Fotografien von Thomas Rabsch in Düsseldorf: Von Lang Lang bis Lady Gaga

Fotografien von Thomas Rabsch : Von Lang Lang bis Lady Gaga

Das Schauspielhaus widmet dem Fotografen Thomas Rabsch eine Ausstellung. Gezeigt werden Bilder von Schauspielern und Musikern.

Wer hat Angst vor Blixa Bargeld? Alle Fotografen. Bis auf einen. Thomas Rabsch sah an einem denkwürdigen Tag, wie ein Kollege schweißgebadet aus der Foto-Session mit dem Sänger der Rockband Einstürzende Neubauten kam. Dann war er an der Reihe und schlug Blixa ungerührt eine neue Location vor. „Erst schnauzte er mich an, dann ging er mit und fand es cool“, erzählt Thomas Rabsch. „So cool, dass er mich weiterempfahl.“

Damit wurde der Fotograf vor 20 Jahren als Spezialist für harte Jungs bekannt. Blixas Band fotografiert er bis heute. Genau wie die Beastie Boys oder Rammstein. Wie er das geschafft hat? „Keine Ahnung. Der Respekt war immer sofort da“, sagt Rabsch. „Anfangs nahm ich meine Mappe mit, aber die interessierte keinen. Die wollten alle gleich loslegen und haben sich hinterher ganz höflich bedankt.“

Mit der gleichen Leidenschaft erarbeitet der Absolvent der Essener Folkwang-Schule große Reportagen für „Stern“ und „Geo“, begleitet die berühmten „Ohne Worte“-Interviews für das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ und setzt für die Rubrik „Ich habe einen Traum“ die Visionen Prominenter um. Seit drei Spielzeiten fotografiert Thomas Rabsch auch intensiv für das Düsseldorfer Theater. Seine originellen Schauspieler-Inszenierungen machen das Blättern im Spielzeitheft zum optischen Vergnügen. Rabsch-Portraits schmücken das Treppenhaus im Central, und auch viele Fotos in den Programmen stammen von ihm.

Nun sind seine Bilder in der Ausstellung „All Eyes On Me“ zu sehen, zu der Schau auf der Brücke im Central regten ihn Dramaturg Robert Koall und Schauspielhaus-Sprecherin Martina Aschmies an. Drei Dutzend großformatige Fotos auf beiden Seiten des über 30 Meter langen Foyers erzählen von Thomas Rabschs Begegnungen mit Rockbands, Popstars und klassischen Künstlern wie dem Pianisten Lang Lang, bei dem aus einer geplanten kurzen Session mit fünf Zuhörern ein dreistündiges Konzert wurde. „Bei der Auswahl der Bilder griff ich wohl unbewusst zu denen, die für mich mit einer Geschichte verbunden sind“, sagt Thomas Rabsch.

Da springt einem der tätowierte Till Lindemann von Rammstein entgegen, schwarz-weiß und irgendwie monströs. Man sieht jede Pore, jedes Härchen. Unweit davon blickt die zarte französische Schauspielerin Julie Delpy mit verdrehten Augen gen Himmel. Fotograf Rabsch wird deutlicher: „Sie schielt – mit voller Absicht.“

Intime Nähe herstellen, Leichtigkeit vermitteln und trotzdem ein Geheimnis bewahren, das ist sein Ziel. Intendant Wilfried Schulz überzeugten die Arbeiten von Thomas Rabsch, er war auch der Erste am Schauspielhaus, der sich von ihm fotografieren ließ. „Und dann ging es Schlag auf Schlag“, erinnert sich Rabsch. „Ich wusste, dass manche Schauspieler vor der Sitzung schlaflose Nächte hatten. Jeder möchte gut rüberkommen. Ein Fotograf ist zunächst mal ein Hassobjekt.“

Seine Schnelligkeit, ein notwendiges Rüstzeug für Reportagen, in denen Situationen blitzartig erfasst werden müssen, erleichtert Rabsch den Zugang. „Manche Bilder wirken wie Schnappschüsse. Ich will die Schauspieler nicht nur schön zeigen und ihnen schmeicheln. Der Betrachter soll Lust verspüren, die Menschen auf den Fotos kennenzulernen“, erklärt er seine Arbeitsweise. „Ich bin glücklich, wie bereitwillig das Ensemble mitzieht. Die sind alle total geerdet, ganz anders als die meisten Fernseh-Schauspieler.“

Im Reigen der Superstars auf der Brücke sticht Lady Gaga besonders heraus. Sie trägt eine leuchtend blaue Jacke mit metallischem Schimmer und Netzstrümpfe. Den Körper zur Seite gebogen, drückt sie sich eng an einen offenen Schrank, in dem Kleiderbügel baumeln. „Sie mochte das Motiv und war ganz locker“, erzählt der Fotograf. Nur über die eigenwilligen Begleiterscheinungen im Kölner Hotel Maritim in Köln habe er sich gewundert. „Ihre Entourage bestand aus etwa zwölf Leuten. Jemand hatte beschlossen, ich solle nur ihr Gesicht fotografieren. Das wollte ich aber nicht“, erzählt Rabsch. Als er Lady Gaga aufforderte, die Augen zu öffnen, tat sie es. Erneut kam Protest – man habe das Make-up extra für geschlossene Augen gemacht. „Mir war schleierhaft, wo da der Unterschied sein sollte“, sagt Rabsch. „Die haben in Amerika ein krauses Obrigkeitsdenken. Anweisungen von höher gestellten Personen werden blind befolgt. Mir ist das völlig fremd“, sagt er. „Hier steht keiner über mir.“

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