Investor fordert mehr Wohnbauflächen in Düsseldorf

Knapper Wohnraum: Investor fordert mehr Bauflächen für Düsseldorf

Das Unternehmen Silverlake besitzt allein 500 Wohnungen in Düsseldorf. Geschäftsführer John Bothe sagt: Gegen steigende Mieten helfen nur neue Bauflächen – etwa im Norden, in Hamm oder am Industriehafen.

Die steigenden Wohnungsmieten und der knappe Wohnraum machen den Düsseldorfern zunehmend zu schaffen. Viele haben Sorge, demnächst keine bezahlbare Wohnung mehr zu finden. Der Immobilien-Unternehmer John Bothe fordert jetzt die Politik auf, es Investoren und Bauherren leichter zu machen, neuen Wohnraum zu schaffen: „Insgesamt sehen wir nur einen Weg, um den Druck auf die Mieten zu mindern: Es muss viel mehr gebaut werden als aktuell, um die wachsende Nachfrage besser zu befriedigen“, sagt der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens Silverlake, das 1000 Wohnungen besitzt, davon allein 500 in Düsseldorf.

Gebraucht würden jährlich rund 2000 bis 2500 Wohnungen mehr, als zuletzt fertiggestellt wurden. „Die Defizite gehen über alle Wohnungsgrößen hinweg“, sagt Bothe. Am schlimmsten sehe es bei den Ein-Zimmer-Wohnungen aus, aber auch in den anderen Bereichen stelle man nur 30 bis 50 Prozent des Bedarfs fertig. Um dem abzuhelfen, brauche es auch den Willen der Politik: „Es muss viel mehr Bauland ausgewiesen werden.“

Dass die Stadt bereits dicht besiedelt ist, ist dem gebürtigen Düsseldorfer Bothe (er selbst lebt im Linksrheinischen) klar. Er weiß auch, dass viele Vorschläge für neue Baugebiete schon in der Vergangenheit scharf kritisiert wurden. Dennoch muss aus seiner Sicht das Wohnen Priorität bekommen, müssen in Gerresheim oder Eller neue Häuser entstehen. „Im Düsseldorfer Norden passiert ja schon eine Menge. Zusätzlich wäre einiges um den Vogelsanger Weg herum denkbar, und man könnte in diesem Gebiet weiter verdichten“, sagt er. 5000 bis 10.000 weitere neue Wohnungen seien im Hafen möglich. Viele Flächen der Neuss-Düsseldorfer Häfen würden etwa nur als Abstellfläche genutzt, „zehntausende Quadratmeter liegen brach“. Das wären freilich nicht die ruhigsten Wohnungen der Stadt, räumt er ein: „Beispielsweise könnte man preisgedämpfte Wohnungen als Schallschutzriegel erwägen. Ich vermute aber ohnehin, dass es in manchem alten Haus an der Bilker Allee deutlich lauter ist.“

Und auch die Debatte um landwirtschaftliche Flächen in Hamm als Bauland sollte aus seiner Sicht erneut geführt werden: „Einerseits ist es nachvollziehbar, dass die Landwirte nicht einfach so verkaufen wollen. Es ist aber einfach nicht mehr zeitgemäß, dass wir in Zeiten einer so schwierigen Wohnungssituation große Flächen in guter Lage einer Großstadt für Landwirtschaft nutzen“, sagt er.

John Bothe hat Silverlake gegründet. Foto: Silverlake

Als vielfacher Vermieter weiß Bothe, dass es in seiner Branche viele unterschiedliche Vertreter gibt. Einerseits sei es unrealistisch zu erwarten, dass Mieten (in den Häusern seines Unternehmens meist um 8,50 bis 9,50 Euro je Quadratmeter) niemals erhöht werden dürften, sagt er: „Wenn ein Vermieter so agiert, dann macht er vielleicht auch nichts mehr in dem Haus, lässt es verfallen.“

Auf der anderen Seite bemühe sich sein Unternehmen, die Preise nicht zu sehr steigen zu lassen – und das durchaus auch im eigenen Interesse: „Uns ist es lieber, ein Mieter fühlt sich in seiner Wohnung und mit seiner Miete wohl und bleibt deshalb lange bei uns. Ständige Mieterwechsel bedeuten schließlich auch immer eine neue Renovierung und einen Leerstand bis zur Neuvermietung, auch wenn das in Düsseldorf nicht so schwierig ist wie anderswo.“ Dazu komme: „Wenn man die Mieter seit vielen Jahren kennt und beide Seiten gut miteinander umgehen, dann ist vieles einfacher.“

Als Eigentümer vieler Wohnungen kenne er das Gefühl, dass Vermietern oft Misstrauen entgegengebracht wird, man sich angegangen fühlt. „Aber ich sage nicht viel dazu. Ich denke, ich habe einen gut funktionierenden moralischen Kompass.“

Gebe es tatsächlich einmal echte Probleme, kümmere er sich auch selbst. „Wir haben trotz unserer vielen Wohnungen nahezu keine Rechtsstreits mit unseren Mietern“, betont Bothe: „Viele Vermieter, die Probleme mit ihren Mietern haben, verursachen das durch unprofessionelles Verhalten selbst.“

Das könne beispielsweise dann passieren, wenn Leute ein Haus mit vermieteten Wohnungen erbten, aber wenig Ahnung und vor allem nicht die finanziellen Mittel hätten, um alles instand zu halten: „Oft lösen wir, wenn wir ein Haus übernommen haben, die Probleme, die die Mieter schon seit Jahren hatten. Es hilft auch uns, wenn die Mieter zufrieden sind“, erläutert John Bothe.

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