Düsseldorf: Kirmes-Abbau versinkt im Schlamm

Düsseldorf : Kirmes-Abbau versinkt im Schlamm

Nach dem Starkregen gestern Morgen räumten die Schausteller die Festwiese unter erschwerten Bedingungen. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz. Auch bei sich selbst: In der Wache an der Münsterstraße hatte der Blitz eingeschlagen.

In gelber Regenjacke steht Hans-Otto Schäfer auf der Festwiese in Oberkassel. Seine Füße stehen zentimetertief in der matschigen Erde, während er den Abbau seines Fahrgeschäfts "Shake & roll" fest im Blick hat. "Diesmal hatten wir auf der Kirmes wirklich alle Extreme", sagt der Schausteller aus Unna. Erst die Fußball-WM mit Deutschland als Weltmeister, die sich negativ auf die Besucherzahlen ausgewirkt hatte, dann die große Hitze; nun zum Abschied ein Gewitter mit so starkem Regen, dass der Abbau im Schlamm versinkt. "Dadurch dauert alles länger", sagt Schäfer. "Und auf dem nächsten Platz müssen wir alles gründlich putzen." Der nächste Platz ist die Cranger Kirmes, mit der die Düsseldorfer Veranstaltung einen Wettbewerb der Größe pflegt.

Der Tunnel an der Theodor-Heuss-Brücke war überflutet und musste zeitweise gesperrt werden. Foto: Oliver Havlat

Die Stimmung ist auch bei anderen Schaustellern verhalten. Ein paar Meter weiter tröstet man sich mit Gulaschsuppe, bevor die Abbauarbeiten weitergehen. Trotz der Widrigkeiten geht es rasch voran: Dem Riesenrad fehlen Gondeln und einige Streben, von der "Alpenwelt" zeugen nur noch die runden Zeltdächer, vom "Flasher" steht nur noch der Rumpf. Zumindest Einsätze der Feuerwehr waren auf dem Kirmesgelände nicht nötig.

Dafür umso mehr im Rest der Stadt. 70-mal mussten die Wehrleute nach dem morgendlichen Gewitter mit Starkregen ausrücken. Am spektakulärsten war sicherlich der Einsatz in eigener Sache: In ein Gerüst an der Feuer- und Rettungswache an der Münsterstraße hatte der Blitz eingeschlagen. "Uns ist der Schreck ganz schön in Knochen gefahren", sagt Einsatzleiter Jörg Mihm. Schaden hat der Blitz jedoch nicht angerichtet. Dafür mussten die Wehrleute bei sich selbst rund 100 000 Liter Wasser aus dem Keller pumpen.

Dieses Bild bot sich an Dutzenden Stellen der Stadt, denn die Notrufe gingen nahezu im Sekundentakt ein - meist wurden vollgelaufene Keller gemeldet. So auch bei dem Lokal "Schweinske" an der Ecke Mertensgasse/Bolkerstraße, bei einer Bäckerei in der Altstadt, im Gebäudetrakt von Portigon (ehemals WestLB) in Bilk sowie an der Heinrich-Heine-Universität. Der Derendorfer Tunnel in der Nähe der Theodor-Heuss-Brücke musste zeitweise wegen Überschwemmung gesperrt werden, auch der Werstener Tunnel war betroffen. Im morgendlichen Berufsverkehr kam es zu Behinderungen. In einem Wohn- und Geschäftshaus in der Altstadt kam es durch eindringendes Wasser zu einem Kurzschluss und Kabelbrand. Der Schaden blieb jedoch gering.

(RP)