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Düsseldorf/Köln: Das sind die Lieder der neuen Session

Düsseldorf/Köln : Das sind die Lieder der neuen Session

Heute um 11.11 Uhr endet die narrenfreie Zeit: Beim Start in die Session stellen viele Bands wieder ein neues Lied vor. Zwei Experten sagen: Auch ein guter Song kann ein paar Jahre brauchen, bis er im jecken Sprachzentrum ankommt.

Die "Höhner" haben bis zuletzt noch am Text geschraubt, heute beim Sessionsauftakt wissen die Künstler endlich, ob ihr Song auch im härtesten Feiermodus besteht: im Karneval.

Die Bands bringen jedes Jahr neue Lieder raus, nur wenige von ihnen werden zum Klassiker. Meistens braucht ein neuer Song immer ein paar Jahre, um sich zu etablieren. Nach zwei, drei Sessionen sind die Jecken in der Regel textsicher, sagt Wicky Junggeburth, der 1993 als Kölner Karnevalsprinz "Eimol Prinz zo sin" sang und seit Jahren am Elften im Elften im WDR "Immer wieder neue Lieder" (WDR 4, 19 Uhr) moderiert.

Wir berichten im Live-Blog laufend aktuell vom Hoppeditz-Erwachen in der Region.

In der Session 2015 schätzt er besonders das Frauen-Trio La Mäng mit seinem Motown-Pop-Lied "Mir rocke de Veedel". "Die Drei sind aus dem Kölner Jugendchor St. Stephan hervorgegangen, singen dreistimmig, haben selbst am Text mitgeschrieben - einfach toll." Mit den Etablierten wie Höhnern, Paveiern und Räubern sei ohnehin immer zu rechnen. Den Bläck Fööss ist in diesem Jahr mit "Dat kann uns keiner nemme" ein Coup gelungen: Das Lied stammt im Original von den wohl erfolgreichsten Komponisten der Welt: Björn Ulvaeus und Benny Andersson von Abba, die es unter dem Namen BAO veröffentlicht haben. Und mit "Mem Müllemer Böötche" holen die Fööss wieder den Samba nach Kölle.

Für Stefan Kleinehr, Moderator der Düsseldorfer ARD-Fernsehsitzung und Präsident des "Allgemeinen Verein der Karnevalsfreunde Düsseldorf" (AVDK), ist das Mottolied der Fetzer ("Traumhaft jeck") in dieser Session einer der Knaller neben "Polka Polka Polka" von Brings mit Pitter, Olga und Florian Silbereisen (am Akkordeon) sowie Klüngelköpps "Us kölschem Holz", bei dem sich Holz natürlich auf Stolz reimt. Einige dieser Künstler vertritt Kleinehr mit seiner Veranstaltungsagentur - auch Kuhl un de Gäng. Die Kölner swingen in diesem Jahr mit "Ich han dä Millowitsch jesinn" auch bei der ARD-Sitzung und der Lachenden Kölnarena - das spricht für sie.

Ein Trend macht sich im Karneval bemerkbar, der sowohl positiv als auch negativ ist: Die Bands polarisieren die Jecken. Ü50-Narren hören lieber Paveier, Räuber, Höhner und Bläck Fööss, die jecken U50er feiern bei Brings, Cat Ballou und Kasalla - einige Bands bewegen sich in der Schnittmenge aller. Zumindest Junggeburth stört sich schon daran, dass der Karneval generell wesentlich lauter geworden ist. "Es geht vielen Leuten auch auf den Keks, wenn Bands mit 1000-Watt-Anlagen wummern."

Stefan Kleinehr sieht in der Dominanz der Karnevalsmusik eine andere Gefahr. "Die Sitzungen werden für die Vereine mit allen Nebenkosten immer teurer und deshalb oft kürzer", sagt er. Die ersten, die aus Kostengründen aus dem Programm flögen, seien die Tanzcorps. Kleinehr bedauert das, denn Tanzen gehöre wie die Rede aus der Bütt zum traditionellen Karneval dazu. Damit auch junge Menschen an den Sitzungskarneval rangeführt würden, bräuchte es moderne Bands wie Brings, Kasalla oder Cat Ballou.

Auch wenn das Lied beim ersten Hören nicht wirklich ins Ohr geht, sehen die Musikexperten immer noch Hitpotenzial. "Manche Lieder muss man drei, vier, fünf Mal hören, und dann erkannt man, ob es funktioniert", sagt Wicky Junggeburth. Besonders die etablierten Bands, die schon viele Hits auf die Bühne gebracht haben, müssen mit ihrem Neuling bestehen. "Die Leute verlangen immer die alten Lieder, denn die bekannten singen sie am liebsten", sagt Junggeburth. Deshalb sollten die Musiker froh und stolz sein, einen Evergreen im Repertoire zu haben. Das ist nämlich der einzige Fall, in dem den Jecken bei einer "ollen Kamelle" das Herz aufgeht.

(RP)