Düsseldorf: 11.11. - der Tag, an dem Köln besser ist

Düsseldorf : Der 11. 11. - der Tag, an dem Köln besser ist

In den beiden Karnevalshochburgen am Rhein beginnt der Karneval gleichzeitig, aber unterschiedlich intensiv. Die Kölner sind sofort auf höchster Drehzahl, Düsseldorf muss vorglühen. Dafür ist die hiesige Hoppeditz-Rede einmalig.

Schlecht war das Wetter gestern sowohl in Köln wie in Düsseldorf - aber Regenschirme sieht man beim Karnevalsauftakt nur in der Landeshauptstadt. Der Grund ist ein ganz simpler: Die Kölner haben keine Hand frei, sie brauchen entweder beide Arme zum Schunkeln mit den Nachbarn oder weil sie gerade "Die Hände zum Himmel" singen.

. . . . aber die Kölner (hier auf dem Heumarkt) sind beim Feiern echte Meister. Foto: Rolf Vennenbernd

Oft auch andere, hausgemachte Lieder von so legendären Gruppen wie Höhner, Paveier, Bläck Fööss oder einer gewissen Marie-Luise Nikuta, dem Mensch gewordenen Stimmungslied auf Beinen, wie nur Köln es auf die Welt bringen kann und die dort jedes Kind kennt.

Köln, Düsseldorf und der Karneval - wenn es eine Lücke zwischen diesen Städten geben sollte (manche schließen das nicht aus!), dann klafft sie hier. Denn: Beim Karnevalfeiern sind die Kölner besser, allerdings nur in Teilen.

Gestern war so ein Teil: Der Elfteelfte ist für die Kölner kein Datum, an dem sie lediglich auf den Alter Markt gehen, feiern, und am nächsten Tag wieder zur Arbeit erscheinen. In Köln ist dieser Tag eine Zeitenwende - wenn dat Trömmelche jeht, ist nahezu jeder Kölner genetisch darauf programmiert, nun in einen auf Dauerbetrieb laufenden Party- und Gute-Laune-Modus umzuschalten.

In Düsseldorf dagegen läuft ab heute zwar im Hintergrund noch ein bisschen die Pappnase, aber eher auf Sparflamme. Wichtiger sind hier Weihnachtsmarkt und Geschenke kaufen - Karneval ist eine noch weit nach den Weihnachtsferien liegende Phase. Und beginnt dann rund um die Kö die hohe Zeit des Narrentums, ist das noch lange keine Garantie für überbordende Stimmung.

Denn: Geht ein Düsseldorfer auf eine närrische Veranstaltung, ist er dort Gast und erwartet, unterhalten und in Stimmung gebracht zu werden. Funktioniert das, feiert er gerne mit. Falls nichts, sitzt er mit verschränkten Armen auf seinem Stuhl und ist sichtlich sauer, dass ihm keiner Spaß macht. Der Kölner ist da völlig anders: Er nimmt nicht etwa nur teil, er ist Teil des Programms - hörbar und sichtbar.

Nun muss man fairerweise sagen, dass der Kölner eigentlich das ganze Jahr jeck ist. Keine Supermarkt-Eröffnung, kein Straßenfest, keine Party ohne jene Stimmungsschlager aus der Jecken-Fraktion, irgendwo gibt es immer den Anlass für ein zartes oder lautes Alaaf. Da kann auch die am Dom mächtige katholische Kirche nichts ändern und nimmt ihre kölschen Schäfchen daher lieber so, wie sie nun mal sind: Karnevalisten von der Wiege bis zur Bahre. Passenderweise ist der Kölner Rosenmontags-Zugleiter hauptberuflich Bestatter - der sich gern totlacht.

Den Düsseldorfer steckt das jecke Virus postnatal an, wenn überhaupt. Er wird nämlich im Laufe seiner ersten Lebensjahre zum Karnevalisten gemacht - oder zeigt sich immun. Im zweiten Fall wendet er sich mit Grausen, wenn diese närrischen Würdenträger - Senatoren, Generäle a la Suite, Ehrendegenträger - stolz ihre Blechorden präsentieren und vor allem ernst genommen werden wollen.

An dieser Stelle kommen die beiden Städte allerdings wieder zusammen: Denn dieser Auftritt der Möchtegern-Wichtigen mit Narrenkappe läuft in Köln genau so kurios ab. Dort Mitglied bestimmter Garden zu sein, kommt einem Ritterschlag gleich. Kölns oberste Pappnasen sind - wie ihre Kollegen in Düsseldorf - in eigenen Dingen halt sehr eigen, achten auf Respekt und Rang, pflegen den Klüngel auf höchstem Niveau und schufen so - jedoch unfreiwillig - eine der originellsten und witzigsten Events des deutschen Karnevals: die Stunksitzung.

Die entstand vor über 20 Jahren aus dem beißenden Spott einiger echter Narren über den etablierten Karneval. Ohne dessen Piefigkeit hätten die Stunk-Macher keine Chance und keine dieser großartigen Vorlagen gehabt.

Dass Narrenfreiheit dem Karneval gut tut, beschert Düsseldorf - nun weit vor Köln - viel Beifall für die pfiffig-hintersinnige Rede des Hoppeditz und anerkannten Vorsprung beim Rosenmontagszug: Die von jeder Zensur unbeeinflussten Mottowagen des Wagenbauer Jacques Tilly sind derart frech, dass sie weltweit in Print-, TV- und Internet-Angeboten auftauchen.

Von Köln gibt's da keine Spur.

(RP)
Mehr von RP ONLINE