Düsseldorf : Wenn Trauer um ein Kind eine Ehe vergiftet

Der Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses inszeniert das Ehedrama "Gift" von Lot Vekemans.

Welchen Unterhaltungswert Ehedramen besitzen, haben Autoren wie Edward Albee mit "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" oder Yasmina Reza mit dem "Gott des Gemetzels" bewiesen. Wer sich mal geliebt hat, weiß, wie er den anderen verletzten kann; er kennt die gescheiterten Hoffnungen und Lebenslügen. Das ist im Kriegsfall entscheidend. Und so sind gute Ehedramen psychologische Duelle, die man mit sportlicher Spannung und leisem Schauer ob der Gnadenlosigkeit gekränkter Menschen verfolgt.

Die niederländische Autorin Lot Vekemans ist weniger zynisch. In ihrem Ehedrama "Gift" weidet sie sich nicht am Vernichtungspotenzial enttäuschter Liebe. Ihr Stück ist dunkler grundiert, ernsthafter, aber auch behäbiger. Das Paar in ihrem Drama hat ein Kind verloren, Jakob starb nach einem Unfall. Die Mutter versinkt in Schmerz, lässt den Nihilismus des Daseins über sich zusammenschlagen. Und als ihr Mann die Koffer packt und dem Leidenswettkampf daheim entflieht, kommt auch noch die Bitterkeit der Verlassenen hinzu. Nach zehn Jahren treffen die beiden einander wieder - auf dem Friedhof. Jakob soll umgebettet werden. Alter Schmerz kommt ans Tageslicht und neue Bitterkeit: Er hat sich neu verliebt.

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Bei Beelitz spielt dieses Drama auf Friedhofsbänken am Rande eines welken Feldes mit Blumenabfällen. Auf diesem Kompost der Gefühle gibt Karin Pfammatter die anfangs arg verlegene Ehefrau, die abrechnen will, aber auch noch liebt. Im Laufe des Abends gönnt sie ihrer Figur mehr Selbstbewusstsein, arbeitet sich aus der Opferrolle heraus und zeigt mit Andreas Grothgar mehr in einem Duett als im Duell, wie zwei Menschen Enttäuschung, Vorwürfe, Hader überwinden, wenn sie Schicksal akzeptieren. Beelitz inszeniert das feinfühlig, setzt ab und an Musik ein, überlässt das Spielfeld ansonsten den Darstellern.

Vekemans "Gift" hat nicht den Biss einer Reza, aber es erzählt weise und menschlich von zwei Menschen, die lernen, dass sie neu beginnen müssen. Jeder auf seine Art.

Karten und Termine: www.duesseldorfer-schauspielhaus.de

(RP)