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Am 20. Januar 1920 richtete ein Hochwasser in Düsseldorf Kaiserswerth großen Schaden an.

Hochwasserschutz in Düsseldorf : Als das Wasser Kaiserswerth überflutete

Vor 100 Jahren richtete ein Hochwasser großen Schaden an. Mehrere Tage war das Boot das einzige Fortbewegungsmittel.

Die Kaiserswerther wissen, dass das Leben am Rhein nicht nur schöne Seiten haben kann. Denn im Laufe der Jahrhunderte ist der Fluss immer wieder über die Ufer getreten und hat den historischen Ortskern überschwemmt. Erinnerungstafeln am Herbert-Eulenberg-Weg an der Rheinuferpromenade erinnern an die stärksten Fluten. Belegt sind etwa Hochstände von über elf Metern aus den Jahren 1795 und 1784 und vom 17. Januar 1920, als der Pegelmesser 10,89 Meter anzeigte.

Um dem Wasser zu entgehen, verlegten die Diakonissen in den 1880er Jahren ihre Verwaltung und das Krankenhaus auf den Fronberg. Durch Eindeichung wurde versucht, den Ort vor Hochwasser zu schützen. „Dies ist allerdings keine optimale Lösung, da auf Hochwasser mit einer gewissen Zeitverzögerung das Grundwasser hochsteigt“, schreibt Bruno Bauer im Wittlaer Jahrbuch 2020. Das geschah genau vor 100 Jahren am 17. Januar 1920. Das Grundwasser stieg rasant an und überflutete den ganzen Ort. In manchen Straßen stand das Wasser zwei Meter und in manchen Gebäuden mehr als ein Meter hoch und verursachte große Schäden. Verschont blieben nur die Häuser auf den Wällen und Erhebungen rund um Kaiserswerth. Das einzige Fortbewegungsmittel waren für einige Tage Boote und selbst gebaute Flöße.

„Die alten Gebäude haben starke Beschädigungen erlitten. Das Grundwasser quoll so stark hervor, dass teilweise die Fußböden hervorgehoben wurden“, schrieb der damalige Bürgermeister Ludwig Rißdorf in einem Brief an die Kreisverwaltung. Der Schaden wurde auf eine Millionen Mark geschätzt, für damalige Zeiten eine sehr hohe Summe, weshalb der Bürgermeister auch die Kreisverwaltung um Hilfe für die Bevölkerung bat.

Nach dem Abfließen des Hochwassers bot die Stadt einen ziemlich trostlosen Anblick, wie der Bürgermeister schriftlich festhielt. Große Schlammmassen bedeckten das Pflaster, Kartoffeln und Kohlen aus den Kellern und Haushaltsgegenstände lagen überall verstreut herum. Die Schlammberge mussten mühselig mit Fuhrwerken abgefahren und die Straßen mithilfe von Schläuchen der Feuerwehr gereinigt werden.

Bereits sechs Jahre später kam es für die Kaiserswerther, aber auch für andere Düsseldorfer Stadtteile, sogar noch schlimmer. Am 2. Januar 1926 erreichte der Rheinpegel den bisherigen Höchststand seit Beginn der amtlichen Messungen. In der Altstadt zeigte die Pegeluhr damals 11,10 Meter an. In Kaiserswerth standen einige Häuser bis zu den oberen Etagen unter Wasser. So schlimm wurde der Ort danach nie mehr heimgesucht. auch wenn es in der Nachkriegszeit noch sechsmal zu Hochwasser kam, der Pegel über zehn Meter stieg. Die Fluten drangen aber nicht mehr in die Gassen, da dicke Holzbalken das Wasser zurückhielten, welches an der Sperre teilweise einige Tage bedrohlich entlangfloss. Allerdings sorgte weiterhin das Grundwasser für Probleme, wie der Hobby-Historiker Franz-Josef Vogel in einem Bericht zum Hochwasser von 1995 festhielt. „Durch den hohen Wasserstand stieg auch der Grundwasserspiegel an und in den historischen Kellern ohne Isolierung mussten Pumpen das Absaufen moderner Heizungsanlagen verhindern.“

In Düsseldorf und somit auch in Kaiserswerth kam es zuletzt 2018 zu einem Hochwasser, welches in zwei großen Wellen verlief. Der Höchststand lag bei rund 8,30 Metern. Der Schiffsverkehr auf dem Rhein kam auf einem Abschnitt von rund 180 Kilometern weitestgehend zum Erliegen. Zahlreiche Schaulustige zog es an die Rheinuferpromenade, um das mächtige Naturschauspiel zu beobachten.