Hier findet der Fuchs keinen Zugang und damit auch nicht der gefürchtete Fuchsbandwurm."

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Ein Stadtgarten kann aber auch zum Gemüsegarten werden. Ob Bohnen, Kohl, Kartoffeln, Zucchini, Tomaten und alle Gewürze - sie gedeihen ebenso im Garten wie auf einem Balkon in Töpfen mitten in der Stadt. Theis: "Wie ein Garten angelegt werden soll, bleibt ganz dem Nutzer überlassen. Das ist ein unerschöpfliches Thema - soll es ein reiner Staudengarten werden, alles eher wild und natürlich wachsen oder in abgezirkelten Beeten." Er liebe es, seine Kunstwerke - Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien - zwischen Pflanzen, Sträucher und Bäume in seinem Garten zu setzen.

Denn der Gärtner und Künstler liebt das Natürliche, "die verwilderte Verbindung" und versucht sich auch an eigenen Bonsai-Züchtungen. Dazu hat er unter anderem Mispel-Rohlinge in Töpfe gesetzt und mit Draht umwickelt die gewünschte Richtung gegeben. Auslöser für diesen Versuch sind ein Ginkgo und eine Kastanie, die als Riesenbonsai in tönernen Töpfen dem Gartenliebhaber schon einige Jahre Freude machen.

Aber eins steht fest: Ob Garten oder Balkon - Wasser brauchen die Pflanzen immer. Allerdings sagt Martin Theis: "Wenn sie im Gartenboden stehen, passen sie sich an - auch wenn weniger gegossen wird."

(RP)