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Seelsorge-Spaziergänge in Düsseldorf: „Ein Hund tut der Seele gut“

Seelsorge-Spaziergänge in Düsseldorf : „Ein Hund tut der Seele einfach gut“

Christina von Bennigsen, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde in Düsseldorf-Gerresheim, bietet Seelsorge-Spaziergänge an – gemeinsam mit Hund Ferra. Das hat beide im Stadtteil bekannt gemacht.

Wenn es dienstags regnet, stört das weder Hund Ferra noch seine Besitzerin Christina von Bennigsen. Denn an diesem Tag stehen die besonderen Seelsorge-Spaziergänge der Pfarrerin auf dem Programm, und diese weiß, dass auch bei Regen Menschen zum Gespräch beim Hunde-Spaziergang erscheinen. „Und Ferra liebt Regen sowieso“, sagt die Pfarrerin.

Die Idee, Seelsorge-Spaziergänge mit Ferra anzubieten, kam vor einigen Wochen: „Ich habe in den letzten Monaten ein starkes Bedürfnis nach Seelsorge wahrgenommen“, sagt von Bennigsen. Das habe sie auch gesehen, als sie das Angebot für die Spaziergänge zum ersten Mal veröffentlichte: Innerhalb weniger Stunden kamen mehrere Anfragen.

Die gemeinsamen Spaziergänge bieten einen niedrigschwelligen Ansatz für Seelsorgegespräche: „Für die Leute ist das manchmal so leichter – die Pfarrerin geht mit dem Hund spazieren und sie gehen einfach mit.“ Ferra ist „eine gute Seele und freundlich zu jedem“, das lockere die Atmosphäre auf. Bei den Spaziergängen wird oft gespielt, gestreichelt und gelacht – manchmal sei es dann einfacher, auch über schwierige Themen zu sprechen.

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Die Menschen, die sich auf einen Spaziergang mit Pfarrerin und Hund treffen, sind „bunt gemischt“, kommen aus allen Altersgruppen und mit verschiedenen Anliegen: Einige fühlen sich einsam und suchen Kontakt, andere haben seelsorgerische Fragen oder möchten einfach nur über Gott oder die Kirche sprechen. „Es gibt auch welche, die kommen nur wegen des Hundes“, sagt von Bennigsen und lächelt. Manchmal entwickelt sich auf diesen Runden dann dennoch ein seelsorgerisches Gespräch. Aber auch ein lockerer Austausch ist für die Pfarrerin wichtig: „So lerne ich die Menschen kennen, und sie wissen, dass sie zurückkommen können, wenn ihnen etwas auf der Seele liegt.“

Menschen in der Gemeinde kennenzulernen, war für von Bennigsen eine weitere Motivation, die Spaziergänge anzubieten: Sie kam im letzten Sommer ins Pfarrteam – mitten in der Corona-Pandemie. Deswegen konnte sie viele Gemeindemitglieder noch nicht persönlich treffen. Durch die Spaziergänge habe sie die Möglichkeit, in den Austausch mit den Mitgliedern zu gehen: „Jetzt kann ich wieder dem Kern meiner Arbeit nachgehen, nämlich für Menschen da zu sein.“

Ein zusätzlicher Pluspunkt der Spaziergänge für Christina von Bennigsen: Sie lernt immer mehr Ecken von Gerresheim kennen. Wer sich mit ihr für einen Spaziergang verabredet, kann selbst entscheiden, wie die Route aussieht: „Viele haben auch Spaß daran, der neuen Pfarrerin ihren Stadtteil zu zeigen.“ Andere Orte in der Stadt sind ihr allerdings schon bekannt. Denn die gebürtige Neusserin hat sieben Jahre lang als Küsterin in der evangelischen Christuskirche in Oberbilk gearbeitet. Ihre praktische Ausbildungszeit machte sie in Oberkassel, ihren Probedienst in der Mirjam-Kirchengemeinde.

Gerade widmet sich von Bennigsen den Spaziergängen sehr intensiv, das gehe nur, weil durch die Corona-Pandemie vieles andere ausfalle. Bis zu den Sommerferien bietet sie die Spaziergänge zu einem festen Termin jeden Dienstag an. Danach möchte sie das Angebot aufrechterhalten, „aber dann eher auf Wunsch“. Die Spaziergänge haben sie in der Gemeinde bekannt gemacht – das liegt vor allem an Ferra. Inzwischen wird sie oft erkannt und angesprochen: „Ich werde hier wahrscheinlich auf alle Ewigkeit die Pfarrerin mit Hund sein.“